Oldenburg Das Neukonzept der Stadt Oldenburg für Beratungsstellen für suchtabhängige und wohnungslose Menschen sorgt nach wie vor für Diskussionen. Nach der letzten Informationsveranstaltung in der Kulturetage im Dezember hatte der SPD-Ortsverein Eversten am Donnerstagabend zu einer Bürgerinformation in die Hermann-Ehlers-Schule eingeladen, wo Sozialdezernentin Dagmar Sachse, zusammen mit Ratsmitgliedern, Mitarbeitern von Rose 12 und der Polizei, Anwohner und Bürger aus Eversten informierte und mit ihnen diskutierte.

Darum geht es

Im Zuge des Neukonzepts sollen der Tagesaufenthalt (Wohnungslosenhilfe) an der Ehnernstraße sowie der bisherige Standort der Rose 12 – Fachstelle für Suchtprävention – an der Alexanderstraße aufgelöst werden, weil diese mittlerweile voll ausgelastet und die Gebäude nicht optimal geeignet seien. Der Tagesaufenthalt soll durch zwei neue niedrigschwellige Einrichtungen an der Bloherfelder Straße und Cloppenburger Straße abgelöst werden, die Rose 12 dann Am Schießstand 34 in Eversten eine neue Heimat finden. Das Gebäude, in dem zuletzt die Fachklinik Moorkieker untergebracht war, steht seit nunmehr zwei Jahren leer. Unter einigen Everstern gibt es teils große Ablehnung gegen die geplante neue Nutzung.

Sorgen der Anwohner

Die Nähe zur Hermann-Ehlers-Grundschule war für viele anwesenden Everster der Hauptgrund, einen „Treffpunkt für Drogenabhängige“ abzulehnen. Bereits jetzt sei das Schulgelände nachts öfter Schauplatz von Treffen, man würde oft Müll und leere Flaschen finden; die Angst ist, dass bald leere Spritzen dazukämen. Direkter Kontakt zwischen Abhängigen und Schulkindern tagsüber war aus Sicht von anwesenden Eltern „unvorstellbar“.

Des weiteren soll es schon zu Zeiten der alten Fachklinik zu Problemen mit der Nachbarschaft gekommen sein. Ein Anwohner berichtete etwa, dass ihm Getränke von seiner Terrasse geklaut wurden. Hier wird befürchtet, dass es mit Öffnung einer Einrichtung zu weiteren, vielleicht schlimmeren Straftaten kommen würde.

Ein zusätzliches Problem sehen die Anwohner auch in der Parkplatzfrage. Die Situation in der Siedlung sei jetzt bereits angespannt, die zugeparkten Straßen so eng, dass die Müllabfuhr oder Feuerwehrwagen kaum noch durchkommen. Für die Autos von Mitarbeitern und Besucher der geplanten Einrichtung sei einfach kein Platz vorhanden.

Das Sagt die Stadt

Winfried Wigbers, Leiter der Rose 12, erklärte, dass das Klientel der Hilfesuchenden in Oldenburg zwischen den Einrichtungen aufgeteilt würde. „Die ,Schwierigen Fälle’ würden den Standort Schießstand gar nicht finden, geschweige denn aufsuchen“, sagte er am Donnerstag, „diese Leute sind zentrumsnah und kommen nicht weit aus der Stadtmitte heraus“.

Die Einrichtung der Rose 12 liege im hochschwelligen Bereich und würde deshalb von Leuten aufgesucht, die aus eigenem Antrieb etwas an ihren Umständen ändern wollten. „Die meisten von denen haben Arbeit und Wohnung, die sehen aus wie Sie und ich“, so Wigbers. Eine Verabreichung von Medikamenten würde es vor Ort auch nicht geben, die neue Einrichtung würde letztlich „eine verbesserte Beratungsstelle“ sein, in der die Betroffenen für ein oder zwei Stunden zu ihren Terminen erscheinen und Eversten dann wieder verlassen würden.

Dagmar Sachse widersprach zusätzlich dem Generalverdacht, der gegenüber Hilfesuchenden erhoben würde. „Hier werden Menschen kriminalisiert, die niemandem etwas getan haben“, sagte sie. Die Unterstellung, dass von den Hilfesuchenden eine Gefahr für Kinder ausginge, sei „problematisch“. Norbert Münch von der Polizei Oldenburg ergänzte, dass um Umfeld der Rose 12 in den letzten Jahren „nichts passiert“ sei.

Zur angesprochenen Parksituation gab es keine konkreten Aussagen. Der Hinweis von Winfried Wigbers, das zusätzliche Aufkommen „würde sich verlaufen“, auch weil viele Fahrräder statt Pkw benutzten, erzeugte Unmut und Gelächter.

Dagmar Sachse versprach, die vorgetragenen Sorgen aufzunehmen. Die notwendigen Anträge seien bisher noch nicht gestellt, direkte Nachbarn könnten zudem weiter in das Verfahren eingebunden werden.

Arne Haschen Volontär, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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