OLDENBURG Vizekanzler Frank Walter Steinmeier (SPD) ist in der Stadt und Osternburg ist blau. Das hat nichts mit politischer Farbenlehre zu tun, sondern mit dem Polizeiaufgebot, das am Mittwochabend für die Sicherheit des Spitzenpolitikers sorgt. Dutzende Polizeibusse rund um die „Harmonie“, Uniformen an jeder Ecke – und Absperrungen, die nicht jeder mit dem Auto durchfahren darf. Da kann man schon mal ausrasten, wie der Fernsehjournalist, der sich mit viel Armgewedel und bösen Blicken die Durchfahrt auf einen Parkplatz direkt am Gasthaus erkämpft.

„Der Steinmeier spielt in einer eigenen Liga“, sagt ein Passant über das Sicherheitsaufgebot. Innen sieht es anders aus. Vor seinem Auftritt sitzt Steinmeier ruhig und gelöst in der Runde ehemaliger politischer Weggefährten aus Niedersachsen im Nebenraum des Harmonie-Saals, Thermoskannen auf dem Tisch, plaudert mit Horst Milde, Uwe Bartels, Bernd Theilen und Wolf Weber über alte Zeiten in Hannover. Dort war Steinmeier unter Ministerpräsident Schröder Staatskanzleichef. Die Themen bleiben geheim: „Wir haben die Oberbürgermeister-Situation durchgesprochen“, kann die Oldenburger Bundestagsabgeordnete Gesine Multhaupt dem NWZ-Journalisten noch stecken, dann muss der raus: Steinmeiers Referent: „Wir möchten unter uns bleiben.“

Doch im Flur gibt’s auch genug zu hören: Da regen sich die Besucher darüber auf, dass sie nur ohne Jacke in den Saal dürfen. Die Sicherheitsleute sind unerbittlich. Meckern hilft nichts.

Dann der Auftritt: SPD-Spitzenkandidat Wolfgang Jüttner spricht, Steinmeier applaudiert, dann geht’s umgekehrt. Die Seele des Parteivolks wird mit Themen wie Mindestlohn, Bildungspolitik und Attacken auf Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) bedient, dann wird das Gespenst schlechter Umfragen mit dem Argument bekämpft, dass sich die Wahl erst in der Kabine entscheidet.

Nur mancher fragt sich, warum Steinmeier mehr über Hessen als über Niedersachsen redet . . .

Thorsten Kuchta stv. Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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