Oldenburg Die ansteckende Delta-Variante sollte so gut es geht eingedämmt werden, warnt Prof. Dr. Axel Hamprecht. Der Virologe der Universität Oldenburg hat konkrete Vorschläge.

Frage: Die sogenannte Delta-Variante ist besonders ansteckend und breitet sich aus. Welche Gefahr geht von der Mutante aus?

Dr. Hamprecht: Die Infektionszahlen liegen in Deutschland erfreulicherweise unter denen in Großbritannien. Aber wir sehen bei uns eine Zunahme des Anteils von Delta – zum Glück bei insgesamt noch niedrigen Fallzahlen. Vergangene Woche betrug der Anteil der Delta-Variante an den Positivfällen noch gut sechs Prozent – in dieser Woche sind es schon 15 Prozent. Wir müssen jetzt vernünftig gegensteuern, damit es uns nicht wie Großbritannien ergeht.

Virologe Hamprecht: Längere Abstände zwischen Impfungen nicht nachteilig

Frage: Was ist aus Ihrer Sicht nötig?

Dr. Hamprecht: Die Zahlen in Großbritannien sind unter anderem wegen zahlreicher infizierter Eingereister so hoch; es gab viele unterschiedliche Einschleppungen der Variante. Mit Blick auf die Urlaubszeit halte ich deshalb einen PCR-Test für alle Reiserückkehrer für sinnvoll – aus allen Urlaubsländern. Die Antigen-Schnelltests bringen uns im derzeitigen Stadium der Pandemie zu wenig. Ein PCR-Test schlägt früher an, ist zuverlässiger und bringt mehr Klarheit über mögliche Infektionsfälle.

Virologe Hamprecht: „Eine große Infektionswelle erwarte ich nicht mehr“

Frage: Ist die Delta-Variante auf dem Weg zur dominanten Mutante überhaupt noch aufzuhalten?

Dr. Hamprecht: Das glaube ich nicht. Wir sollten die Verbreitung so gut es geht verzögern, um Zeit zum Impfen zu gewinnen. Wir sehen in Großbritannien, dass die Altersgruppen 20 bis 29 und 10 bis 19 Jahre am stärksten von Infektionen betroffen sind – also junge Menschen, die bislang zum Großteil nicht geimpft sind. Einen guten Schutz vor Delta bekommen wir zudem nur durch zweimalige Impfung.

Frage: Sollten sich Jugendliche impfen lassen?

Dr. Hamprecht: Im Moment verfügen wir leider noch nicht über genügend Impfstoff. Die verfügbaren Dosen sollten mit Priorität an Hochrisikogruppen – also Ältere und Vorerkrankte gehen. Aber wenn die Älteren durchgeimpft sind, bin ich dafür, auch junge Menschen zu schützen. Denn sonst werden sie die Populationsgruppe sein, bei denen sich Delta ausbreitet. Wir können das Virus nicht mehr ausrotten, jedes Jahr wird es im Herbst/Winter zu steigenden Fallzahlen kommen. Früher oder später werden sich die meisten infizieren, die keine Impfung erhalten haben.

Virologe Hamprecht: „Schnelltests könnten für vollständig Geimpfte entfallen“

Frage: Was bringt Impfungen voran?

Dr. Hamprecht: Das Nadelöhr sind die Impfdosen. Die Nachricht, dass der neue Impfstoff Curevac nicht die erwartete Wirksamkeit hat, ist ein herber Rückschlag für die Impfkampagne – diese Mengen waren eingerechnet. Im Herbst kommt zusätzlich hoffentlich der Impfstoff von Novavax. Bis dahin können wir die vorhandene Menge aber besser nutzen. Mit speziellen Spritzen lassen sich aus einem Mehrfachbehälter mit fünf Dosen sechs oder sieben Personen impfen. Bei einem Zehner-Behälter sind mit entsprechenden Spritzen auch zwölf Dosen möglich. Leider wird das noch nicht immer eingesetzt.

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Frage: Warum nicht?

Dr. Hamprecht: Am Anfang der Impfaktion gab es rechtliche Fragen, wie viele Impfdosen zulässig sind. Dies hat sehr verunsichert und die Aussagen der Politiker waren nicht immer hilfreich, zum Teil wurden die Ärzte hier im Regen stehen gelassen. Zum anderen liegen diese speziellen Spritzen nicht überall in ausreichender Zahl bereit. In einer Pandemie aber funktionsfähigen Impfstoff wegzuschmeißen, ist nicht zu rechtfertigen.

Christoph Kiefer Chefreporter / Reportage-Redaktion
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