Oldenburg Die alte Mios-Halle im Stadtteil Etzhorn ist noch nicht bezogen, da hat die Stadt schon weitere Fakten geschaffen: Die alten Berufsbildenden Schulen 3 an der Willersstraße sind jetzt mit den ersten 50 Flüchtlingen belegt worden – das Land hatte sie am Dienstag kurzfristig zugewiesen. Weitere 70 werden an gleicher Stelle noch zeitnah folgen. Dabei handelt es sich um ein Angebot auf Zeit: Etwa ein halbes Jahr kann die Stadt das bereits veräußerte Grundstück und noch funktionale Bereiche des maroden Gebäudes nutzen. Noch ist unklar, ob es vor Ort eine Verlängerung geben kann. Das steht derzeit allerdings auch kaum zur Debatte.

Es dreht sich um Betten

Improvisation ist gefragt. „Wir bekommen nahezu täglich neue Informationen vom Land – und unsere Kooperation wird erwartet“, sagt Stadtbaurätin Gabriele Nießen. Planungen seien kaum möglich, man fahre auf Sicht. „Noch vor wenigen Wochen wussten wir nicht, dass wir die Halle am Stubbenweg benötigen – niemand von uns hat diese Dringlichkeit und Massivität erwartet.“ Die Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten für künftige Flüchtlinge bleibt in den städtischen Ämtern derzeit das beherrschende Thema. „Noch dreht sich alles nur um Betten, aber in den nächsten Jahren werden auch die Bereiche Gesundheit, Schule, Betreuung oder Arbeitsmarkt bedeutend für uns werden“, sagt Sozialdezernentin Dagmar Sachse, „Betten haben wir irgendwann genug.“

Bedarf an Unterbringung

Rund 1000 Plätze hat die Stadt derzeit für Flüchtlinge zur Verfügung – verteilt auf die vier kommunalen Gemeinschaftsunterkünfte (600) und dezentral in Wohnungen (400) im gesamten Stadtgebiet.

Belegt sind diese allesamt – weil auch Flüchtlinge, die in den vergangenen Jahren dort untergebracht wurden, noch hier leben.

Zusätzlich kommen die Notunterkunft in Etzhorn (500 angekündigt) und die Erstaufnahmeeinrichtung Blankenburg (600 Plätze).

Die soll es vorzugsweise in Wohngebäuden geben; aber auch Bürogebäude rücken nun immer mehr in den Fokus. Und von beiden gebe es noch viele auf dem Markt, sagt Sachse – die Stadt würde „eine ganze Menge“ angeboten bekommen. Geeignet für die Flüchtlingsunterbringung seien aber nicht alle. „Unsere Mitarbeiter arbeiten und prüfen alles unter Hochdruck.“ Auf weitere Angebote aus der Bevölkerung sei man jedoch nach wie vor angewiesen.

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Was in Oldenburg – zumindest akut – kein Thema mehr ist, sind Containerlösungen. Einerseits, weil die Preise aufgrund hoher Nachfrage und geringer Stückzahlen empor schnellen, andererseits, weil Wartezeiten von bis zu neun Monaten keine Alternative in jetziger Situation darstellten.

Runder Tisch

Apropos Warten: Verzögerungen bei der Einrichtung von Unterkünften wie zuletzt der BBS 3 seien nicht minder der Logistik geschuldet. Weil Betten nicht rechtzeitig geliefert wurden, hatte die Feuerwehr in der BBS 3 mit Feldbetten ausgeholfen. Duschen seien teilweise über Baumärkte und Großhändler angekauft worden, weitere Wohnmodelle wie die Aufstellung von Schwedenhütten würden zumindest intern diskutiert. „Unsere Bauleute sind wirklich sehr kreativ“, so Sachse, „die Improvisation wird aber aufgrund der Lage wohl noch deutlich zunehmen.“

Überblick: Hier können Sie Flüchtlingen helfen

Als mildernd in einigen Bereichen könnte sich die Vernetzung der beteiligten Hilfsorganisationen erweisen. Oberbürgermeister Jürgen Krogmann hatte deshalb rund 20 Institutionen und Gruppen, die sich mit dem Thema Flüchtlingsarbeit beschäftigen, an den Runden Tisch geladen. Den soll es nun im Monatsrhythmus geben. Ein Ergebnis dieser ersten Zusammenkunft: Ehrenamtliche Unterstützungsangebote sollen künftig besser aufeinander abgestimmt, Listen über nötige Hilfen gezielt erstellt, der Austausch bei Kleiderspenden durchlässiger gemacht werden. Wie? Das gilt es zu klären. Der Druck auf die Verwaltung ist enorm und kommt nicht nur vom Land. „Bei allen Anstrengungen ist es wichtig, auf die Gesamtstadt und andere Mitbürger zu achten“, sagt Gabriele Nießen, „wir haben uns jahrelang für eine gewisse Baukultur und eine qualitative Stadtentwicklung eingesetzt – die dürfen wir bei der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten nicht aus dem Blick verlieren.“

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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