Oldenburg Gerade begeistert er das Publikum im Staatstheater als Maikönig Albert Herring in der vergnüglichen, gleichnamigen Oper von Benjamin Britten. Aber Michael Pegher hat natürlich noch ganz andere Seiten. Der 30-jährige US-Amerikaner, der in diesen Tagen zum ersten Mal Vater wird, ist glühender Sportfan.

Zum Termin kommt er mit dem Shirt der Pittsburgh Pirates. „Ich komme aus einer echten Sportstadt“, sagt Pegher. „Pittsburgh, das ist das Zentrum der Stahlerzeugung, aber es ist auch die Stadt des Baseballs mit den ,Pirates’, des Hockeys mit den ,Penguins’ und des American Football mit den ,Steelers’. Die Menschen sind sportverrückt und stolz darauf, Arbeiter zu sein, genauso wie in Dortmund, beides Stahlstädte, und beide haben die Farben Schwarz-Gold oder -Gelb, deshalb bin ich auch BVB-Fan.“

Seit vier Jahren lebt der Opernsänger in Deutschland, inzwischen verheiratet mit einer Oldenburgerin. „Deshalb ist das Spiel Deutschland -USA eine ,Win-Win-Situation’ für mich“, sagt Pegher. „Wenn Deutschland siegt, bin ich froh, weil ich auch Deutschland-Fan bin, aber, um ehrlich zu sein, wenn ich wählen muss, bin ich für die USA. Ich wünsche mir ein Unentschieden, ein 2:2 ist vielleicht realistisch, aber ein US-Sieg wäre eine Sensation.“ Natürlich hat er sich mitten in der Nacht auch das USA-Portugal-Spiel angesehen. Beim Tor in der 95. Minute „hätte ich brechen können“, lacht Pegher.

Beim WM-Finale 2010 war er zufällig passend in Barcelona und hat die Stimmung aufgesogen. „Nun ist Klinsmann Coach, ich finde es toll, solch eine deutsche Legende als Trainer zu haben“, sagt er. „Wir sind zwar nicht berühmt für unseren Fußball, aber das Interesse im Land steigt. Das liegt auch an der Spielweise. Klinsmann hat das Team offensiver ausgerichtet.“

Eine echte Sieg-Chance sehe er nur, wenn es gelänge, „das deutsche Team unter Druck zu setzen, man muss viel investieren und auch etwas riskieren. Das haben die anderen erfolgreichen Mannschaften in Brasilien gezeigt.“

Das Spiel wird wieder im Großen Haus des Staatstheaters übertragen. Dann kann Pegher ausnahmsweise mal im Publikum sitzen, am Sonnabend steht er schon wieder auf der Bühne: Zum viertletzten Mal ist ab 20 Uhr im Kleinen Haus „Albert Herring“ zu erleben (auch noch 4., 18. und 23. Juli). Die Inszenierung von Lydia Steier begeistert Pegher genauso wie Fußball: „Der ,Herring’ ist genauso gut wie Lydia Steiers ,Saul’, der für den Faust-Preis nominiert war, wenn nicht besser. Das ist Oper, Schauspiel, Komödie; richtig lustig, die Leute sind total begeistert. Und es ist ein richtiges Ensemblestück, und es ist das letzte Mal, das man das Ensemble hier so erleben kann, weil wegen des neuen Intendanten viele das Haus verlassen müssen.“

Pegher geht mit Markus Müller nach Mainz. Da freut er sich auf die Rolle des David in den „Meistersingern“, auf den „Barbier von Sevilla“, den sie aus Oldenburg mitnehmen und „natürlich auf die riesige Fußballbegeisterung dort“. Noch mehr freut er sich gerade aber auf etwas ganz anderes: „Ich bin aufgeregt. Täglich erwarten wir unser erstes Kind. Und das steht natürlich weit über allem.“

Karsten Röhr Redakteur / Redaktion Oldenburg
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