Oldenburg Ehrfürchtig nähert sich Christoph Ernst dem Turngerät, greift vorsichtig mit einer Hand den Haltegriff und tritt behäbig in das Rhönrad – genauer gesagt auf die gegenüber der Griffe angebrachten Bretter. Der 33-jährige NWZ-Reporter möchte sich an einer Sportart versuchen, die er noch nie gemacht hat.

Optimale Voraussetzungen fürs Rhönradturnen – es heißt Rhönrad turnen, nicht Rhönrad fahren, wie Mona Kronenberger betont – bringt Ernst nicht mit. „Ich kann keinen Handstand – und ich bin nicht schwindelfrei“, eröffnet er der Trainerin. Ersteres sei nicht schlimm, versichert Kronenberger, zweiteres müsse man sehen. Gut, dass sie Matthias Paschke, Abteilungsleiter für Rhönradturnen bei Schwarz-Weiß Oldenburg, mitgebracht hat.

Durchmesser des Rhönrads: 2,20 Meter

Mit doppelter Hilfestellung geht es für Ernst, der vom Skateboardfahren immerhin einen einigermaßen geschulten Gleichgewichtssinn mitbringt, an die Gerätegewöhnung. Durch Gewichtsverlagerung auf das rechte respektive das linke Bein schwingt er das im Durchmesser 2,20 Meter große Rad (für die 2,30-Meter-Version ist Ernst mit 1,73 Metern etwas zu klein) hin und her. Nach wenigen Minuten lässt er sogar schon eine Hand los. „Wow, ich kann das schon richtig gut“, freut er sich. Doch die Freude währt nicht lange.

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Denn jetzt wird es ernst für Ernst: Es geht kopfüber. Mit zwei Lederschlaufen werden seine Füße fest unten an die Bretter gebunden, mit den Händen hält er sich weiterhin oben fest. Wobei – was ist in einem Kreis schon oben und unten? Alle Viere so von sich gestreckt, rollen ihn die beiden Trainer eine Umdrehung um die Körpertiefenachse – also so wie bei einem Radschlag.

„Schaukeln“ zur Abwechslung

Nach geschafften 360 Grad pustet Ernst kräftig durch. „In meinen Beinen hat sich alles verkrampft“, sagt er, und an Kronenberger gerichtet ergänzt er: „Ich spanne meine Arme voll an – muss das?“ Antwort der Trainerin: „Nee.“ Danach geht‘s in die zweite Runde – diesmal mit Blickrichtung nach vorn. „Whoa, das war hart“, meint Ernst beeindruckt.

Für ein wenig Abwechslung darf sich der Reporter dann hinsetzen – zum sogenannten Schaukeln: Er setzt sich auf eine Sprosse des Rhönrades und Trainerin Kronenberger auf eine andere gegenüber.

Angst schaukelt mit

Paschke dreht das Rad dann so, dass Ernst oben auf dem Rad sitzt – und ein paar Sekunden später nur knapp über dem Boden entlanggleitet. So richtig entspannend war das aber offenbar nicht: „Ich schwitze wie ein Wilder“, meint Ernst: „Ist das die Angst?“ Sicher sei das auch die Angst, sagt Paschke.

Ernst will es genau wissen: „Was kann denn eigentlich passieren?“ Kronenberger versucht, ihn zu beruhigen: „Man verletzt sich nicht doll beim Rhönradturnen. Man fährt sich ein- oder zweimal über die Finger – öfter aber nicht.“ Das hilft Ernst zwar nicht wirklich – dennoch will Kronenberger den Schwierigkeitsgrad etwas erhöhen.

Wie der „König der Welt“

Ernst traut seinen Ohren nicht: „Wie bitte? Ich soll auf dem Rad stehen? Das würde ich gern erstmal sehen…“ Die Trainerin turnt die Übung mal eben aus der kalten Hose vor. Anschließend meistert auch Ernst die Standwaage auf dem Rhönrad bravourös – wenn auch etwas weniger elegant als Kronenberger.

Insgesamt hat sich Ernst für einen Rhönrad-Einsteiger aber gut geschlagen, meint die Landeskadertrainerin. „Die meisten verwechseln über Kopf, dass sie die Füße strecken sollen und ziehen sie stattdessen an – das hat er nicht gemacht.

Ernst: „Ich würde es wieder tun.“

Auch die Finger hat er sich nicht eingeklemmt beim Schaukeln“, lobt Kronenberger ihren Schüler und fügt hinzu: „Er hat sich nur manchmal nicht so richtig getraut, das Rad loszulassen.“

Ernst selbst hat die neue Erfahrung durchaus gefallen. „Wenn man sich erstmal damit auseinandergesetzt hat und es ein bisschen kann, dann macht es wirklich Spaß!“, sagt er und ergänzt: „Wenn ich noch einmal die Gelegenheit habe, das zu machen: Ich würde es wieder tun.“


Den Videobeitrag zur Rhönradstunde sehen Sie unter   www.nwzonline.de/videos 
Mathias Freese Redakteur / Sportredaktion
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