OLDENBURG Ute Kohring geht durch einen niedrigen, grauen Betonbau, der Putz bröckelt von den Wänden. Sie ist angekommen, am Flughafen von Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone. Sie wird schon erwartet, ein Mann steht in der Halle, er hält ein Schild hoch mit der Aufschrift „Mercy-Ship“.

Die 54-jährige Oldenburgerin ist zum ersten Mal in Sierra Leone. Der afrikanische Staat ist das dritt ärmste Land der Welt. Im Hafen von Freetown liegt das Krankenhaus-Schiff vor Anker – hier will Ute Kohring drei Monate verbringen und freiwillige Arbeit leisten.

Kosten selbst getragen

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Von Anfang August bis Ende September lebt die Pädagogische Leiterin des Gertrudenheims und stellvertretende Heimleiterin auf dem Hospital-Schiff. Sie ist keine Fachkraft, keine Ärztin oder Krankenschwester. Auf dem Schiff der Mercy-Flotte, das einst ein Frachter war und zum schwimmenden Krankenhaus umgebaut worden ist, kann jeder helfen. Kohring wird in der Cafeteria eingesetzt, sie gibt das Essen aus. Außerdem hilft sie bei Hygieneschulungen und beschäftigt sich mit Kindern, die auf eine Behandlung warten oder darauf, wieder entlassen zu werden. 400 Besatzungsmitglieder hat das Schiff, in der Zeit, in der Kohring da ist, kommen die Helfer aus 34 Nationen.

Die Entscheidung, selbst dabei sein zu wollen und sich für einen Einsatz auf dem Schiff zu bewerben, hatte eine Vorgeschichte. Schon früher hatte Kohring Geld an das Projekt gespendet. „Aber ich wollte auch sehen, wie es ist, dort zu sein und mit anderen Menschen zusammen vor Ort zu helfen“, erklärt sie. Flug und Verpflegung müssen die ehrenamtlichen Helfer selbst bezahlen.

24 freiwillige Helfer

An dem Tag, an dem Ute Kohring am Flughafen Freetown ankommt, steigen 24 weitere freiwillige Helfer aus dem Flugzeug. Sie alle wollen auf das Krankenhaus-Schiff. Einer der wenigen Direktflüge, berichtet Kohring, starte von Brüssel aus nach Freetown.

Mit Autos werden die Helfer zu einer rostigen, restlos überfüllten Fähre gebracht. Dicht gedrängt zwischen Menschen überquert die Gruppe den Sierra-Leone-Fluss, das dauert anderthalb Stunden. Auf der anderen Seite geht es in Autos weiter, allerdings ganz langsam. „Auf den Straßen ist es brechend voll, überall laufen Menschen, man kommt nur im Schritttempo voran“, beschreibt Kohring.

Streunende Hunde, Straßenhändler, unzählige Kinder, und dazwischen versuchen Autos, sich einen Weg zu bahnen. Auf dem Weg zum Hafen durchqueren die Helfer aus aller Welt ein riesiges Slum-Viertel. „Das ist für uns hier unvorstellbar, wie die Menschen da leben“, sagt Kohring.

Manche Hütten hätten nicht einmal Wände, an Strom oder fließend Wasser sei gar nicht zu denken, berichtet sie. Ihr erster Eindruck: Hier gibt es vor allem Armut und viele, viele Kinder.

Um die kümmert sich Kohring, wenn sie mit ihrer Arbeit in der Schiffs-Cafeteria fertig ist. Sie spielt und singt mit ihnen, erklärt ihnen, wie man sich richtig die Zähne putzt, und wie wichtig es ist, sich die Hände zu waschen. Viele Kinder seien auf dem Schiff, damit Fehlstellungen operativ korrigiert werden könnten. Außerdem seien Augen- und Zahnprobleme häufig. Für manche Behandlungen standen Menschenmassen Schlange. Manch ein Patient habe nach einer erfolgreichen Augen-OP wieder sehen können – bewegende Momente für die Oldenburgerin.

Obwohl das Leben auf dem Krankenhaus-Schiff einen eher europäischen Standard hat, lernt Kohring in Sierra Leone das Leben auch von einer anderen Seite kennen. Jetzt ist sie wieder zurück. Menschen helfen zu können, das habe sie glücklich gemacht. Aber sie sagt auch: „Das war eine Erfahrung, bei der ich an meine persönlichen Grenzen kam.“

Sandra Binkenstein Varel / Redaktion Friesland
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