OLDENBURG Die Evangelische Kirche schrumpft: 1409 Gemeindemitglieder haben im Jahr 2010 den Kirchenkreis Oldenburg-Stadt verlassen. Damit zählte der Kirchenkreis am 1. Januar 2011 offiziell 79 193 Mitglieder. Kein Grund zur Besorgnis: „Dieser Verlust von 1,75 Prozent bewegt sich im absoluten Normalbereich“, sagt Dirk-Michael Grötzsch, Pressesprecher der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg. Die Zahl bestätige lediglich die Entwicklung der letzten zehn Jahre, bei der ein jährlicher Mitgliederschwund von bis zu 0,5 Prozent zu verzeichnen sei.

Zum Vergleich: 446 899 Mitglieder gehören insgesamt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg an. 4753 Menschen sind im vergangenen Jahr aus den sechs Kirchenkreisen ausgetreten. Macht ein Minus von 1,05 Prozent.

Bei den Katholiken sieht es ähnlich aus. Rund 1200 Menschen haben 2010 im Offizialatsbezirk Oldenburg zwischen Nordseeküste und Osnabrücker Land die Kirche verlassen – 400 mehr als im Jahr zuvor. „Das ist ganz klar eine Steigerung“, räumt Peter Waschinski, Pressesprecher der Katholischen Kirche im Offizialatsbezirk, ein. Rekordverdächtig sei die Zahl aber nicht: „Anfang der 1990er Jahre sind 1400 Menschen aus der Kirche ausgetreten.“ Einer der Gründe: Zu diesem Zeitpunkt wurde der Solidaritätszuschlag für die neuen Bundesländer fällig.

Solibeitrag und Kirchensteuer – für viele Haushalte eine finanzielle Doppelbelastung. Dagegen, so Waschinski weiter, würden die aktuellen Kirchenaustrittszahlen der normalen Schwankungsbreite zwischen 600 und 1200 Kirchenaustritten jährlich unterliegen. Keine wesentliche Rolle bei den Gründen für einen Austritt hätten die Missbrauchsfälle gespielt. „Natürlich hat die gesamte Kirche durch den Skandal schweren Schaden genommen“, sagt der Pressesprecher, „im Vergleich zu anderen Bezirken sind wir aber, was die Zahl der Austritte anbelangt, von dieser Entwicklung verschont geblieben.“ Wohl auch, weil sich die Missbrauchsfälle in anderen Teilen der Republik zugetragen haben.

Mit Sorge verfolgt die Katholische Kirche jedoch die demografische Entwicklung der Gesellschaft. Es fehlen schlicht die Jüngeren. Da immer mehr Paare keinen oder zu wenig Nachwuchs bekommen, mache sich das auch innerhalb der Kirche bemerkbar. Schon jetzt liegt die Sterberate weit höher als die Zahl der Taufen.

Mirja Zipfel Friesoythe / Redaktion Münsterland
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