Frage: Frau Engelmann-Bölts, die Landes-SPD hat kostenlose Nahverkehrstickets für Ehrenamtler ins Gespräch gebracht. Brauchen Menschen solche Anreize?
Engelmann-Bölts: Um ein Ehrenamt aufzunehmen oder zu behalten, bieten die Institutionen und Einrichtungen viele Anreize. In zahlreichen Studien zu diesem Thema wurde eins sichtbar: Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, tun dies aus Freude heraus. Sie sind im Rahmen ihres Ehrenamts in eine Gemeinschaft eingebunden und können die Gesellschaft aktiv mitgestalten. Natürlich sind professionelle Strukturen, Weiterbildungsmöglichkeiten und eine gute Begleitung essenziell für das Gelingen ehrenamtlichen Engagements. Auch gehören Wertschätzung und eine adäquate Anerkennungskultur selbstverständlich dazu. Aber darüber hinaus geht es den Ehrenamtlichen vor allem darum, anderen Menschen etwas Gutes zu tun. Diese Möglichkeit durch ein Ehrenamt zu bekommen, ist der stärkste Anreiz.
Frage: Der eine ist mehr, der andere weniger aktiv: Würde so eine allgemeine Zuwendung an alle nicht bloß zu Missgunst führen?
Engelmann-Bölts: Es wird sicherlich Bedingungen geben, nach denen die Zuwendungen an die Ehrenamtlichen verteilt werden. Wir haben gute Erfahrungen mit dem Ehrenamts-Pass und der Niedersächsischen Ehrenamtskarte gemacht. Um diese Karten – die beide mit Vergünstigungen verknüpft sind – erhalten zu können, müssen ehrenamtlich engagierte Personen eine bestimmte Anzahl von geleisteten Stunden nachweisen.
Frage: Gibt es andere Anreize oder Belohnungen für Ehrenamtliche, die Sie für besser geeignet halten?
Engelmann-Bölts: Der Fokus unserer Arbeit liegt in der Professionalisierung des Ehrenamts und das nicht ohne Grund. Jede und jeder, der seine Zeit und seine Ressourcen ehrenamtlich zur Verfügung stellt, sollte optimale Bedingungen dafür haben. Feste Ansprechpartnerinnen und -partner, die Möglichkeit, mehr über den Bereich des Engagements zu lernen, ein regelmäßiger Austausch mit anderen und vieles mehr gibt den Ehrenamtlichen das Gefühl der Wertschätzung und macht eine gute ehrenamtliche Tätigkeit erst möglich. Seitens der Einrichtungen sind das die wichtigsten Belohnungen. Vor allem, weil sie auch nachhaltig für ein Fortbestehen des Engagements sorgen.
Frage: Vielen Ehrenamtlichen geht es finanziell gut, sie brauchen so eine Zuwendung gar nicht. Wäre das Geld nicht bei den Vereinen und Organisationen besser aufgehoben, um es dann nach eigenem Ermessen für die Ehrenamtlichen zu investieren?
Engelmann-bölts: Die finanzielle Zuwendungen im Rahmen des Ehrenamts sollten vor allem dem Zweck dienen, Ehrenamt überhaupt möglich zu machen. Unserer Arbeit liegt das Ziel zugrunde, jeder und jedem ein Ehrenamt zu ermöglichen. Das darf natürlich nicht an der persönlichen finanziellen Situation scheitern. Daher ist die Forderung berechtigt, Geld für Ehrenamtliche in die Hand zu nehmen. Menschen, die sich engagieren, geben dem Einzelnen und der Gesellschaft so viel, da darf sie ihre Tätigkeit nicht auch noch zusätzlich Geld kosten.
Patrick Buck Redakteur / Redaktion Oldenburg
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