Oldenburg Gegen Rassismus, für Toleranz, gegen Antisemitismus, für Europa, gegen Sexismus, für Frieden – die Vielfalt der Flaggen, Transparente und Schilder bei der Demonstration am Donnerstag war breit. Und sie symbolisierte damit genau das, was die Initiatoren vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) und dem Verein Ibis nach außen tragen wollten: Die Welt im Allgemeinen und Oldenburg im Besonderen sind bunt und weltoffen.

So reihten sich gegen 15 Uhr am Bahnhof rund 600 Menschen in den Zug mit ein und zogen über die Moslestraße, den Heiligengeistwall und den Theaterwall bis vor das Schloss. Vorne die Demonstrations-Geübten, die auch Parolen parat hatten, dahinter die anderen. Die meisten der Teilnehmer waren unter 35 Jahre alt, unter ihnen Leah Hopp, die ihren Koffer für die spätere Bahnfahrt hinter sich herzog. „Ich finde, wir müssen auf die Straße gehen. Viele äußern sich nicht öffentlich, dabei ist das gerade jetzt wichtig. Das liegt mir am Herzen, deswegen bin ich jetzt dabei.“

Aber auch Ältere haben sich dem Zug angeschlossen. Ulla Meyer ist 72: „Uns geht es in Deutschland sehr gut. Und auch wenn es sicher das ein oder andere zu kritisieren gibt, will ich die Errungenschaften, von denen ich seit mehr als sieben Jahrzehnten profitiere, nicht aufs Spiel gesetzt sehen.“ Gerd Meyer (Jahrgang 1936 – die Namensgleichheit ist nur zufällig) sagt, er habe die Nazizeit noch miterlebt. „Deshalb möchte ich jetzt ein Zeichen gegen solches Gedankengut setzen – und zwar ein friedliches. Mit Gewalt lässt sich kein Problem lösen.“

Heiko Fischer hat sich extra für die Demonstration anderthalb Stunden freigenommen. „Ich habe schon seit längerem das Gefühl, dass ich auf die Straße gehen sollte und freue mich, dass ich nun die Gelegenheit dazu habe.“ Es seien nicht so wenige Demonstranten gekommen, wie er insgeheim befürchtet habe. „Aber es hätten ruhig noch ein paar mehr sein können.“

Eine junge Frau ist ein wenig zu spät gekommen und wartet nun auf eine Lücke, um sich einzureihen. Sie hat Tränen in den Augen: „Ich freue mich, weil es so viele sind.“ Sie will nur einen Vornamen sagen – Heike –, mehr nicht. „Ich habe Angst, dass man mir Scheiben einschmeißt, oder so. So weit ist es schon gekommen.“

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Katja Mielcarek
Redakteurin
Redaktion Oldenburg

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