Oldenburg Die Rückkehr an den früheren Arbeitsplatz endet mit einem Rauswurf. Kaum hat Daniel Henninger im Café des städtischen Jugendkulturzentrums Cadillac, Huntestraße, Platz genommen, da fordert ihn Cadillac-Leiter Marius Asmus auch schon nachdrücklich zum Gehen auf. Und der Autor dieses Berichts wird ebenfalls hinaus komplimentiert. Henninger (49) hatte die NWZ  vor Ort über die Kündigung seines Honorarvertrags und die vermuteten Hintergründe einer Schadstoffbelastung im Jugendzentrum informieren wollen. Dies passte Asmus offenbar nicht.

Der Musiker und Tontechniker Henninger war seit 2005 im Cadillac auf Honorarbasis beschäftigt. Vor acht Jahren nahm das dort von ihm eingerichtete Tonstudio seinen Betrieb auf. Der Fachmann gab Kurse und verhalf Nachwuchsbands zu ihren ersten Aufnahmen. Im Mai 2012 bemerkte er plötzlich einen unerträglichen Gestank in dem von ihm angemieteten Tonstudio und auch in anderen Cadillac-Räumen. „Erst nachdem einer meiner Kollegen in seinem Büro ohnmächtig geworden war, handelte die Stadt“, erzählt der 49-Jährige. Die Verwaltung ließ sechs betroffene Räume, darunter das Tonstudio, sperren.

Geräte blieben im Studio

Für Henninger hatte dies gravierende Folgen: „Ab Juni 2012 durfte ich den angemieteten Raum nicht mehr betreten, noch durfte ich meine technischen Geräte im Wert von 24 000 Euro ausbauen, um meinen Betrieb in anderen Räumlichkeiten auszuüben.“

Das Bremer Umweltinstitut untersuchte die Räume auf verschiedene Schadstoffe, wie die Verwaltung aber erst im April 2013 verriet (NWZ  berichtete). Festgestellt worden sei eine Belastung mit „Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen“ (PAK). Zahlreiche PAK sind laut Umweltbundesamt krebserzeugende Substanzen.

Henninger vermutet, dass die Schadstoffbelastung entstand, als eine Firma im Frühjahr 2012 im Auftrag der Stadt die großen Graffiti an der Fassade mit Chemikalien entfernte. Der Farbentferner sei nicht ordnungsgemäß aufgefangen worden, sondern ungehindert in den Betonblumentrog an der Fassade gelangt. Die ursächlichen Giftstoffe befänden sich wohl noch immer im Erdreich.

Mit der für die Graffiti-Entfernung verantwortlichen Firma wurde sich Henninger eigenen Angaben zufolge im Frühjahr 2013 über eine Schadensersatzforderung in Höhe von etwa 23 000 Euro einig. Zur Abwicklung kam es aber nicht. „Der städtische Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft und Hochbau wollte meinen Schadensersatz als Vermieter selber zahlen“, so Henninger. Er ließ sich nun auf einen Schadensersatzbetrag von nur noch 7895,16 Euro ein, „weil ich die Zusage bekam, nach der Sanierung das Tonstudio weiter betreiben zu dürfen“.

Immerhin 150 000 Euro kostete es die Stadt, die Cadillac-Räume zu sanieren. Erst im Februar 2014 gab die Verwaltung den Abschluss der Arbeiten bekannt. Daniel Henninger kehrte allerdings nicht mehr an seinen alten Arbeitsplatz zurück: „Erst wurde ich vertröstet, dann hieß es plötzlich, ich bekäme gar keinen Schadensersatz.“ Gleichzeitig seien ihm der Honorarvertrag und die Nutzungsvereinbarung über das Tonstudio gekündigt worden. „Der Cadillac-Leiter sagte mir, der Raum sei ab sofort anderweitig vergeben“, berichtet der Tontechniker über die aus seiner Sicht überraschende Wendung. Erklären kann er sich die Kündigung bis heute nicht.

Anwalt eingeschaltet

Auf seine anschließenden Schreiben habe es keine Reaktion von der Stadtverwaltung gegeben. Ein von ihm eingeschalteter Anwalt versuchte mehrfach, eine Einigung zu erzielen. Ohne Erfolg. Die Verwaltung habe sowohl Schadensersatz als auch Gespräche abgelehnt.

Um sich und seine Familie über Wasser halten zu können, beantragte der Arbeitslose Unterstützung beim Jobcenter. Inzwischen hat er eine Anstellung beim Verein „Ibis – Interkulturelle Arbeitsstelle“ an der Klävemannstraße gefunden. Dort fällt u.a. die Veranstaltungstechnik in seinen Zuständigkeitsbereich.

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„Mein Tonstudio-Betrieb ist durch den Vorgang aber völlig ruiniert worden. Da ich den Schadensersatzbetrag für den Ausbau in neuen Räumlichkeiten dringend gebraucht hätte“, schildert der 49-jährige Familienvater die aktuelle Situation.

Nach Auskunft von Stadtsprecher Reinhard Schenke wird derzeit verwaltungsintern geprüft, ob die Schadensersatzforderung berechtigt ist. Auch die möglichen Auswirkungen der Graffiti-Entfernung würden untersucht. Wenn Ergebnisse vorliegen, „nehmen wir mit Herrn Henninger Kontakt auf, um das weitere Vorgehen abzusprechen“. Unterdessen hat sich der frühere Cadillac-Mitarbeiter mit seinem Anwalt allerdings darauf verständigt, sich vorerst auf keine Schadensersatzangebote unter 23 000 € Euro einzulassen.

Rainer Dehmer Oldenburg / Redaktion Oldenburg
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