Oldenburg Die Fernsehserie „Tatort“ mag es anders. Da wird ein Krimi mit Laien improvisiert, macht man den Kommissar zum Schmuddeljackenträger des Jahres oder erzählt eine Geschichte rückwärts und auf dem Kopf stehend. Experimente, Provokationen, Veräppelungen – der „Tatort“ ist gerne vorn mit dabei. Und das beweist er auch in diesem Jahr beim Internationalen Oldenburger Filmfest.

Der Krimi „Die Ferien des Monsieur Murot“ ist der neunte Einsatz von Ulrich Tukur als „Tatort“-Ermittler. Denkwürdige Episoden waren darunter: „Im Schmerz geboren“ von 2014 (der „Tatort“ mit den bislang meisten Toten – knapp 50), das Debüt von 2010 „Wie einst Lilly“ (Murot kommuniziert mit seinem Hirntumor) und „Murot und das Murmeltier“ von 2019 (Murot erlebt einen Tag wieder und wieder).
 „Die Ferien des Monsieur Murot“ läuft am 17. September ab 19 Uhr in der Kulturetage und im virtuellen Kino 3, sowie am 19. September, 14 Uhr im virtuellen Kino 4. Tickets:

oder worldwild.filmfest-oldenburg.de  oder filmfest-oldenburg.reservix.de/event

Jacques Tati-Anlehnung

Für „Die Ferien des Monsieur Murot“ hat sich Regisseur und Drehbuchautor Grzegorz Muskala einem Säulenheiligen des internationalen Filmhumors genähert: dem Franzosen Jacques Tati. Dessen Frühwerk „Die Ferien des Monsieur Hulot“ (1953) wird als Krimi neu inszeniert, zitiert aber genüsslich an allen Ecken und Enden die irrwitzige Farce der Abenteuer des Monsieur Hulot in seinem Ferienort.

Für Hulot-Kenner sei schon mal verraten: Das Hotel im Taunus, das LKA-Ermittler Felix Murot (wie immer überragend: Ulrich Tukur) bewohnt, ähnelt der Hulot-Herberge am Atlantik aufs Haar, ein klappriges Fahrrad kommt vor, ebenso verrückte Touristen. Am wichtigsten: Auch Hulots unvergessliches Tennismatch wird von Murot exakt kopiert – inklusive des verzwickten Aufschlags und mit der entspannten Original-Filmmusik von Alain Romans. Es fehlt nur die quietschende Schwingtür im Restaurant.

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Edgar Allan Poe inspiriert

Der Krimi selbst hat mit Tatis Vorlage wenig zu tun, eher mit Edgar Allan Poes Doppelgänger-Epos „William Wilson“. So viel sei verraten: Der hessische Ermittler trifft in seinem Urlaubsort im Taunus auf den Autohändler Walter (ebenfalls gespielt von Tukur), der ihm bis aufs kleinste Detail gleicht. Im Laufe einer weinseligen Kennenlern-Nacht tauschen beide die Klamotten.

 Murot schläft als Walter ein, während Walter als Murot sich davonmacht – und ermordet wird.

Tukur glänzt in der Rolle

Was folgt, ist ein Verwirr- und Vexierspiel der großartigsten Art, und das liegt in erster Linie an dem unvergleichlichen Ulrich Tukur. Der Schauspieler zieht in seinem doppelten Solo alle Register seiner Darstellungskunst, vom verschmitzt-sensiblen Polizisten über den lärmend-eitlen Autoverkäufer bis hin zum verzweifelten Junggesellen. Nicht nur deswegen: Dieser Film bietet 90 Minuten Spannung und Vergnügen auf höchstem „Tatort“-Niveau.

Klaus Fricke
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