Oldenburg Georg Büchner war erst 23 Jahre alt, als er 1837 in Zürich an Typhus starb. Da hatte er bereits Naturwissenschaften, Medizin und Philosophie studiert, eine Gesellschaft für Menschenrechte gegründet und die sozialistische Flugzeitschrift „Der hessische Landbote“ veröffentlicht, woraufhin er nach Straßburg fließen musste, weil gegen ihn ermittelt wurde.

Seine literarische Leistung wurde erst nach seinem Tod erkannt, sein Erstlingswerk, das Revolutionsdrama „Dantons Tod“ (1835) erst 1902 in Berlin uraufgeführt.

Einem Geschichtsschreiber gleich lässt Georg Büchner darin seine Figuren noch einmal zwölf Tage der Französischen Revolution durchleben. Es sind die letzten des George Danton, dem Volkshelden, dessen einstiger revolutionärer Elan ihn umzubringen scheint. An der Sinnhaftigkeit des Schlachtens zweifelnd, gibt er sich desillusioniert dem Genuss hin und wird in den Augen seiner Gegenspieler St. Just (Henner Momann) und Robespierre (Bernhard Hackmann) selbst zum Revolutionsgegner.

Dantons Zweifel am eigenen politischen Handeln will Regisseur K.D. Schmidt durch drei Schauspieler deutlich machen. „Wenn Danton nicht mehr weiterweiß, nicht mehr kann und müde ist, dann macht ein anderer weiter“, erläutert Dramaturgin Catharina Hartmann. So ist die Figur mit den drei recht unterschiedlichen Schauspielern Henner Momann, Hartmut Schories und Anna Steffens besetzt.

Zeitlich löst K.D. Schmidt sich von Paris im Jahr 1794 insofern, als dass sich die Revolution in einem abstrakten Raum mit historischen Zitaten ereignet und damit überall und jederzeit stattfinden könnte. Catharina Hartmann sagt über das Bühnenbild von Maren Greinke: „Im schwarzen Bühnenraum des Großen Hauses hängt ein quadratischer Spielboden an Seilzügen, der sich wie von Geisterhand in die Höhe bewegt und zu den Seiten kippt.“ Damit wolle man Büchners zentrale Frage verstärken: Sind wir nur Puppen in einem Spiel unsichtbarer Mächte oder kann der Einzelne politisch etwas bewegen?

Sicher scheint indes nur eins: „Wenn einmal die Geschichte ihre Grüfte öffnet, kann der Despotismus noch immer an dem Duft unsrer Leichen ersticken“, zitiert die Dramaturgin einen der Kernsätze, die Georg Büchner seinem dramatischen Helden Danton in den Mund gelegt hat.

In weiteren Rollen spielen René Schack, Rüdiger Hauffe. Eike Jon Ahrens, Vincent Doddema, Eva Maria Pichler, Kristina Gorjanowa und Hanna Franck.


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