Oldenburg „Yolo“, „I bims“, „Babo“. Seit 2008 kürt der Langenscheidt-Verlag das Jugendwort des Jahres. 2019 fällt die Wahl jedoch aus. Jugendsprache findet aber trotzdem statt. Im letzten Jahr gewann der Begriff „Ehrenmann“ (Gentleman). Welche Ausdrücke würden junge Oldenburger in diesem Jahr auf Platz 1 wählen?

Wer benutzt das?

„Mir fällt jetzt kein neues ein. Bei diesen Jugendwörtern habe ich mich eh schon immer gefragt, wer das benutzt?“, sagt die 23-jährige Hannah Neiß aus Bremen. Eine Antwort, die bei einer Umfrage an der Uni Oldenburg viele geben. Komplett überfragt ist auch der 49-jährige Frank Schill. „Flexen? Das kenne ich nur aus dem handwerklichen Bereich“, rät er. Dass der Begriff jugendsprachlich so viel wie angeben oder prahlen bedeutet, hätte er nicht geahnt.

Auffällig ist, so gut wie keinem der Befragten fällt eine Wortschöpfung ein, die vor allem seit diesem Jahr benutzt wird. Auch die Frage „benutzt ihr die Ausdrücke selber“ verneinen fast alle. „Das ist auch gut so. Viele Studierende sind dafür schon zu alt. Denn das ist ja der Sinn von Jugendsprache – die Abgrenzung zu Älteren“, sagt Dr. Nanna Fuhrhop. Sie ist Professorin für Deutsche Sprache am Institut für Germanistik der Universität Oldenburg.

Wörterbücher sind Bestandsaufnahme

Trotzdem habe sie die Entwicklungen in Bezug auf das Jugendwort immer wieder mal verfolgt. „Vor allem gesellschaftlich ist das spannend“, so Fuhrhop. Sie bedaure den Wegfall der Jugendwortwahl: „Verlage leisten mit ihren Wörterbüchern, die eine Bestandsaufnahme der Sprache sind, eine wichtige Aufgabe. Es ist besorgniserregend, dass das immer weiter abnimmt.“

Doch was könnten vielversprechende Jugendwörter für das Jahr 2019 sein? Der 22-jährige Finn Oertzen aus Oldenburg hat einen Favoriten: „Tschuligom“ (Entschuldigung). Gemeint ist damit das abenteuerliche Deutsch in manchen Anfragen auf Ebay Kleinanzeigen. „Ich finde es witzig“, sagt Oertzen. Im Sprachgebrauch sei der Ausdruck allerdings nicht gebräuchlich.

„Bruder muss los“

„Ich fände es schön, wenn ,Yolo’ wieder eingeführt werden würde“, sagt der 19-jährige Michael Meyer. „You Only Live Once“ oder zu deutsch „sei’s drum“ wurde 2012 zum Jugendwort des Jahres gewählt. Aber auch die Phrase „Bruder muss los“ (Reaktion auf eine peinliche Situation) sei laut Meyer bezeichnend für die Jugendsprache des Jahres: „Oft gehört, oft benutzt. Das passt schon ganz gut“, sagt er. Genau wie die meisten Befragten ist aber auch der 19-Jährige der Meinung, dass viele der gewählten Wörter selten bis gar nicht genutzt werden.

Mit der Wahl zum Jugendwort des Jahres machte der Langenscheidt-Verlag bisher Werbung für sein Lexikon „100 Prozent Jugendsprache“. Ob es sich um ein endgültiges Aus oder nur um eine Pause handelt, ist nicht bekannt.


Ein Video zur Umfrage sehen Sie unter   www.nwzonline.de/videos 
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Chelsy Haß Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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