Eversten Es ist viel Bewegung in diesem Blumenmeer. Nicht etwa der Wind allein lässt die Halme der Färber-Kamille, Kornblumen, Malven, Grasnelken, Glockenblumen, des Blutweiderichs und der anderen wanken. „Wenn sich hier was bewegt, dann ist da ein Insekt“, sagt Wolfgang Pohl freudestrahlend. „Da, eine Hummel“, zeigt er auf die Glockenblumen, „und am violetten Zierlauch naschen gerade ein paar Bienen.“

Vor dem Eigenheim am Schlehenweg, das Wolfgang Paul und seine Frau bewohnen, hat der 89-Jährige eine Wildblumenwiese angelegt. „Im vergangenen Jahr habe ich sie angesät. Vorher ging das nicht, weil auf dem Nachbargrundstück gebaut wurde, und dieser Weg führt dorthin“, erklärt Pohl. Nun hat er auf dem Überweg, auf dem zuvor ausschließlich Rasen wuchs, ein leckeres Büfett für Insekten gezaubert – auf seiner Hälfte der Fläche.

Seit den 70ern hier

Seit 1995 wohnt die Familie Pohl hier in Eversten. Von Bielefeld nach Oldenburg kam sie schon in den 70ern. Wolfgang Pohl, gelernter Banker, machte sich später in der Versicherungsbranche selbstständig und arbeitete dann im Außendienst bei einer Bausparkasse. Mitte der 90er bauten die Pohls dann selber. Die drei erwachsenen Kinder sind längst aus dem Haus. Sie und die zwei Enkel kommen nun aber gern zu Besuch.

Im Ruhestand hat Wolfgang Pohl auch mehr Zeit für den Garten gefunden, in dem manches ein bisschen wild ist, vieles aber praktisch und akkurat. Wie der gepflasterte Innenhof, in dem sich vier Beete mit Rosen, einer Kalmie (Lorbeerrose) und Kamelien befinden. Auch vor dem Haus blühen Rosenstöcke in gepflegten Beeten. Da gibt es die rosa „Leonardo da Vinci“ neben einer „Floribunda“-Sorte in Gelb und der „Nostalgia“ in Creme mit Rot.

Für den Weg hinters Haus hat sich Wolfgang Pohl etwas einfallen lassen. Auch hier wurde aus einer „toten Wiese“ ein Imbiss für Biene, Hummel und andere Insektenarten. Sie finden Pflanzen nach ihrem Geschmack in der Mitte der früheren Rasenfläche. „Links und rechts habe ich Rasen gelassen. Ich muss dort ja auch laufen können“, erklärt der Rentner.

Darauf fliegen Insekten

Hinterm Haus dann wird der Insektenwelt zwar keine wilde Blumenwiese aufgetischt, aber dennoch allerlei, auf das Hautflügler – je nach Jahreszeit – fliegen. Auf Wolfgang Pohls Liste stehen: Bartblume, Erbsenstrauch, Ginster, Hartriegel, Federbuschstrauch, Zierapfel, Prunkspiere, Knopfblume und Gewürzstrauch. Auch der Edelflieder ist dabei. Der duftet zwar in seiner Blütezeit im Mai wunderbar, schmeckt Hummeln und ihren Freunden aber zu bitter (wegen der giftigen Inhaltsstoffe). Doch satt werden sie in diesem Everster Garten allemal.

Das gilt auch für die heimische Vogelwelt, für die Wolfgang Pohl viel übrig hat. Das ganze Jahr hindurch steckt er Meise und Co. Futter zu. Nachbars Hühner gackern aufgeregt, wenn der 89-Jährige um die Ecke kommt. „Die bekommen immer meinen Rasenschnitt“, erklärt Pohl die freudige Hektik des Federviehs. So viel Rasen kann es nicht sein. Das meiste ist ja längst in einer blühenden Blumenwiese aufgegangen.

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Susanne Gloger Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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