DöTLINGEN Wenn andere noch schlafen ... heizt der Bäcker bereits den Ofen vor. Es mag sich viel geändert haben bei Berufsbeschreibungen in den vergangenen Jahrhunderten, doch den früh aktiven Bäcker dürfte es immer schon gegeben haben. Früh aktiv gilt aber nicht nur für die Arbeit: In Oldenburg wurde bereits am 2. Februar 1362 das Bäcker-Amt zu Oldenburg gegründet – es war die erste Handwerksorganisation in der seit 1345 freien Stadt.

Am Freitag, 2. Februar, wird mithin der 650. Geburtstag der längst in „Bäcker-Innung“ umbenannten Handwerksorganisation, zu der auch Betriebe in Dötlingen, Hatten, Hude und Garrel gehören, gefeiert. „Nur ganz wenige Innungen sind noch etwas älter“, sind der heutige Obermeister Matthias Dannemann und Ehren-Obermeister Rolf Toennies stolz auf das Jubiläum. „Als Zunft ist man stark“, diesem Motto hat man sich durch die wechselvolle Geschichte stets verpflichtet gefühlt.

„Eyn ewich Ampt“ hatten die Oldenburger Ratsherren im Jahr 1362 „den Beckeren in unser Stad“ zugestanden, der Grund war ein politischer: Oldenburg wollte seinen Bäckern ähnliche Strukturen geben wie denen in Bremen. Zunächst allerdings mit Einschränkungen: Die Berechtigung für die Selbstständigkeit musste ein Bäcker mit „eyne halve maarck“ (viel Geld für jene Zeit, auf heute nicht mehr umrechenbar) bezahlen. Außerdem dürfe, so der Beschluss des Rates, kein Bäcker mehr Brot backen, als er „durch sein Fenster verkaufen will“, heißt in einer Übersetzung des originalen Amtsbriefes im Urkundenbuch der Stadt Oldenburg von 1914.

Nicht zuletzt behielten sich die Herren im Rathaus vor, den Obermeister (damals Amtsmeister) alljährlich selbst zu bestimmen und auch die Versammlungen der Bäcker zu bestimmen. Im 14. Jahrhundert waren die Möglichkeiten für Handwerker zur Selbstbestimmung eben noch sehr gering.

Und die Innungsarbeit wurde eher schwerer. Im 16. und 17. Jahrhundert mischte sich nicht nur der Bürgermeister, sondern auch noch der gräfliche Stadtrichter in die Angelegenheiten der Bäcker ein. Die Folge waren heftige Konflikte und Geldbußen. Ende des 18. Jahrhunderts erst hatten sich die Zünfte von der gräflichen und städtischen Bevormundung befreit.

Trotz vieler Probleme hatte das Bäckeramt sich auch um die Ausbildung des Nachwuchses gekümmert, ein geregeltes Lehrlingswesen gab es aber erst in der Ära von Graf Anton Günther um 1650. Vier bis fünf Jahre dauerte die Lehrzeit, ab 1830 war der Jungbäcker dann Geselle und ging für zwei Jahre auf Wanderschaft. Eine Tradition, die in heutiger Zeit nur wenig gepflegt wird.

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Dafür gibt es für den Bäcker ständig Neues zu erlernen. „Brot und Brötchen reichen nicht mehr als Angebot“, weiß auch Rolf Toennies. „Wir müssen uns an neuartigen Backwaren, Teigen und Geschmäckern orientieren und diese der Kundschaft anbieten.“ Wo unter diesen Voraussetzungen das Bäckerhandwerk in weiteren 650 Jahren steht, ist zwar nur Spekulation. Dass in diesem Beruf früh aufgestanden wird, dürfte allerdings auch dann noch unumstößlich sein.

Zehn Obermeister leiteten die Bäcker-Innung Oldenburg, zu der auch Betriebe aus dem Landkreis gehören, seit dem Jahr 1875. Nachfolgend die Namen: Fr. Wessels (1875-1890), G. Schröder (1890-1910), L. Schomerus (1910- 1922), E. Gramberg (1922- 1937), Ed. Peters (1937- 1941), H. Menke (1941- 1945), Arthur Raster (1945-1969), Hans Schröder (1969-1985), Rolf Toennies (1985- 2003), Matthias Dannemann (seit dem Jahr 2003 im Amt).

Klaus Fricke
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