Oldenburg Der Heiligengeistwall halbseitig gesperrt und als Einbahnstraße Richtung Lappan ausgeschildert, ein Schwerlastkran steht im abgesperrten Bereich, Arbeiter eines Dachdeckerunternehmens aus Tungeln hängen Holzlatten, Folie und Netze an den Kranhaken: Es tat sich am Sonntag etwas vor und auf dem Gebäude des ehemaligen Wallkinos.

Die Arbeiten markierten allerdings nicht den Beginn grundlegender Sanierungsarbeiten. Vielmehr hat die Stadt Sicherungsmaßnahmen in Auftrag gegeben, damit nicht noch mehr Feuchtigkeit/Regenwasser in das Gebäude eindringt und weitere Schäden an der baulichen Substanz verhindert werden, teilte Stadtsprecher Reinhard Schenke mit. Bürokratisch bezeichnet man das als „Ersatzvornahme“.

Die Stadt hatte zuvor den Besitzer des Wallkinos, den Hamburger Unternehmer Ulrich Marseille, zur Beseitigung von Bauschäden aufgefordert. Ihm war eine Liste mit Mängeln zugestellt worden, die behoben werden müssen. Aus Sicht der Stadt ist sofortiges Eingreifen unverzichtbar. Dazu gehört ein Fangnetz an der Seite zur Wallstraße. Marseille war dieser Aufforderung aber nicht nachgekommen, so dass die Stadtverwaltung nun aktiv geworden ist. Von dem Gebäude gehe durch herabstürzende Teile eine Gefahr für Passanten in der Wallstraße und auf dem Heiligengeistwall aus, hieß es.

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Anfang April hatten Oberbürgermeister Jürgen Krogmann und Mitarbeiter des Bauordnungsamtes das ehemalige Kino begutachtet. Im Bereich der Dachkonstruktion waren dabei erhebliche Schäden entdeckt worden. Krogmann beurteilte den Zustand des Gebäudes als „besorgniserregend“. Das Kino wurde im Jahr 1914 in Betrieb genommen. Nun drohte es, durch das eindringende Wasser rapide zu verfallen, weshalb sich die Stadt zum Handeln veranlasst sah. Die Stadt habe dem Eigentümer mehrere Angebote für eine Nutzung gemacht. Darauf habe er nicht reagiert „und das Kino weiter verfallen lassen“.

Das ehemalige und unter Denkmalschutz stehende Kino steht seit zwölf Jahren leer. Gespräche mit dem Eigentümer Marseille, Betreiber der gleichnamigen Kette von Pflegeeinrichtungen, über eine Nachnutzung kamen bislang zu keinem Ergebnis. Zuletzt hatte der Architekt Alexis Angelis ein Konzept für ein Kulturzentrum vorgestellt.

Marseille hält das Wallkino für nicht sanierungsfähig und hat angeboten, die Fassade zu erhalten. Das lehnt die Stadt mit Verweis auf den Denkmalschutz als unzureichend ab. Marseille hatte im Januar gegenüber der NWZ betont, alle zur Sicherheit erforderlichen Arbeiten würden erledigt.

Die Arbeiten am Sonntag dauerten bis in den Nachmittag hinein an. Auf dem Dach wurde auf einer Fläche von 300 Quadratmetern drei jeweils 500 Kilogramm schwere Lastwagen-Planen sowie ein Sicherungsnetz verlegt und befestigt. Die Kosten übernimmt zunächst die Stadt.

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
Christoph Kiefer Chefreporter / Reportage-Redaktion
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