Oldenburg „Iss deinen Teller leer, sonst gibt es morgen schlechtes Wetter“ – Muttis traditionelle Drohung aus Kindertagen funktioniert im Erwachsenenleben nur noch bedingt. Für Gastronomen ist die ungünstige Wetterprognose naturgemäß keine Option. Und auch wenn der Zusammenhang zwischen Verschwendung und Klimawandel heute durchaus plausibel scheint – manchmal lässt es sich nicht verhindern, dass vom bestellten Mahl ein größerer Rest bleibt. Sei es, dass man seinen Hunger überschätzt hat oder eine plötzliche Magenverstimmung in eine lang ersehnte Dinner-Verabredung hineingrätscht.

Eine Lösung des Problems bieten „Doggybags“ (engl. „Hundetüten“). Ihre Ursprünge gehen vermutlich auf die Nachkriegszeit zurück. Weil man sich einerseits nicht leisten konnte, Reste wegzuwerfen, andererseits aber nicht als Geizhals gelten wollte, ging die Ausrede, die Reste seien für den Hund bestimmt, in den Sprachgebrauch über.

Gastrokritiker GustOL & Anna: Lesen Sie hier, welche Mittagstische in Oldenburg sich lohnen

Heute schützt niemand mehr seinen Hund vor. Und für die meisten Restaurants gehören „Doggybags“ zum Alltag. Vor allem chinesische und italienische Restaurants bieten meist ohnehin einen Außer-Haus-Verkauf an, so dass entsprechende Verpackungen vorhanden sind. Auch in Küchen mit hohem Fleischanteil – etwa griechischen oder Balkanrestaurants sowie Steakhäusern – ist das Verpacken der Reste für den späteren Verzehr üblich.

Lesen Sie auch:
Sinnvolle Restebox

Für Naeim Moshtagh, Inhaber des „Deseo“, ist es eine Selbstverständlichkeit. „Bevor ich das Essen wegwerfe, gebe ich es doch lieber dem Gast mit“, sagt er. In der Regel biete das Personal die Möglichkeit an, so Moshtagh. Wie oft es vorkommt, kann er nicht sagen, da das Café im Rauhehorst seinen Restaurantbetrieb erst vor kurzem aufgenommen hat.

Auch in der „Kleinen Burg“ in der Burgstraße werden Reste eingepackt, allerdings kommt es dort generell nicht häufig vor. „In der Regel bieten wir es dann an“, sagt Inhaberin Lina Willms. „Ab und zu fragen die Gäste auch direkt, aber das ist selten. Viele Gäste denken wohl auch, das man das in unserem Restaurant nicht machen darf.“

Im „Eldorado-House“ haben die Gäste diesbezüglich weniger Vorbehalte. „In etwa 90 Prozent der Fälle fragen uns die Gäste direkt danach“, sagt Oliver Ninic, stellvertretender Geschäftsführer des Steakhauses in der Nordstraße. „Anderenfalls fällt uns natürlich auch auf, wenn ein Steak zur Hälfte liegen bleibt. Wir fragen dann nach, ob alles zur Zufriedenheit war und bieten dann auch das Einpacken zum Mitnehmen an.“ Häufig komme das aber nicht vor, sagt Ninic. „Pro Tag kommt man vielleicht auf einen Gast, der sein Gericht mitnimmt“, schätzt er.

„Früher ein Unding“

Eine zunehmende Tendenz der „Doggybags“ verzeichnet Erwin Abel, Inhaber des Bümmersteder Krugs. „Früher galt das ja noch als ein Unding“, erinnert sich der Gastronom. „Heute ist das eher der Normalfall und wir halten inzwischen entsprechende Verpackungsmöglichkeiten bereit.“ Allerdings beobachtet Abel bei den Gästen auch eine veränderte Anspruchshaltung.

Nicht nur bei Gerichten à la carte, auch bei Büffets fragten Gäste inzwischen häufiger danach, Reste mitzunehmen – die zu diesem Zweck oft erst noch auf den Teller wandern. Manche Gäste machen sich so den Umstand zunutze, dass das Büffet regelmäßig aufgefüllt werden muss, damit niemand vor leeren Platten steht.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den NWZ-Wirtschafts-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Als stellvertretender Vorsitzender des Dehoga-Stadtverbands Oldenburg sieht Abel die „Doggybags“ allerdings auch noch aus einer anderen, haftungsrechtlichen Perspektive. „Eigentlich dürften wir es nicht machen, denn wenn der Gast seine Reste bis zum Verzehr nicht richtig lagert, könnten Beschwerden auf uns zurückfallen“, gibt er zu Bedenken. „Dass man dadurch mitunter gezwungen ist, vor allem empfindliche Lebensmittel wegzuwerfen, kann man vielen Gästen nicht vermitteln.“ Ihm bleibe deshalb immer „ein kleines mulmiges Gefühl“, wenn er Reste verpackt herausgebe. „Ich weiß aber auch von Gastronomen, die deshalb von vornherein sagen, dass bei ihnen kein Gericht das Haus verlässt.“

Ohnehin sei die Haftungsfrage äußerst schwammig, findet Abel. „Für Restaurants mit parallelem Außer-Haus-Verkauf ist die Regelung völlig paradox“, sagt Abel. Der Gaststättenverband gibt daher keine verbindliche Vorgabe für seine Mitglieder. „Wir können nur sagen: ’Ihr kennt die Regeln, was ihr daraus macht, ist eure Sache.’“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.