Oldenburg Ein Land am Boden, ausgemergelt von Krieg und Nazi-Diktatur. Millionen von Waisen, destabilisierte Familien, traumatisierte Männer, Flüchtlingsschicksale: So sah Deutschland in den Jahren nach 1945 aus.

Den Wunsch, dieses Elend zu lindern, nennt Dr. Harald Groth, heutiger Vorsitzender des Bezirksverbandes Weser-Ems der Arbeiterwohlfahrt, als wichtigstes Motiv, die AWO nach Kriegsende wieder ins Leben zu rufen. Schon 1919 hatte der Gründungsimpuls der AWO in der Not der Menschen nach Ende des Ersten Weltkriegs bestanden.

Groth erinnert in diesem Zusammenhang an Elisabeth Frerichs, die erste Vorsitzende der AWO nach der Wiedergründung. Das Ehepaar Frerichs war von der Gestapo in Wilhelmshaven beschattet worden und hatte Aufenthaltsverbote für immer mehr Städte der Region erhalten. Friedrich Frerichs wurde schließlich verhaftet und ist wahrscheinlich in Neuengamme ermordet. „Diese Schicksalsschläge in soziale Kraft umzusetzen, war eine unglaubliche Leistung von Elisabeth Frerichs und vieler anderer AWO-Aktiven.“

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Schon im Jahr 1945 hatte es Wiedergründungen einzelner Ortsvereine und Kreisverbände gegeben. Wenig später entstand die AWO Nordwest mit den Bezirksverbänden Bremen und Weser-Ems. Letzterer machte sich Ende August 1948 selbstständig und bezog eigene Räume in der Langen Straße in Oldenburg.

Dass der neue Verband dem Namen „Arbeiterwohlfahrt“ die Treue hielt, war nach Ansicht von Dr. Groth genau die richtige Entscheidung. „Zum einen war es wichtig, sich auf seine Wurzeln zu berufen, zum anderen bestand wie in den Anfangszeiten eine starke Verbindung zur SPD. Und die fünf Grundwerte der AWO – Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität, Toleranz – kommen aus der gemeinsamen Geschichte.“

Zudem, so ergänzt der 75-Jährige, gebe es noch einen sechsten prägenden Begriff, den der Teilhabe: „Die Gründer der AWO wollten es den Arbeiter und ihren Familien ermöglichen, gesund, gebildet und vital am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.“ Das gelte bis heute.

Aufgaben für die AWO gibt es auch im neuen Jahrtausend genügend. Groth sieht die Gesellschaft „zurzeit nicht auf dem Weg zu mehr Solidarität, Unterstützung und Hilfe“. Dabei gebe es genügend Menschen, die Hilfe benötigten, um Teilhabe am Leben der Gemeinschaft erleben zu können – etwa Kinder mit Sprechproblemen, überlastete Mütter, Familien mit Suchtproblemen, auf Pflege angewiesene Menschen, Eltern, die gute Betreuung für ihre Kinder suchen.

Aber auch die AWO hat sich gewandelt. Auf der einen Seite ist sie der klassische politische Sozialverband mit ehrenamtlichen Helfern, auf der anderen das professionelle Dienstleistungsunternehmen mit gelebten sozialen Werten. Für den Verbandschef ist diese Dualität entscheidend für die Zukunftsfähigkeit: „Wenn wir weiterhin der Kitt der Gesellschaft sein wollen, brauchen wir beides: unternehmerisches Denken innerhalb von Marktsituationen und die Kultur des politischen Verbandes, der sich aktiv einmischt.“

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