Frage: Wie gefährlich ist die neue Coronavirus-Mutation?

Experte für Mikrobiologie und Virologie

Prof. Dr. Axel Hamprecht (44) ist Inhaber des Lehrstuhls für medizinische Mi­krobiologie der Universität Oldenburg und Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Virologie am Klinikum Oldenburg. Er war 2019 von Köln nach Oldenburg gewechselt.

Hamprecht: Wir wissen bislang nicht viel darüber. Erstmalig wurde sie im September beobachtet. Aktuell können wir noch nicht sicher sagen, ob diese Variante tatsächlich infektiöser ist als die bisher bekannten Viren-Stämme. Tatsache ist, dass sich inzwischen proportional mehr Menschen in Großbritannien mit der neuen Virusvariante angesteckt haben als mit anderen Stämmen. Aber das kann mehrere Gründe haben.

Frage: Welche?

Hamprecht: Es ist möglich, dass die neue Variante infektiöser ist und einfacher weitergegeben werden kann. Denkbar ist aber auch, dass ein mit dieser Variante Infizierter überproportional viele Kontakte hatte – Stichwort Superspreader-Event – und dieser Virus-Typ sich besonders schnell ausbreiten konnte. Wir haben auch in der Vergangenheit beobachtet, dass sich ein bestimmter Virusstamm besonders schnell innerhalb von Europa verbreitet hat. Das lag dann aber nicht daran, dass der Stamm infektiöser war, sondern dass sich zeitgleich viele Menschen im Spanienurlaub damit infiziert hatten und diesen von dort aus in die anderen europäischen Länder mitgebracht haben. Wie hoch das Infektionsrisiko bei dem Stamm ist, der jetzt in Großbritannien im Mittelpunkt steht, wissen wir nicht sicher. Man muss betonen, dass es ein gerade sehr dynamischer Prozess ist, wir derzeit noch relativ wenig sicher wissen und wir den Einfluss der Mutationen erst in einigen Wochen oder Monaten besser beurteilen können.

Frage: Verringert sich durch eine Virusmutation der Impfschutz?

Hamprecht: Das hängt davon ab, welches Teil des Virus mutiert. Bei dem jetzt diskutierten Stamm kommen mehrere Mutationen vor, die zum Teil auch das sogenannte Spike-Protein verändern. Das ist tatsächlich der Baustein, der für den Impfschutz wichtig ist. Insofern könnten die Mutationen eine Bedeutung für die Wirkung einer Schutzimpfung haben. Aber selbst wenn, dann wäre das Problem zu bewältigen. Die jetzt entwickelten modernen Impfstoffe könnten relativ leicht um die neue Variante erweitert werden.

Warum sprechen britische Forscher davon, die Lage sei außer Kontrolle, wenn die Gefahr gar nicht klar ist?

Die Lage in Großbritannien ist tatsächlich mit Blick auf die Zahlen außer Kontrolle – wie in Deutschland auch. Allerdings ist nicht gesagt, ob dies durch die neue Mutation verursacht wurde oder ob sich das Virus in den vergangen Wochen ganz allgemein schneller ausgebreitet hat – so wie in vielen anderen Ländern in den letzten Wochen.

Frage: Wann kommt das mutierte Virus aufs europäische Festland?

Hamprecht: Bisher wurde es in Deutschland noch nicht nachgewiesen, allerdings ist die Mutation bereits seit drei Monaten in Großbritannien bekannt. Mich würde es wundern, wenn sie es angesichts der hohen Zahlen nicht schon längst hierhin geschafft hätte.

Frage: Was ist zu tun, um sich vor dem mutierten Virus zu schützen?

Hamprecht: Wir müssen die Maßnahmen ernst nehmen, die gegen die Verbreitung von Corona allgemein wirksam sind. Unser Problem ist nicht, dass zu wenige Regeln gelten. Wir müssen sie nur endlich mal strikt anwenden. Mein Eindruck ist, dass viele Leute einfach noch zu lax damit umgehen. Weiterhin gilt auch: Nicht alles, was erlaubt ist, ist auch sinnvoll. Gerade über die Feiertage sollten wir lieber vorsichtig sein und weniger Menschen treffen, als man vielleicht könnte.

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Christoph Kiefer Chefreporter / Reportage-Redaktion
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