Oldenburg Anna-Lena Kruse gibt es gleich unumwunden zu: Die Wahl stünde zwar schon kurz bevor – „aber man weiß immer noch nicht so genau, was man wirklich wählen soll“. Die 21-Jährige besucht die Bankkaufleute-Klasse an der BBS Wechloy, 3. Ausbildungsjahr. Der Anstoß kam von ihrem Politiklehrer Raimund Kahl, nachdem eine ähnliche Veranstaltung vor vier Jahren schon sehr gut angekommen war. Zumal es untereinander doch eher wenig Austausch über die eigene politische Überzeugung gebe, sagte die Auszubildende. „Das ist für viele eher privat, da wird nur wenig offen drüber gesprochen“.

Dem Aufruf von Raimund Kahl vor der übervollen Veranstaltung in der weit geöffneten Aula, vor der sich zahllose weitere Schüler versammelten, folgten alle umgehend: „Seien Sie höflich, seien Sie fair, und lassen Sie die Kandidaten ausreden“. Klappte hervorragend. Aus der Schulleitung hieß es: „Wir hoffen, dass wir auf diese Weise zur Meinungsbildung beitragen können. Es ist gut, sich vor Ort aus erster Hand zu informieren.“ Ähnliche Veranstaltungen hatten auch schon die Cäcilienschule und das Herbartgymnasium gemacht, in der Helene-Lange-Schule geht es an diesem Montag, 18. September, 16.30 Uhr im Neubau, mit Landtagskandidaten um die spezifische Frage: „Wie geht es weiter nach Klasse 10 für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf im Bereich geistige Entwicklung?“

Gut moderiert von Frederik Lohse umrissen die Bundestagskandidaten in der BBS Wechloy ihre Programme. Um welche Fragen es gehen sollte, hatten die Schüler der BBS Wechloy per Wahl vorher abgestimmt. Das Spektrum reichte von der Frage nach der Unterstützung für mittlere und niedrige Einkommen, für Familien und Alleinerziehende bis zur Frage nach den Antworten der Politik auf die aktuelle Lage in Deutschland und anderen EU-Ländern. „Auszubildende haben Angst in bestimmte europäische Städte zu gehen. Was tun Sie, um religiösen Terrorismus zu verhindern?“, wollte Lohse im Auftrag der Schüler wissen. Der Bereich nahm einen breiten Raum ein. Relativ einig waren sich alle bei der Forderung nach mehr Polizei. Amira Mohamed Ali von den Linken verwies auf „die Hintergründe dafür wie der ,Krieg gegen den Terror’, der das befördert habe. Sie forderte, außenpolitisch auf Entspannung zu setzen und Waffenexporte nach Saudi-Arabien abzustellen. Peter Meiwald von den Grünen sagte: „Wir leben in einem sicheren Land. Nur das Gefühl hat sich geändert.“ Es werde von den Medien eben „nur viel über islamistischen Terror berichtet“. Allerdings müsse in von Salafisten dominierten Moscheen „sofort eingeschritten werden“. Am anderen Ende des Spektrums sagte Andreas Paul von der AfD, es gehe nicht um Muslime, sondern um radikalisierte Muslime. Aus seiner Sicht sei ein Register der Moscheen nötig, denn das Land habe weder einen Überblick über die Moscheen noch über die Menschen, die dort sprechen. Gemeinschaften wie die Ditib gehörten auf den Prüfstand.

Am Ende hatte laut „Klatscho-Meter“ bei den Schülern Dennis Rohde (SPD) die Nase vorn, vor Stephan Albani von der CDU, dann Ali (Linke) und Meiwald (Grüne) gleichauf, gefolgt von Nils Krummacker (FDP) und Paul (AfD).

Karsten Röhr Redakteur / Redaktion Oldenburg
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