OLDENBURG Puppe und Konzept stammen aus Frankfurt. Es soll Ausbildungsgrundlage werden.

Von Thorsten Kuchta OLDENBURG - „Das Medizinische“, weiß Oberarzt Dr. Steffen Kosian, Leiter der Kardiologie am Pius, „wird im Notfall meistens richtig gemacht.“ Die Abläufe im Team aber – das sei eine andere Geschichte. Seit gestern lassen sich 35 Mediziner aus Norddeutschland in seinem Krankenhaus bei der Teamarbeit am Herznotfall auf die Finger schauen. Kritische Beobachter sind Psychologen der Lufthansa, die ansonsten mit den Teams aus den Linienmaschinen Notfälle proben.

Geübt wird natürlich nicht am Patienten, sondern an einer äußerst begabten Simulationspuppe (siehe Infokasten). Oldenburg ist damit der einzige Standort für dieses ganz besondere Simulationstraining außerhalb des Simulationszentrums Frankfurt am Main, wo die Arbeit an der Puppe unter Beobachtung „erfunden“ wurde.

Die Beobachtung der Arbeitsabläufe im Team sind zwar ein wichtiger, nicht aber der einzige Ansatz des dreitägigen Seminars, sagt Dr. Erhard Kaiser, Kardiologe und Leiter des Simulationszentrums Frankfurt: „Mittelfristig möchten wir erreichen, dass alle Kardiologen an Simulations-Puppen lernen.“ Die heutige Ausbildung habe zu viel mit Zusehen zu tun, zu wenig mit eigener Erfahrung. Kaiser: „Diese Puppe ermöglicht das Üben, ohne dass es am Patienten stattfinden muss.“

Kosian hält dies für einen guten Weg, um Mediziner mit kritischen Situationen vertraut zu machen. „Dass es um Leben und Tod geht, erleben selbst Kardiologen nicht sehr oft.“ An der Puppe könnten eigene Verhaltensweisen ohne Gefahr überprüft werden.

„Das gilt nicht nur für junge, unerfahrene Ärzte“, sagt Kaiser. Auch Erfahrung könne zum Risiko werden, wenn sie zu Überheblichkeit und Fahrlässigkeit führe.

Sprechende Puppe

200 000 Euro kostet die Simulationspuppe nebst technischem Zubehör, an der Ärzte den Herznotfall und seine Behandlung üben können. Sie erlaubt das Training des Legens von Herzkathetern ebenso wie die Suche nach der richtigen Dosierung von Medikamenten; die Technik reagiert sofort – bei Überdosen auch dramatisch.

Die Stimme der Puppe kommt von einem Mann aus dem Nebenraum, der mit Kopfhörern den Vorgängen folgt. Die Übenden erhalten ihre Informationen zudem über ein Laptop, das u.a. die Herzkurven zeigt und drei weitere Monitore, die beispielsweise den Verlauf des vom Arzt gelegten Herzkatheters verfolgen lassen.

Das Pius-Hospital will bei Simulationen Vorreiter sein und auch Ärzte benachbarter Kliniken schulen, sagt Oberarzt Dr. Steffen Kosian.

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