DONNERSCHWEE Auch 20 Jahre nach dem letzten Fußballspiel ist der alte VfB-Platz in den Herzen vieler Oldenburger verankert. Heute steht hier das Stadtteilzentrum Donnerschwee. Dort, wo einst die beiden Strafräume lagen, wurden zwei Einkaufsmärkte gebaut, dazwischen die Parkplätze. „Eigentlich eine schnöde Bebauung, aber dies ist dennoch ein kultischer Ort“, weiß Michael Uhl aus seinen vielen Recherchen.

Der leitende Regisseur des Bereichs Niederdeutsches Theater im Oldenburgischen Staatstheater inszeniert auf diesem Gelände das Stück „Die Hölle von Donnerschwee“. Die Idee dazu hatte Honne Dohrmann (Direktor Tanz/Nordwest), der in der Nähe des Platzes wohnte. Kooperationspartner sind der Lokalsender oeins und der VfB Oldenburg.

„Es ist ein außergewöhnliches Projekt“, konstatiert Generalintendant Markus Müller. Er habe zwar keine Ahnung von Fußball, gibt er zu. „Aber das Stück begeistert auch den Nicht-Fußball-Fan.“ Michael Uhl kennt sich dagegen im Fußball aus, kickt selber ganz gern und sympathisiert mit dem VfB Stuttgart – doch die Stimmung in der „Hölle des Nordens“ (diesen Namen bekam der VfB-Platz von den gegnerischen Mannschaften), die hat Uhl nicht erlebt. „Ich war also gezwungen, mir ein Bild der Hölle zu bauen. Bei Nichtwissen und Nichtbeteiligtsein ist man auf Fragen angewiesen.“ Die stellte er vielen Kennern – ehemaligen Akteuren wie zum Beispiel Torwart Heini Erkens, den Mittelfeldspielern Bernhard Kulla und Waldemar Hoffmann, Trainer (und Abwehrspieler) Helmut Mrosla, aber auch Dirk Ellinghaus (Vorstand des Fan-Clubs Blaue Zitrone), dem früheren Manager Rudi Assauer sowie sogar Uwe Seeler, der sein erstes offizielles Oberliga-Spiel gegen den VfB Oldenburg am Rothenbaum bestritt.

Große Unterstützung erfuhr Uhl vom VfB Oldenburg. Vorstand Jens Lükermann, der in Donnerschwee aufgewachsen ist, erinnert sich an die große Wehmut, die viele Oldenburger fühlten, als vor 20 Jahren der letzte Schlusspfiff auf dem Platz ertönte. „Immer noch kommt Donnerschwee in den Fangesängen im Marschweg-Stadion vor“, sagt Lükermann. „Viele können einem heute noch auf dem bebauten Gelände zeigen, wo einst ihr Stehplatz war“, so Michael Uhl.

Aus den vielen Antworten schuf der Regisseur ein Stück, das – in Anlehnung an ein Fußballspiel – zwei Halbzeiten von je 45 Minuten hat. Für das Sounddesign zeichnet Christian Gude verantwortlich, für die Dramaturgie Matthias Grön. Die erste Halbzeit beschreibt Uhl als interaktives Kopfkino. Die 40 Zuschauer (mehr Karten werden pro Vorstellung nicht verkauft) werden mit einem Radio und Kopfhörern ausgerüstet (siehe Info-Kasten) und betreten damit den heutigen Parkplatz. „Der wird zum theatralen Ort.“ Über ein Hörspiel erleben die Besucher bei einem Rundgang die Geschichte des Platzes und in Original-Radioausschnitten das Pokal-Spiel gegen Borussia Dortmund, das vielen noch im Gedächtnis ist. „Man begibt sich auf eine Zeitreise, die sich mit dem Heute koppelt“ erklärt Uhl. Denn zeitgleich wird auf dem Gelände eingekauft.

Nach einer Pause wechselt man an eine weitere Kultstätte: das alte Clubhaus gleich gegenüber. In der Gaststätte traf man sich früher vor und nach dem Spiel. Hier kehrten Fans und Spieler ein. Mit dem Verkauf des VfB-Platzes war auch im Clubhaus bald Abpfiff. Seit Jahren steht das Lokal leer.

Die zweite Halbzeit ist laut Uhl der Theaterteil. Es tritt ein Straßentheater-Fußball-Team mit Mitspielern zwischen elf und 25 Jahren auf. Hier geht es um die Fragen, wann das Fußballspiel zum Geschäft wird und welchen immer größeren Zwängen sich die Vereine stellen müssen. „Auch der VfB war ja gezwungen, seinen Platz zu verkaufen – gerade, als er in die Zweite Liga aufstieg“, sagt Uhl, Fußball sei eben ein Event und auch ein Monopoly. Und hier schwebe über allem immer noch der Geist von Donnerschwee.

Premiere feiert das Stück „Die Hölle von Donnerschwee“ am Sonnabend 28. Mai. Anpfiff zur ersten Halbzeit ist um 19.05 Uhr.

Treffpunkt der 40 Zuschauer, die jeweils an einer Vorstellung teilnehmen können ist am ehemaligen Haupteingang des früheren VfB-Platzes und heutigen Stadtteilzentrum Donnerschwee, Donnerschweer Straße. Hier werden gegen ein Pfand (Dokumente wie Ausweis, Pass oder Führerschein) Radiogeräte mit Kopfhörern ausgegeben.

Parkplätze stehen zwar auf der Spielfläche am Stadtteilzentrum zur Verfügung. Es gibt auch welche hinter dem früheren Clubhaus, Ecke Donnerschweer Straße/Kranbergstraße, wo die zweite Halbzeit ausgetragen wird.

Vorstellungen: Mittwoch 1. Juni; Freitag, 3. Juni; Dienstag, 7. Juni; Mittwoch, 8. Juni; Donnerstag, 16. Juni; Freitag, 17. Juni; Donnerstag, 23. Juni; Freitag, 24. Juni und Sonnabend, 25. Juni. Im Herbst soll es weitere zehn Aufführungen geben.

Oeins überträgt bei jeder Vorstellung die erste Halbzeit im Radio, Frequenzen sind (über Antenne) Region Oldenburg auf UKW 106,5 MHz, (im Kabelnetz) Oldenburg 92,75 MHz.

Susanne Gloger Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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