Ofenerdiek Mit dem Satz „Oldenburg lebt durch seine Stadtteile” entfachte Oberbürgermeister Jürgen Krogmann am Montagabend unter den mehr als 100 Visionären eine lebhafte Diskussion. Das Stadtplanungsamt hatte zu diesem Workshop eingeladen, um Ideen für Ofenerdiek zu entwickeln. In der Mensa der Oberschule Ofenerdiek gab es nicht die gewohnten Stuhlreihen, sondern vier große Wandtafeln mit – anfangs – noch vielen leeren Blättern. Da spürten die Gäste, dass sie mit ihrer Kreativität gefordert waren.

Thomas Ponel vom Stadtplanungsamt sagte: „Wir wollen Ofenerdiek fit machen für die Zukunft, und wir haben hier die große Chance, die zukünftige Planung in gute Bahnen zu lenken.“ Und zu den Ofenerdiekern: „Wir möchten, dass Sie sich mit ihrem Stadtteil identifizieren können.” Vier gleichgroße Arbeitsgruppen nahmen also vor den Stellwänden Platz, um mit Unterstützung der jeweiligen Stadtentwickler Fragen und Ideen zu formulieren, die dann als Schlagzeile notiert wurden.

Hermann Diercks, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Ofenerdieker Vereine wollte wissen, warum das Großmarktgelände zwischen der Straße Am Alexanderhaus und der Bahnlinie nicht mit in die Planungen einbezogen wurde. Sein Stellvertreter und SPD-Ratsherr Heinz Backhaus machte deutlich, dass es ein großer Fehler sei, den Großmarkt bei der heutigen Planung auszuschließen. Ponel sagte: „Wir müssen uns vorerst auf die Kernbereiche beschränken und dafür gibt es pragmatische Gründe.“

An einem Nachbarstand wurde gefordert, man möge die Einbeziehung junger Familien bei der zukünftigen Planung stärker in den Vordergrund rücken; dafür müssten neue Anreize geschaffen werden. Besondere Beachtung fand die Forderung einer Bürgerin, die gerne den Charakter des Stadtteils mit Einfamilienhäusern erhalten möchte. Sie betonte: „Junge Familien sollen auch heute die Möglichkeit haben, in Einfamilienhäuser aufzuwachsen.” Und sie meint, „dass wir heute in Ofenerdiek die einmalige Chance haben, diesen besonderen Charakter des Stadtteils zu erhalten“.

Gegen Wohnblöcke

In diese Richtung ging auch der Antrag eines Bürgers beim Thema Mehrgenerationenhäuser: Die könnten an verschiedenen Orten im Stadtteil entstehen. Deutlich sprach sich die Mehrheit gegen die Schaffung von Wohnblöcken und großen Mehrfamilienhäusern aus. So etwas passe nicht in die Ofenerdieker Landschaft und zerstöre deren noch vorherrschenden charmanten Siedlungscharakter.

Immer stärker und auch lauter wurde der Gedanke nach einem Stadtteilbahnhof aufgegriffen. Bei einem Mobilitätskonzept möchten die Bürger auch die Idee eines Mini-ZOB (Zentraler Omnibus-Bahnhof) mit einfließen lassen. Das Thema Straßenausbau und -entwicklung machte aber auch deutlich, dass es im Stadtteil weit mehr Diskussionsbedarf darüber gibt. So fordern einige Bürger die Aufhebung der Tempobeschränkungen während der Nachtstunden. Vorschläge kamen auf den Tisch, den Bardieksweg jeweils bis zur Straßenmitte als Sackgasse auszubauen und den Ewald-Sander-Padd endlich bis an den Stadtrand durchzuziehen.

Hilbert Schoe, Vorsitzender des Vereins Handel und Gewerbe Ofenerdiek (Hugo), hat die Vision von „Shared Space”. Diese Planungsphilosophie sieht eine Verkehrsraumgestaltung vor, die auf der Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer beruht, um den öffentlichen Raum für den Menschen aufzuwerten. Schoe sprach auch Probleme bei der Nahversorgung an und setzte die Umsetzung eines zweiten Einkaufsmarktes an der Paul-Tantzen-Straße, westlich der Bahnlinie, ganz vorne auf seinen Antrag. Ebenso wichtig ist ihm die Schaffung wohnraumnaher Arbeitsplätze durch Stärkung des Stadtteilzentrums.

Ausbau der Radwege

Hans-Gerd Tabke (Vorsitzender des Bürgervereins Ofenerdiek) sieht eine hohe Dringlichkeit beim Ausbau der Fahrradwege und der Straßen, wobei für ihn Fahrradfahrer und Fußgänger zu bevorzugen und Querungshilfen einzurichten sind. Die Infrastruktur im Stadtteil müsse vorangetrieben und die Straßenausbaubeiträge müssten neu organisiert werden.

Viele Beiträge machten deutlich, dass Ofenerdiek dringend ein Stadtteilzentrum braucht. Hier wurde als positives Beispiel das Kreyenbrücker Modell (Klingenbergplatz) aufgeführt. Ganz wichtig für viele Ofenerdieker ist es, auch einen markanten Platz mit hohem Wiedererkennungswert zu haben. Man wünscht sich kleine Kneipen, mehr Kultur (Stärkung des Kulturzentrums Ofenerdiek) und den Ausbau der Flaniermeile entlang der Lebensader Ofenerdieker Straße und Weißenmoorstraße. Auch Grünstreifen- und Erholungsflächen haben in der Ofenerdieker Bevölkerung einen hohen Stellenwert.

Nun liegt die Aufgabe bei den Stadtplanern, die kreativen Anträge der Visionäre zu sichten und zu bewerten, um diese in die Planungen für ein zukünftiges, modernes und lebenswertes Ofenerdiek einfließen zu lassen. Elke Wicherts, Leiterin des Stadtplanungsamtes, sagte: „Es war überwältigend, was auf diesem Workshop von den Ofenerdieker Visionären vorgeschlagen wurde, und ich bezeichne den Abend als sehr gelungen.“

Die gesammelten Daten und Fakten werden jetzt dem Ausschuss für Stadtplanung und Bauen vorgestellt. Danach erscheint, in etwa fünf Wochen, auf der Internet-Seite der Stadt das Ergebnis dieses Workshops.

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