OLDENBURG Kanalsanierung ohne aufgerissene Straßen – ein Ding der Unmöglichkeit? Eigentlich nicht, schon 1994 ist mit der fahrbahnschonenden Methode, im Untergrund zu arbeiten, in Oldenburg experimentiert worden. Die Testläufe an der Haareneschstraße hatten zunächst keine Konsequenzen – seit einiger Zeit aber baut der OOWV (seit 2000 Eigentümer des städtischen Abwassernetzes) auf die Technik. Aktuelles Beispiel: An der Eichenstraße setzt der OOWV das sogenannte Schlauchlining ein.

Dieses spezielle Sanierungsverfahren geht von der Idee aus, nicht das Kanalrohr auszutauschen, sondern seine maroden Wände zu reparieren mit Hilfe eines innen anliegenden Strumpfes. Was sich so völlig untechnisch anhört, erklärt OOWV-Ingenieur Reinhard Hövel korrekt: „Zunächst wird – noch außerhalb der zu sanierenden Leitung – ein Schlauchträger aus Synthesefaser mit einer Kunststoffbeschichtung und einer Imprägnierung aus Polyester-Harzen hergestellt. Solange der Schlauch noch flexibel ist, wird er anschließend über die Einstiegsschächte in die schadhafte Rohrleitung eingezogen.“

Der zweite Teil der Kanalsanierung folgt unterirdisch. Wasser mit konstantem Druck wird in das Rohr geleitet, um den Schlauch eng an dessen Innenwand zu pressen und ihn dort kontrolliert auskühlen zu lassen. Ist schließlich das Material abgekühlt und gehärtet, werden die Zuläufe mittels Robotertechnik von innen geöffnet – „ein naht- und muffenloses, formschlüssiges Rohr im Rohr“ sei entstanden, das, so Hövel, einem neu verlegten Rohr in Sachen Qualität kaum nachstehe.

Rund 1500 Meter Schmutzwasserkanäle werden in diesem Jahr vom OOWV saniert, ohne dass vorher Tiefbauarbeiten zu erledigen sind. Dafür sind die Arbeiten schneller, sauberer und ohne Lärm zu erledigen. „Das Schlauchlining-Verfahren ist inzwischen seit langem bewährte Praxis“, sagt Hövel, der in dieser Woche sich nicht nur an der Eichenstraße, sondern auch an der Bloherfelder Straße die komplizierten Aufbauten der Schlauchlining-Fachleute angesehen hat.

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Vor 16 Jahren nannte man ein ähnliches Verfahren „Trolining“, das das Unternehmen Heinrich Hecker im Auftrag der Herstellerfirma für die Stadt in der Haareneschstraße erprobte. Es hakte und ruckelte zwar bei der Umsetzung, doch im Prinzip galt der Test damals als gelungen.

Ein Ergebnis mit Zukunft: Inzwischen sind weltweit mehr als 25 000 Kilometer Kanal damit saniert. Und Bloherfelde fehlt noch in dieser Bilanz.

Klaus Fricke
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