OLDENBURG Es waren noch 25,3 Sekunden zu spielen, als die Schiedsrichter die Arme kreuzten. Im Basketball üblicherweise das Zeichen zum Spielerwechsel – doch was an diesem Tag in der Haarenufer-Halle folgte, sprengte die schnöden Regeln des Basketballs. Beim Bezirksligaspiel des OTB IV gegen den bereits vorher als Meister feststehenden OTB V wurde ein einfacher Austausch von Akteuren zur Demonstration und Sympathiekundgebung für einen Mann: Minutenlang gab es stehende Ovationen für den Mann mit der Trikotnummer 32: Ralph Ogden.

Der Kreis schließt sich

Es war das letzte Punktspiel des Amerikaners für den OTB, es war der bewegende Ausklang einer wohl einzigartigen Karriere. 36 Jahre hielt der Kalifornier dem Verein die Treue. Im Sommer fliegt er zurück in die Heimat, um fortan seiner Lebensgefährtin Arlene die Treue zu halten. 36 Jahre, in denen der 64-Jährige die Oldenburger Sportwelt stark geprägt hat – die rund 200 Zuschauer in der Haarenufer-Halle wussten das und machten ihm den Abschied schwer.

„Ich hatte schon ein wenig Pipi in den Augen, als ich vom Platz ging“, sagte Ogden grinsend über seine verständliche Rührung. Vorher, im Spiel, habe er gar nicht so viel an den besonderen Moment gedacht, „es folgen ja auch noch Senioren-Meisterschaften“, merkte er an. Und dann fiel ihm doch ein, dass sich ein Kreis geschlossen hatte: „Mein erstes Spiel in Deutschland habe ich auch hier in der Haarenufer-Halle gemacht – damals 1972 mit dem VfL Osnabrück in irgendeinem Pokalspiel gegen den OTB.“

„Hier hat alles gepasst“

Knappe vier Jahrzehnte später stand er zum letzten Mal in dieser Halle und gab zu: Den Sportler und Menschen Ralph Ogden prägte die Oldenburger Zeit nachdrücklicher als alles andere. „Highschool, College, NBA – auch tolle Jahre, aber im Grunde zu kurz. Erst beim OTB hat alles gepasst.“ Ab der Saison 1976/77 spielte er an der Hunte, wurde später zudem Trainer der ersten Mannschaft. „Ich habe hier im Basketball einiges aufgebaut, ich will versuchen das zu retten“, durfte Ogden darum auch Anfang der 1990er Jahre mit Fug und Recht sagen, als er kurzfristig als Coach engagiert wurde, um das Team vor dem drohenden Abstieg aus der Zweiten Liga zu retten.

Das gelang damals ebenso wie später diverse Meisterschaften im Seniorenbereich – das Alter war für Ogden nie ein Grund, sportlich kürzer zu treten. Das Leben des zweifachen Vaters spielte sich eben viel in den Hallen dieser Republik ab. Und als Tochter Leslie in einer Auszeit des letzten Spiels quer übers Feld rannte, um ihrem Daddy eben einen schnellen Kuss auf die Wange zu drücken, war das mehr als eine spontane Laune. Es war eine dieser Ogden-Szenen, wie sie Jahre zuvor oft zu sehen waren im familiären Großbetrieb OTB.

Vier Punkte, sechs Rebounds, vier Fouls und sechs Fehlwürfe bei knapp 25 Minuten Spielzeit – die Werte waren für Ogden „okay, obwohl ich lieber gewonnen hätte“. Doch die jungen Leute des OTB IV liefen den erfahrenen Oldies der Fünften (in der auch Klaus „Sammy“ Behrens letztmals auf dem Feld stand) am Ende mit 67:58 davon. Egal: Die Meisterschaft des OTB V stand ja schon vorher fest.

Plakette in Kabine

In der Umkleidekabine brachte man derweil eine kleine Plakette über der Bank an: „Stammplatz Ralph Ogden“ steht darauf. Die Botschaft ist klar: Für den deutschen Amerikaner wird bei den Basketballern des OTB immer ein Plätzchen reserviert sein.

Klaus Fricke
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