Oldenburg /Wahnbek Zwei junge Polizisten sind am Dienstagmorgen vor dem Landgericht Oldenburg vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden. Sie waren angeklagt, weil sie im November 2017 einen betrunkenen 23-Jährigen früh morgens am Real-Parkplatz in Oldenburg-Etzhorn abgesetzt hatten und dieser kurz darauf bei einem Verkehrsunfall in Wahnbek ums Leben kam. „Es liegt keine Pflichtwidrigkeit vor“, sagte der Vorsitzende Richter Horst Kießler bei der Verkündung des Urteils.

Das Gericht hatte zu beurteilen, ob die heute 24 und 25 Jahre alten Polizisten die Gefahr hätten voraussehen müssen, in der sie den 23-Jährigen am Stubbenweg zurückließen, und ob sie die Pflicht gehabt hätten, den jungen Mann direkt zu seiner Wohnung zu fahren. Beides verneinte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung.

Kommentar: Freispruch – was sonst?

Maßgeblich für die Entscheidung war letztlich das Gutachten des Sachverständigen Dr. Matthias Eibach. Darin hieß es, der 23-jährige aus dem Iran stammende Mann sei bei 1,3 Promille Alkohol im Blut keineswegs so betrunken gewesen, dass er als orientierungslos und hilflos habe gelten können. Grund für den tödlichen Unfall sei vielmehr gewesen, dass der 23-Jährige sich den Anweisungen der Polizisten, nach Hause zu gehen und dabei nicht auf der Straße zu laufen, widersetzt hätte. Diesen Widerwillen hätten die Polizisten also auch vorhersehen müssen, um sich schuldig zu machen – „und dann müssten Polizisten immer alles vorhersehen können und wären immer schuld“, so Richter Kießler.

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Hintergrund: Darum müssen sich zwei Polizisten vor Gericht verantworten

Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten zuvor in ihren Plädoyers gefordert, die Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe in Höhe von je 60 Tagessätzen zu je 70 Euro zu verurteilen. Die Verteidiger hatten gefordert, die beiden freizusprechen.

Binnen einer Woche kann gegen das Urteil Revision eingelegt werden. Während Oberstaatsanwalt Dirk Bredemeier sich dazu noch nicht äußern wollte, kündigte Nebenklagevertreter Hans-Henning Adler bereits an, er werde in Revision gehen.

Timo Ebbers Ltg. / Online-Redaktion
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