Betrifft: „Warum das Klima Schüler auf die Straße holt“, Kommentar „Bitte konkrete Ziele nennen“ von Christoph Kiefer (NWZvom 9. Februar)

Es wird die Zeit kommen, da wir es uns nicht mehr aussuchen können, ob wir im Dunkeln sitzen. Es ist eben nicht mehr fünf Minuten vor Zwölf, und die Klimaveränderung hat sich nicht nur angekündigt... sie steht bereits in der Tür! Die gegenwärtigen Konzepte und politischen Entscheidungen diesbezüglich sind meines Erachtens nur das Pfeifen im Walde oder gar nur menschenverachtende Unterwürfigkeit den Wirtschaftsinteressen gegenüber.

Die gesellschaftlichen Akteure stehen mit je unterschiedlichen Interessen nicht miteinander für eine lebenswerte Zukunft... sie bekämpfen oft einander. Den Ängsten um Arbeitsplätze in der Braunkohlenbranche hätte man schon längst angemessene Konzepte entgegensetzen können, aber Weihnachten steht ja auch stets unerwartet vor der Tür. Herrn Kiefer gruselt es vor Greta Thunberg, die das System ändern will, wenn Lösungen innerhalb desselben nicht möglich sind. Der alte Spruch „Das System hat keine Fehler, das System ist der Fehler“ gewinnt erneut Bedeutung... aber das ist der Greta ja auch nur von den Eltern und anderen Umweltlobbyisten eingeflüstert worden.

Ulrich Hartig
Oldenburg

Der Kommentar ist Teil des Problems! Die Schüler gehen auf die Straße, um auf die verfehlte Klimapolitik aufmerksam zu machen. Herrn Kiefer: früher aus der Kohle aussteigen? Nein! Die Jugendlichen sollten selber was tun. Und bitte in der Freizeit.

Zum Kohleausstieg: Ziel der jungen Menschen ist der sofortige Ausstieg. Sie haben gelernt: Wer gleich Kompromisse vorschlägt, hat schon verloren. Und die Klimaforschung sagt, dass wir entweder sofort eine klimafreundliche Politik gestalten müssen oder dass uns bald das Klima zwingt, die Politik zu gestalten. Die Jugendlichen wollen lieber gestalten. Ja, wir müssen als Person unsere Lebensführung grundlegend ändern. Die Schüler weisen darauf hin, dass es zudem Themen gibt, die nicht von Einzelnen verändert werden können (...). Hier bedarf es gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.

In der Freizeit? Nein. Wenn sie in der Freizeit demonstrieren würden, wäre die mediale Aufmerksamkeit gering, vermutlich eine Randnotiz. Der Artikel zeigt, dass nicht Inhalte wichtig sind, sondern, wie Schulen mit dem Regelverstoß umgehen.

(...) Beschämend finde ich, von den jungen Menschen konkrete, lokale Ziele zu fordern, was uns Erwachsenen nicht gelingt. Dazu im Unterton ein müdes Lächeln über die Inhalte. Herr Kiefer, glauben Sie, dass die Demonstrierenden sich von Ihnen erst genommen fühlen? Das erinnert mich an meine Frage an einen Mitarbeiter des Bundeskanzleramtes vor 80 jungen Menschen nach seinen Vorstellungen für das Jahr 2050. Antwort: Friedhof. Da gehören diese Kommentare hin. Und den Demonstrierenden ein Dankeschön, dass sie uns „Älteren“ auf die Füße treten.

Stefan Löchtefeld
Oldenburg

Ich dachte, ich sehe nicht richtig. Bei der Demo „Fridays for Future“ hatte jeder zweite Schüler ein Handy in der einen Hand und in der anderen Hand ein Plakat, aber den Blick nur auf das Handy gerichtet. Jeder dritte Schüler hatte noch zusätzlich eine Zigarette in der Hand; ich finde, das geht gar nicht. Zum einen finde ich Demos überhaupt nicht schlimm; aber während der Schulzeit und dann mit Handy und Zigarette?

Rosemarie Marthen
Bad Zwischenahn

(...) Als Erstes ärgert, dass der Kommentator die Schüler (...) in die Nähe von Schulschwänzern rückt. Ich finde es beeindruckend, dass Schüler, aufgerüttelt durch die täglichen (...) Nachrichten über Klimawandel und Umweltzerstörung auf die Straße gehen und damit einfach erst einmal ein Zeichen setzen, dass sie nicht mehr bereit sind, die immer bedrohlicher werdenden Schäden tatenlos hinzunehmen (...). Wie erleben wir denn zur Zeit Politik? Postengeschacher ohne Ende, immer schön zum eigenen Vorteil und der nutzlose Versuch, mit Rezepten von Gestern die Probleme der Zukunft angehen zu wollen. (...)

So auch ihr Autor. Er schreibt in seinem Kommentar: Kohleausstieg? ER möchte bitte nicht im Dunkeln sitzen! Es ist bekannt, dass der Kohleausstieg nur wegen der damit zusammenhängenden Arbeitsplatzverluste von der Politik in die Länge gezogen wird, nicht wegen der Versorgungssicherheit.

Und dann „ängstigt“ ihn, dass die Protagonistin der Schülerbewegung, Greta Thunberg, falls notwendig, einen Systemwechsel fordert. Die hat doch Recht. (...)

Im Anschluss verbrämt er seine Ängste mit der Forderung, dass sich Schüler tunlichst konkret der Lösung der örtlichen Probleme annehmen sollten. Sicher nicht verkehrt, aber zu kurz gedacht.

Damit kann man die Schüler natürlich mit den kleinen Aufgaben der Mülltrennung und des Schadstoffausstoßes gut beschäftigen und sie damit neutralisieren. (...)

Es wird Zeit, dass wir uns, in Abwandlung des Zitats von John F. Kennedy, anfangen, nicht zu fragen, was kann diese Welt (noch) für mich tun sondern was kann ich für diese Welt tun. Diese Frage geht auch an den Berichterstatter und Kommentator.

Michael Ziemba
Oldenburg

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.