BüRGERFELDE Beim Küster der Christuskirche kommt der Weihnachtsmann bereits am Vormittag ins Haus an der Ehnernstraße 125. Sehr zur Freude der drei Kinder der Familie Arping, die sonst bis zum späten Heiligabend warten müssten.

Für Vater Andrew (40) bedeutet Heiligabend nämlich Stress pur. Die Kinderchristvesper mit Engelchor beginnt am 24. Dezember um 15.30 Uhr, um 17.30 Uhr läuten die Glocken zur Christvesper mit Posaunenchor, ab 23 Uhr ist schließlich noch eine Christmette mit Chor – alle drei Veranstaltungen wollen gut vorbereitet sein. Die Kerzen müssen am fünfeinhalb Meter hohen Weihnachtsbaum brennen, Liederzettel verteilt und die Kirche muss zumindest grob gereinigt sein.

Aus dem Wohnzimmerfenster genießt Andrew Arping über die Ehnernstraße hinweg einen freien Blick auf die Christuskirche an der Harlinger Straße. Übrigens: Auch wenn die benachbarte Grundschule katholisch ist, die Kirche ist protestantisch.

Seit sieben Jahren arbeitet er als Küster in der Bürgerfelder Gemeinde. „Beworben hatte ich mich eigentlich auf eine Stelle in der Lambertikirche. Die habe ich nicht bekommen, dafür wurde mir zwei Monate später die Stelle an der Harlinger Straße angeboten“, erzählt er. Zuvor hatte er für ein Wilhelmshavener Möbelhaus gearbeitet und wegen der ungünstigen Arbeitszeiten kaum mitbekommen, wie die Kinder aufwuchsen. Mit Ehefrau Karin (36, geb. Grafe) wohnte er in Oldenburg zunächst gegenüber des jetzigen Hauses an der Ehnernstraße.

„Für die Kinder war der Umzug auf die andere Straßenseite ein Glücksfall. Bei einer befreundeten Familie, in der die Eltern im Schichtdienst arbeiten, kam der Weihnachtsmann nämlich schon immer vormittags“, erzählen die Eheleute. „Als wir vor drei Jahren umzogen, nahmen wir diese Idee dankbar auf. Seitdem läuft Heiligabend alles viel entspannter, und ich muss die aufgeregten Kinder nicht bis nach 20 Uhr beschäftigen“, sagt die 36-Jährige. „Den Kindern hatten wir zuvor erzählt, dass der Weihnachtsmann vormittags zunächst auf der linken Seite der Ehnernstraße unterwegs ist und nachmittags die Kinder auf der rechten Seite beschert.“ Zur Familie gehören Tochter Anna-Lena (10) und die Söhne Jan-Niklas (7) und Lukas-Finn (2).

In Haus Ehnernstraße 125, das 1938 erbaut wurde, hat bis zu ihrem Tod eine ältere Dame gelebt. „Als sie starb, wurde das Haus verkauft, wir griffen zu“, erinnert sich der gelernte Tischler. Ein Schritt, den die Familie bis heute nicht bereut hat. Sieben Zimmer sind über 135 Quadratmeter Wohnfläche verteilt. Oben leben die Kinder, jedes hat ein eigenes Zimmer, unten wohnen die Eltern. Die Geschosse sind durch eine Treppe miteinander verbunden. Unten ist der Boden mit Laminat und oben mit Kork ausgelegt. „Drei Monate haben wir das Haus saniert, Leitungen neu verlegt und den Dachstuhl isoliert“, erinnert sich der gebürtige Braker zurück – es hat sich gelohnt.

Als Küster ist der 40-Jährige für die Vorbereitung der Gottesdienste und der Gruppentreffen in den Gemeinderäumen zuständig. Außerdem pflegt er die Kirche und die Außenanlagen. Dafür geht ein Großteil seiner Arbeitszeit drauf, den Rest leistet er ab im evangelischen Kindergarten am Schulweg und in der Diakoniestation/Kindergarten von-Berger-Straße.

„Vor Weihnachten wollen alle Gruppen feiern“, erzählt der 40-Jährige, „das ist dann Stress pur.“ Kekse müssen da sein, der Tisch wird von ihm gedeckt und auch für den Kaffee sorgt der Küster. Anschließend wird von ihm der Raum wieder hergerichtet – für die nächste Gruppe.

Auch im Haus der Familie an der Ehnernstraße ist Weihnachten allgegenwärtig. Für die Außendekoration ist er verantwortlich, für die Innendekoration sie („der Weihnachtsbasar im Gertrudenheim ist in jedem Jahr Pflicht“). Engel stehen auf der Fensterbank, Weihnachtsgrußkarten hängen an einer Leine aufgereiht im Wanddurchbruch, Sterne sind ans Fenster geklebt. Außen zieren Lichterketten und ein Rentierschlitten das Haus. Ganzer Stolz von Andrew Arping ist ein Herrenhuter Stern, der mit gelben und roten Strahlen am Dachgiebel hängt. „In der Kirche haben wir einen ganz in gelb“, erzählt der Küster und seine Augen strahlen.

Überhaupt ist es seine Aufgabe, den Kirchenraum weihnachtlich zu schmücken. Am Dienstagmorgen hat er aus dem Garten von Christian Stolle an der Alexanderstraße den fünfeinhalb Meter hohen Weihnachtsbaum geholt, der die Christuskirche zieren wird. Mit einer Leiter hat er nach dem Aufstellen des Baumes 50 Haushaltskerzen angebracht, die zwischen Christvesper und Mitternachtsgottesdienst ausgewechselt werden müssen, weil sie nicht mehr als zwei Gottesdienste überstehen. Für die Familie bleibt am Heiligabend (außer am Vormittag) wenig Zeit. Zum Vorteil für die Kinder – die können mittags schon mit ihren Geschenken spielen, wenn für die anderen das Warten auf das Christkind erst so richtig beginnt.

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Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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