Oldenburg Eine dicke Träne lief Ralf Voigt nach dem Abpfiff des Testspiels gegen Oberliga-Primus SSV Jeddeloh über die rechte Wange. Der Sportdirektor des VfB war aber keinesfalls traurig über die 1:2-Pleite seiner Regionalliga-Fußballer. Die Träne entsprang einer Quelle aus eisiger Kälte und heißem Zorn. „Das war einfach nur dumm, doof und dämlich“, echauffierte sich Voigt, war mit diesem schonungslosen Kurzfazit aber noch lange nicht am Ende: „In der ersten Halbzeit haben wir den Gegner an die Wand gespielt und hätten fünf Tore machen müssen. Nach der Pause haben wir völlig die Ordnung verloren.“

Spielerisch und taktisch hatten die VfB-Fans unter den 150 Zuschauer, die am Sonntagnachmittag trotz frostiger Temperaturen zum Test auf dem Kunstrasen an der Maastrichter Straße gekommen waren, an der Vorstellung ihres Teams in den ersten 45 Minuten nicht viel auszusetzen. Die Startelf, die schon beim ersten Pflichtspiel nach der Winterpause vor einer Woche gegen ULM Wolfsburg (3:3) zu Beginn auf dem Feld gestanden hatte, kontrollierte die Begegnung.

Die teilweise guten Kombinationen führten jedoch nur zu einem mageren Treffer. Ehe Ibrahim Temin eine Vorlage von Leon Lingerski zur Führung vollendete (38. Minute), hatten Christopher Kramer (13., nach starker Flanke von Andreas Pollasch an die Latte), wieder Kramer sowie Temin (beide 30.) und Thorsten Tönnies (32.) hochkarätige Chancen ausgelassen.

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Die Jeddeloher, in deren Startelf nur Keven Oltmer keine VfB-Vergangenheit hatte, hatten nur eine Chance durch Thomas Celik. Oldenburgs Keeper Fabian Klinkmann parierte den Distanzschuss aber glänzend.

Nach der Pause wurde Daniel Franziskus in der 49. Minute auf dem Weg zum 2:0 von SSV-Keeper Dennis Evers vor dem Strafraum mit einer Notbremse gestoppt. Auch auf Wunsch des VfB wurde der 38-Jährige nicht vom Platz gestellt, schied aber verletzungsbedingt aus. Wenig später war es wiederum Kramer, der eine weitere gute Flanke von Rechtsverteidiger Pollasch freistehend aus acht Metern nicht zum 2:0 veredelte.

Was dann folgte, trieb Voigt endgültig die Tränen in die Augen. Die Ersatzkräfte, die Trainer Dietmar Hirsch nach und nach brachte, boten rein gar nichts Erwärmendes an, um ihre Position zu verbessern.

Nachdem Oltmer eine Hereingabe von Kevin Samide noch knapp neben den Pfosten geköpft hatte (66.), versuchte der VfB-Coach noch rettend einzugreifen. „Die Abstände sind viel zu groß – ihr müsst wieder kompakter werden“, rief Hirsch auf das Feld – doch die Worte verhallten im Nichts.

Der eingewechselte Ivo Tomas traf bei einem Konter auf Vorarbeit von Samide zum Ausgleich (71.). Fünf Minuten später drückte Oltmer eine Flanke von Florian Stütz zum 2:1 des SSV ins Tor. Ein müder Distanzversuch von Laurel Aug war die einzige Antwort des VfB (78.), ehe Jeddelohs Gastakteur Derrick Apoffo (der Flüchtling war der einzige der sechs Einwechselspieler, der nicht schon im VfB-Trikot gespielt hat) das 3:1 für den souveränen Oberliga-Primus verpasste (87.).

„Es war nicht nur der zweite Anzug, der nicht passte – eigentlich sollten alle überlegen, ob sie sich nicht einen anderen Job suchen sollten“, redete sich Voigt ein letztes Mal an diesem Tag öffentlich in Rage, wischte sich die Träne von der Wange und stapfte von dannen.

Jan-Karsten zur Brügge Redakteur / Sportredaktion
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