Oldenburg Die Schiedsrichter-Szene in Oldenburg ist alarmiert: Die massive Bedrohung eines 15-jährigen Unparteiischen am vergangenen Freitag beim Spiel in der Fußball-Kreisklasse zwischen den A-Junioren des Türkischen SV und SF Wüsting-Altmoorhausen auf dem Platz an der Brandenburger Straße war der dritte schwere Vorfall innerhalb weniger Wochen. Sollte die Spirale der Gewalt nicht umgehend eingedämmt werden, befürchtet die Schiedsrichter-Vereinigung Oldenburg-Stadt, künftig vielleicht nicht mehr ausreichend Nachwuchskräfte gewinnen zu können.

„Bedenkliche Tendenz“

„Es gibt eine bedenkliche Tendenz – so darf es nicht weitergehen“, sagt Peter Hatzler, Vorsitzender der Schiedsrichter-Vereinigung: „Setzt sich diese Entwicklung fort, bekommen wir Nachwuchsprobleme.“ Er sieht die Vereine „in der Pflicht. Sie müssen auf ihre Spieler einwirken“, fordert Hatzler und ergänzt: „Wir erwarten auch in diesem Fall eine deutliche und abschreckende Strafe.“

In den vergangenen Jahren habe es keine derartigen Fälle im Bereich des Fußballkreises Oldenburg-Stadt gegeben, blickt Hatzler zurück, zeigt sich aber sehr besorgt über die aktuelle Häufung der Attacken. „Wir werden nicht zulassen, dass unsere jungen Schiedsrichter aus Angst nicht mehr Spiele bestimmter Vereine leiten wollen“, stärkt er dem Nachwuchs den Rücken.

Am vergangenen Freitag hatte ein 16-jähriger Spieler des Türkischen SV beim letzten Spiel der Herbstrunde den ein Jahr jüngeren Schiedsrichter äußerst massiv bedroht. Nachdem der junge Referee die Partie abgebrochen und sich in die Kabine zurückgezogen hatte, flog auch noch ein Böller in den Kabinengang. TSV-Trainer Marco Blauth alarmierte die Polizei. Der Vater des jungen Unparteiischen hat inzwischen Anzeige erstattet.

„Ich würde mir wünschen, dass die Spiele von erfahreneren Schiedsrichtern geleitet werden“, regt Blauth an. „Wir werden uns bei den Ansetzungen künftig noch stärker darüber Gedanken machen“, erklärt Hatzler.

Schon vor rund zwei Monaten hatte es in derselben Spielklasse einen schweren Vorfall gegeben. Das TSV-Team war diesmal nur als gegnerische Mannschaft beteiligt. Der Übeltäter kam vom TuS Bloherfelde. Ein Zuschauer, der zuvor schon den Ablauf des auf der Anlage an der Kennedystraße ausgetragenen Spiels gestört hatte, attackierte den ebenfalls jungen Schiedsrichter und dessen Vater auf dem Weg in die Kabine. Eine Diskussion eskalierte, die Opfer wurden getreten und geschlagen.

Der Täter muss mit straf- und zivilrechtlichen Folgen rechnen. Der Verein hatte das Team danach vom Spielbetrieb zurückgezogen. „Wenn es nicht jeweils die letzten Spiele in diesem Jahr gewesen wären, hätten wir für Partien dieser Mannschaften keine Schiedsrichter mehr abgestellt“, erklärt Hatzler mit Blick auf die Ereignisse bei den beiden Jugendspielen.

Mitte Oktober hatte es zudem einen Vorfall bei einer Partie der zweiten Männermannschaft des TSV in der 1. Kreisklasse beim FC Ohmstede II gegeben. Schiedsrichter Theo-Henry Mühlena beendete die Partie am 18. Oktober vorzeitig, nachdem er von einem Spieler der Gäste geschubst worden war.

Das Sportgerichtsverfahren wurde bereits abgeschlossen. Die abgebrochene Partie wird mit 5:0 für Ohmstede II gewertet. Der Spieler, der Mühlena attackiert hatte, wurde für vier Monate gesperrt und muss 150 Euro Geldstrafe zahlen. Ein weiterer TSV-Akteur, der in der Partie die Rote Karte gesehen hatte, wurde für vier Wochen gesperrt. Der Verein, der sich nach der Partie von dem betreffenden Spieler und von Trainer Serkan Topcuoglu getrennt hatte, wurde zu einer Geldstrafe von 500 Euro verurteilt. „Vom Verein war bei der Verhandlung niemand dabei – da scheint einiges im Argen zu sein“, moniert Hatzler.

Boykott der falsche Weg

Von einer Aktion wie es sie zu Saisonbeginn in Celle gegeben hatte, hält der Vorsitzende der Oldenburger Schiedsrichter nichts. Nach einer Häufung von Attacken wurden dort an zwei Wochenenden für die Partien in Kreisliga und -klasse keine neutralen Referees angesetzt. „Damit trifft man zu 95 Prozent die Falschen“, meint Hatzler. „Wir könnten auch ein solches Zeichen setzen, aber mir ist es lieber, dass die betreffenden Mannschaften und Spieler hart bestraft werden – allen muss bewusst sein, dass das richtig teuer werden kann.“

Jan-Karsten zur Brügge Redakteur / Sportredaktion
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