Oldenburg 12 Uhr mittags. Der Asphalt dampft. Spiegeleier könnten auf dem gepflasterten Schlossplatz gebraten werden. Die gehobene Küche hält sich an Wok, Grill und Schmortopf. Oder bleibt ganz kalt und serviert Sushi. Heiß sind die Oldenburger auf alles, was vor der Grafenresidenz serviert wird.

„Das Kochen am Schloss ist ein zauberhaftes Event“, schwärmt Reinke Haar. Der Stadtfestorganisator kann sich am zweiten Tag der großen Sause kaum noch zurückhalten: „Spektakulär. Ein Jahrhundertereignis“, schwärmt er und sucht nach weiteren Superlativen. An eine Eröffnungsnacht mit über 30 Grad und ebenso guten Wetterprognosen für’s Wochenende kann er sich in der Stadtfestgeschichte nicht erinnern. 150 000 feierende Besucher haben am Donnerstag den heißeste Partymarathon des Jahres eröffnet, gelacht, getanzt und getrunken.

„Nur nicht so viel Alkohol“, vermutet Reinke Haar und verweist auf die Temperaturen. Darüber kann Marco Nording nur lachen: „Ach was! Vor allem Caipirinha ist gefragt“, sagt der Buden-Wirt und poliert Biergläser in der Mittagssonne. Seine Chefin, Barbara Siel, versorgt seit 20 Jahren Stadtfestbesucher mit flüssiger Stärkung. Am Getränkestand auf dem Rathausmarkt kommt kein Rockfan vorbei. Gestern haben hier United Four lautstark für Stimmung gesorgt.

Noch cooler geht es ein paar Meter weiter zu: Bei Nina Bulgrins selbstgamachtem Eis schmelzen alle dahin. „Der Wahnsinn. 400 Stück habe ich gestern garantiert verkauft. Und das am ersten Abend“, sagt die Jungunternehmerin. Wem Erdbeer-Basilikum mit rosa Pfeffer am Stil zu exotisch ist und an den Krapfen- oder Fischbrötchen vorbeikommt, wird auch dem Schlossplatz belohnt. „Labskaus mit Rollmops und Onsen-Ei – regionale Landküche“, sagt Thorben Grübnau und tupft braune Sauce um eine Roulade. Der Küchenchef des Bad Zwischenahner Ahrenshofs serviert seine Spezialitäten erstmals Stadtfestbesuchern.

Wie gut traditionelle Kost bei Super-Food- und Sushi-verwöhnten Oldenburgern ankommt, freut ihn. Begeistert ist er auch von der Atmosphäre auf dem Schlossplatz: „Ruhig und entspannt, man plauscht an der Theke und genießt sein Weinchen.“ Früher habe er auch mal einen Bierwagen mitten im Getümmel betrieben, da stürzt er sich jetzt erst nach Feierabend rein. Ute Berg mag daran noch gar nicht denken. Bis die Caledo-Inhaberin ihren Stand abschließt, wird sie noch einigen Rosé und Weißburgunder ausschenken und dazu Flammkuchen servieren.

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Schräg gegenüber brennt bereits um die Mittagspausenzeit auch die Hütte: Beim Bestial-Stand stehen Genießer Schlange für 10-Kilo-Lachs und Roastbeef vom Grill, zubereitet vom „Oldenburg-Kocht“-Gewinner Karan Perinpanathan. „Wir sind seit Anfang an beim Stadtfest-Kochen mit dabei – das ist gar nicht mehr wegzudenken“, sagt Bestial-Geschäftsführer Fazin Shahin. „Wahnsinn, was hier seit Mittwoch los ist.“

Der Grill qualmt, der Asphalt dampft. Reinke Haar taucht auf. 12 Uhr mittags am Stadtfestwochenende. Mahlzeit Oldenburg. „Ein Jahrhundertereignis.“

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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