Betrifft: „,Die Absage der Stadt hat uns düpiert‘“, zum Zuschussantrag des Theater Laboratoriums (NWZ vom 5. Oktober)

(...) Die Steuereinnahmen sprudeln wie noch nie. Da fällt es leicht, das Staatstheater mit sieben Millionen Euro jährlich aus dem städtischen Kulturetat zu fördern, Millionen für ein neues Stadtmuseum zur Verfügung zu stellen und Jahr für Jahr das Filmfest finanziell zu stützen. Das alles sind gut angelegte Gelder, hat doch bereits der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker bemerkt, dass „Kultur kein Luxus ist, den wir uns leisten oder auch streichen können, sondern der geistige Boden, der unsere eigentliche innere Überlebensfähigkeit sichert. Und Kultur hängt auch von Personen ab, die sie ins Werk setzen sollen. Es ist ein zentrales öffentliches Interesse, dass Leute, die das können (…), die notwendigen Entfaltungsmöglichkeiten behalten oder bekommen.“

(...) Über eine national wie international so renommierte Bühne wie das Theater Laboratorium verfügt einzig Oldenburg. Auf dies fast immer ausverkaufte Haus mit seiner originellen Mischung aus traditionellem Theater und Puppentheater sollte die Stadt stolz sein (...). Aber ausgerechnet bei diesem kulturellen Alleinstellungsmerkmal allererster Güte mauert und knausert die Stadt, als handele es sich um eine x-beliebige Kirmesbude. Warum?

Offenbar gibt es strukturelle wie personelle Gründe für diese sture Hartleibigkeit. Seit den Tagen des legendären Kulturdezernenten Dr. Seeber fehlt es der Oldenburger Kulturpolitik an Ideen und Konzepten (...). Die seit Jahren vakante Stelle eines Kulturdezernenten wird vom Oberbürgermeister verwaltet. Nun hat aber Pavel Möller-Lück (...) den Mut aufgebracht, die Kulturferne dieses Pseudo-Kulturdezernenten öffentlich zu kritisieren. Ist das des Pudels Kern? Liegt hier ein Grund dafür, dass die vergleichsweise bescheidenen Bitten und Anträge des Theater Laboratoriums unerfüllt bleiben? (...)

Dr. Klaus Modick
Oldenburg

(...) Es ist fast 30 Jahre her, da saß ich an meinem Arbeitsplatz, der geplanten Bibliothek des Deutschen Krankenhausmuseums (heute gehören diese Räumlichkeiten zur Synagoge) bei geöffnetem Fenster. Auf dem Vorplatz zur ehemaligen Isolierstation des PFL (wenig später erste Heimat des Theater Laboratoriums) standen die Damen und Herren des Oldenburger Rates und beratschlagten, ob man die Räumlichkeiten einem Puppenspieler überlassen solle. Einer der Herren fragte, ob Oldenburg tatsächlich ein Kasperl-Theater benötige. Zum Glück gab es nicht nur solche Kulturbanausen unter den Ratspersonen.

Bleibt die Frage, ob den Oldenburger Politikern eigentlich inzwischen bewusst geworden ist, dass das Theater Laboratorium eines der besten Figurentheater Deutschlands ist, wie auch die Besucherzahlen beweisen?

Übrigens ist auch das Deutsche Krankenhausmuseum seinerzeit wegen mangelnder Prüfung seiner Wirtschaftlichkeit durch den Rat in Insolvenz gegangen. (...)

Angelika Sölter
Petersfehn

„Die Absage der Stadt hat uns düpiert“, sagt P. Möller-Lück. Und mich hat das Ganze von jetzt auf gleich zum Wutbürger gemacht – wenn auch ein Wutbürger der anderen Art. Die Teilhabe an der städtischen Kulturförderung stehe allen Anbietern freier und öffentlich zugänglicher Kulturangebote offen, so heißt es von der Stadt. Weiter: „Eine institutionelle Förderung durch die Stadt Oldenburg wird an die zusätzliche Bedingung geknüpft, dass die entsprechende Einrichtung bereits seit Jahren erfolgreich tätig ist.“ Da fragt sich der Oldenburger mit vernünftigem Menschenverstand: Warum lässt eine Stadt, die solch ein kulturfreundliches Image vertritt, einen solchen „Leuchtturm“ wie das Laboratorium alleine?

Die Zuwendungen richten sich vor allem an Angebote, die in sinnvoller Ergänzung zu staatlichen Kultureinrichtungen stehen und richtungsweisende Impulse in die Kulturszene geben, sowie Begegnungen zwischen Lebenswelten schaffen. Ist nicht dies der Inbegriff einer Definition genau dessen, was P. Möller-Lück Oldenburg jedes Jahr aufs Neue schenkt?! Müssen wir uns nun damit abfinden, dass dies eine der vielen leeren Versprechungen ist, die man vom politischen Geschehen gewohnt sein sollte? Ich sage Nein! (...) Das Theater Laboratorium ist ein Aushängeschild Oldenburgs. (...) Ich fordere alle Verantwortlichen auf, Verantwortung zu übernehmen. (...)

Yasin Oguz
Rastede

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