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Haareneschviertel Ein geliebter Mensch stirbt. Und nun? Das eigene Leben geht weiter. Allein diese Tatsache kann schmerzlich sein, denn Trauer verändert den Blick auf die Welt. Nichts ist mehr so, wie es vorher war. Manchmal scheint es, als ob die Trauer niemals enden will und gleichzeitig wird von den Hinterbliebenen verlangt, rational und geschäftsmäßig zu handeln. Traurigkeit und Schmerz bleiben dadurch oft unaussprechlich oder unausgesprochen zurück.

Das Sterben und der Tod ist eine sehr persönliche und schwerwiegende Erfahrung für jeden Menschen. Entsprechend verschieden sind die Wege der Bewältigung. Wie gehen wir als Angehörige und wie als Gesellschaft damit um? Was hat der Tod mit dem Leben zu tun, und wird dies zu einem eigenen Lebensabschnitt oder stellt es sich lediglich als das Ende einer Krankheit dar?

Diesen und ähnlichen Fragen versucht Renate Lohmann, Leiterin der Stiftung Hospizdienst Oldenburg nachzugehen und sie zu beantworten. Eingeladen hat die Landeskirchliche Gemeinschaft ins Gemeindehaus Ziegelhofstraße 29 im Rahmen der Veranstaltungsreihe „In guter Gesellschaft“.

Wer Renate Lohmann schon kennt, weiß, wie unbefangen und eindrucksvoll sie über das Sterben sprechen kann. Nicht nur, weil dies zu ihrem Berufsethos gehört, sondern weil sie aus tiefer Überzeugung den Menschen die Angst vor dem Tod nehmen möchte. Und sie will die Angehörigen ermuntern, den Sterbenden einen würdevollen Tod zu ermöglichen, gleichwohl, um Frieden mit sich selbst schließen zu können. Dabei erläutert sie eindringlich die Erkenntnis, dass das Alter keine Krankheit ist, das bis zum letzten Atemzug medizinisch überwacht und gesteuert werden muss.

Renate Lohmann ist überzeugt, dass am Lebensende vielfach eine Übertherapierung stattfindet. Beispielsweise eine Chemobehandlung, die „aufhalten soll, die Angehörigen beruhigt und eine Lebensverlängerung vorgaukelt“. Oder der Ruf nach dem Notarzt, um der Angst vorzubeugen, nicht alles Erdenkliche getan zu haben. Dann kann es passieren, dass ein sich im Sterbeprozess befindender Mensch reanimiert und mit Blaulicht ins Krankenhaus eingeliefert wird. Ein friedvoller natürlicher Tod kann nicht mehr stattfinden.

Und genau dies ist das Hauptanliegen von Renate Lohmann, nämlich das Sterben endlich wieder als etwas Natürliches zu begreifen. „Sterben fängt an, wenn ich geboren werde. Es ist ein natürlicher Prozess und so sollte er auch erlebt werden“. Sie plädiert für ein Sterben als ein familiäres Geschehen in Würde und Frieden. Sich Zeit nehmen und den Sterbeprozess gemeinsam erleben, kann ein Geschenk für die nahen Angehörigen sein. „Mut und Ehrlichkeit gehört dazu, den Sterbenden mit seinen Bedürfnissen zu spüren“, sagt Renate Lohmann und möchte in den letzten Lebensstunden keine ärztlichen Eingriffe mehr. Denn: „Sterben selbst tut nicht weh“. Es sei oft Erlösung und Gnade.

Zum Ende der Ausführungen von Renate Lohmann haben die Zuhörenden die Gelegenheit, sich untereinander mit ihren eigenen Erfahrungen auszutauschen. Im voll besetzten Gemeindesaal kommt es in den kleinen, spontanen Gesprächsrunden zu heftigen wie auch stillen Gefühlsregungen. Über die traurigen, schönen oder auch unliebsamen Erlebnisse zu sprechen, befreit, hilft gegen Kummer und Schwermut.

So nehmen die Gäste des Abends ein heilsames Päckchen aus Trost, Zuversicht und Mut mit nach Hause.

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