Oldenburg „... und viel Erfolg am Montag“, ruft die junge Mutter noch leicht gehetzt, als sie ihren Nachwuchs aus der Kita an der Ernst-Löwenstein-Straße holt. Die Leiterinnen Birgit Baumgart und Eva Janßen quittieren es mit einem befreiten Lächeln und werden später unisono sagen: „Wir haben ganz ganz tolle Eltern hier bei uns – alle sind aktiv dabei“.

Ganz aktiv? Das bedeutet: vor allem mit dem Herzen. 65 Kinder betreuen sie hier in Etzhorn, deren Eltern stünden trotzdem „zu 100 Prozent“ hinter dem Streik der Erzieherinnen am Montag. Den Mitarbeiterinnen in den Kitas hüben wie drüben gibt das jede Menge Schwung und hilft über jedes noch so schlechte Gewissen halbwegs hinweg. So überraschend wie hilfreich ist da der kommunale Rückhalt. „Wir bekommen viel Unterstützung von der Stadt“, sagt Eva Janßen, das gebe in der persönlichen Misere ein besseres Gefühl. Dazu passt es wohl auch, dass die Verwaltung am Freitag die Erstattung von Kita-Beiträgen vom ersten Streiktag an bestätigte. „Es ist zwar noch nicht alles geprüft“, so Stadtsprecher Reinhard Schenke, „aber wir haben eine zufriedenstellende Lösung gefunden“. Demnach sollen die Eltern am Ende der Streikphase über die jeweilige Kita Anträge mit der Anzahl entgangener Betreuungstage stellen, selbst formlos sei dies möglich. Unterstützung für den Erzieherinnen-Streik gibt es offenbar von allen Seiten – selbst auf Landesebene scheint die Gefühlslage klar.

Demonstration in der Innenstadt

Auf dem Pferdemarkt startet am Montag, 11. Mai, um 9 Uhr vor dem Bürgerbüro Mitte eine Demonstration für Sozial- und Erziehungsberufe. Über das Jugendamt und das Rathaus (10 Uhr) geht es zur Verdi-Geschäftsstelle (11 Uhr) am Stau.

Eingeladen sind Beschäftigte verschiedener Kindertagesstätten-Träger, auch Eltern, Klienten und Nutzer dieser Angebote.

Demonstriert wird für eine Aufwertung des Sozial- und Erziehungsdienstes, auch für ein gutes Angebot der Arbeitgeberseite und damit wiederum für ein schnelles Ende des Streiks.

Ulf Prange (SPD), MdL für Oldenburg, sagt: „Ich halte die Streiks grundsätzlich für berechtigt“, und: „Erzieherinnen und Erzieher müssen angemessen vergütet werden. Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen besteht hier durchaus Nachbesserungsbedarf“. Das dürften die Streikenden gerne hören. Die Krux daran: Der persönlichen steht auch die politische Sicht gegenüber. „Die finanziellen Spielräume von Land und Kommunen sind – insbesondere vor dem Hintergrund der Schuldenbremse – eingeschränkt, so dass nicht alles, was wünschenswert ist, sich realisieren lässt.“ Ob dies schon ein Hinweis auf die Dauer des Streiks sein mag? „Alle stehen dahinter“, bekräftigt auch Mutter Petra Johannes, „die Frage ist nur: wie lange?“ Sie selbst hat am Montag – da streikt die Kita in Etzhorn – ohnehin frei und kann sich um ihr Kind kümmern. Ein längerer Zeitraum aber, andere Tage vielleicht und dazu kein Platz in der Notgruppe? „Nein, das würde nicht funktionieren.“

Hier und heute ist das völlig egal. Denn Bezahlung und Betreuungsschlüssel in den Kitas gingen halt ebenso wenig. Das wissen die Erzieherinnen nur zu gut, sie müssen überdies seit Jahren ohne echte Aushilfen im Notfall auskommen. „Die Stadt ist immer sehr bemüht“, sagt Baumgart, „aber es gibt halt keine Springer und wegen des Images und der Bezahlung auch keine Bewerber mehr“.

Am Streik-Montag wird an der Ernst-Löwenstein-Straße eine Notgruppe mit 25 Kindern von Berufstätigen eingerichtet. Gut also, dass sich Eltern untereinander organisieren und während der Streiktage auch mal fremde Kinder in die eigene Obhut nehmen. Das entlastet zunächst zwar ungemein, kann und wird aber kein Dauerzustand sein.

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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