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Oldenburg Damit hatte Karl Coors nicht gerechnet. Als der Rollstuhlfahrer wie gewohnt mit seinem Elektromobil, einem so genannten E-Scooter, den Bus der Linie 301 benutzen wollte, blieben die Türen verschlossen. Stattdessen drückte ihm der Fahrer einen Zettel des Verkehrsverbundes Bremen/Niedersachsen (VBN) in die Hand. „Beförderung von E-Scootern in Bussen und Straßenbahnen leider nicht möglich“, stand dort schwarz auf weiß. Der 52-Jährige, der seit vielen Jahren an Multipler Sklerose (MS) leidet, verstand die Welt nicht mehr: „Wenn ich ohne Begleitperson unterwegs bin, bin ich auf mein Mobil angewiesen.“

Der VBN begründet den ab 1. Januar geltenden Beförderungsstopp mit Rutsch- und Kippgefahren, die von den motorbetriebenen Wagen mit Sitz und Lenkstange ausgingen. Gerade bei Bremsvorgängen könne das verheerende Folgen haben – für den Besitzer und die anderen Fahrgäste. Zudem seien die E-Scooter auf engem Raum nur schwer manövrierbar. Der Verbund beruft sich auf ein Gutachten, das der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in Auftrag gab.

Die Oldenburger VWG, die zum VBN gehört, hat sich entschlossen, nicht bis Januar zu warten. „Wir hatten keine Wahl, da das Risiko zu groß ist“, begründet Morell Predoehl, Leiter Marketing und Vertrieb, den sofortigen Beförderungsstopp. „Es tut uns für die Betroffenen sehr leid, aber wir wollen nicht, dass jetzt noch etwas passiert“, ergänzt er. Von konkreten Vorfällen mit E-Scootern in Oldenburger Bussen sei ihm allerdings nichts bekannt.

Die Beförderungspflicht, die Klaus Coors geltend macht, bezieht sich laut Predoehl nur auf die Personen, nicht aber auf die Geräte. Die deutlich schwereren Elektrorollstühle und Rollatoren sind vom Verbot nicht betroffen. Der VBN weist zudem darauf hin, dass eine Beförderung mit der Bahn wegen des größeren Platzangebotes und besserer Sicherungsmöglichkeiten weiterhin erlaubt sei.

Für das Sicherheitsargument zeigt auch der Oldenburger Behindertenbeirat Verständnis. „Wenn es zu gefährlich ist, kann man das nicht verantworten“, argumentiert Monika Klumpe. „Nur bei dem Verbot sollte es auf Dauer nicht bleiben“, sagt sie und fordert technische Lösungen im Sinne der Mobilität älterer und kranker Mitbürger: „Das wird in Zukunft ein noch größeres Thema werden.“

Karl Coors kritisiert vor allem, dass ihn die VWG mit ihrer Informationspolitik vor vollendete Tatsachen gestellt habe. Von heute auf morgen müsse er sich für seinen Weg von Eversten in die Innenstadt andere Möglichkeiten suchen. Auf Hin- und Rückweg sei er auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, da die Akkus seines E-Mobils für die Strecke nicht ausreichten, berichtet er: „Und die teuren Fahrten mit dem Taxi kann ich mir nicht leisten.“

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