Kreyenbrück Ein typischer Oldenburger Vorgarten ist das hier wahrlich nicht. Wer hat denn schon Kartoffeln, Stangenbohnen, Kohlrabi, Mangold, Blattsalat und Zucchini vorm Haus? Bei Gabriele Siebert und Ulrich Hartig gibt es das alles – und noch viel mehr. Das Paar hat sich vor zehn Wochen junges Gemüse vors Eigenheim am Schellenberg geholt. Dort, wo zuvor pflegeleichte Pflastersteine die Fläche beherrschten, zieht jetzt ein kleiner Bauerngarten die Blicke der Passanten auf sich. Üppig gedeiht’s hier.

So üppig, dass die Eigentümer gern schon etwas von ihrer ersten Ernte an die Nachbarn abgegeben haben. Denn auch hinterm Haus wird geackert, „Ackerbau“, so formuliert es Gabriele Siebert, hätten sie und ihr Mann schon in den 17 Jahre an ihrem vorherigen Wohnort an der Cloppenburger Straße betrieben. Vor anderthalb Jahren sind sie umgezogen, haben erst das Haus eingerichtet und ab April das Projekt „Bauerngarten“ angepackt. Denn: „Versiegelung geht gar nicht“, sagt sie. „Es geht aber um die Selbstversorgung für die Zukunft“, fügt er hinzu.

Es wurden 35 Quadratmeter Parkplatz auf dem Grundstück entsiegelt; 25 m² davon für den Obst- und Gemüsegarten, der nun mit Holzpfählen eingefasst ist. „Alles in Absprache mit der Stadt“, sagt die Hausherrin.

Alles fand Abnehmer

Sie erinnert sich zurück: „Wir waren nicht lange allein, als mein Mann, unser erwachsener Sohn und ich damit angefangen haben, die Steine aufzunehmen. Sofort war der kleine Nachbarsjunge Justus dabei. Und schnell packten acht weitere Nachbarn mit an. Einfach toll.“ Steine weg, sortiert und zur Weiterverwertung an einen Landwirt abgegeben; Sand in der Höhe von 30 Zentimetern abgezogen – und verschenkt. Hier fand alles seine Abnehmer.

Von einer Fachfirma ließ man sich den Weg aus den alten, aber auch aus neuen Steinen verlegen. Als dann auch der bestellte Mutterboden eingearbeitet war, wurde – selbstverständlich – erst einmal ein Baum gepflanzt. Ein Apfelbaum, eine alte Sorte: „Roter Berlepsch“. Zum (bereits genannten) Gemüse kamen noch Gurken und Tomaten sowie Beerenfrüchte: Blaubeere, Stachelbeere, Himbeere und Blaubeere.

Hinterm Haus, wo die Rasenflächen verkleinert, Steine aus dem Boden geholt und die Beete vergrößert wurden, gibt es neben anderem auch noch Erdbeeren, Kürbisse und Pastinaken und Grünkohl. Ulrich Hartig weist auf seine „Versuche mit Süßkartoffeln und Ingwer“ hin. Gabriele Siebert zeigt auf die „Gerümpelecke“ mit einigen ausgedienten Blumentöpfen. „Das ist ein guter Unterschlupf für Tiere. Wir haben hier zum Beispiel einen Frosch, und ein Igel verkriecht sich hier auch gern.“

Hier wird’s würzig

Im Kräuterbeet daneben findet sich alles mögliche, um dem Gartengemüse bei der Verarbeitung in der Küche die rechte Würze zu verpassen: Salbei, Thymian, Majoran, Kümmel, Rosmarin, Minze, Melisse, Lorbeer, Bohnenkraut, Schnittlauch und Petersilie. Aus der Ecke mit den Buchsbäumen wurde die Ecke mit dem Holunder, den Schmetterlingsstauden und den Sonnenblumen.

„Bei der Auswahl der Blumen und der kleinblütigen Stauden ging es uns nicht nur um Biene und Co., sondern auch um alle anderen Insekten“, betont die 56 Jahre alte Kindergartenleiterin. Sie hätten auch kaum Probleme mit Schädlingen. „Wir hatten mal Schwarze Läuse. Da halfen dann die Marienkäfer.“ Selbst angesetzte Schachtelhalmbrühe verwende sie auch mal, so Siebert. Gedüngt werde mit Kompost oder Biodünger. „Und ganz wichtig ist das Mulchen“, rät die Kreyenbrückerin. Aus der Nachbarschaft bekomme man den Rasenschnitt. Retour gibt’s dann Mangold, Salat und Zucchini. Das gedeiht ja alles so gut, wo früher mal Steine lagen.


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Susanne Gloger Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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