Oldenburg Während Deutschland im Gesamten und die nationale Tennis-Szene im Speziellen versucht, den Corona-Albtraum langsam hinter sich zu lassen, kann auch einer etwas aufatmen, der vor drei Jahrzehnten einen Traum für sich realisiert hat: Daniel Greulich. Der 54-Jährige vom Oldenburger TeV hat Ende der 80er sein Hobby zum Beruf gemacht und verdient seit nunmehr 31 Jahren seinen Lebensunterhalt als lizenzierter Tennistrainer.

Keine Einnahmen

„Es ist für viele Tennistrainer derzeit finanziell nicht so einfach, da wir wochenlang keine Trainerstunden geben durften, so dass die Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit wegfallen“, erklärt Greulich: „Mir geht’s da etwas besser, da ich größtenteils durch den Tennisverband Niedersachsen-Bremen bezahlt werde, wo ich angestellt bin.“

Ihm kommt zugute, dass er sich bei weitem nicht nur auf das Männertraining beim OTeV konzentriert, sondern auch als Verbandstrainer im Jugendbereich tätig ist. Wie alle Kolleginnen und Kollegen freut er sich aber darüber, jetzt wieder auf dem Tennisplatz stehen zu können.

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Die Anlagen in Oldenburg und der Region sind nunmehr seit 47 Jahren so etwas wie Greulichs zweites Zuhause. Schon als Siebenjähriger schwang er erstmals den Tennisschläger – damals noch beim OTB, wo er es bis zum Oberliga-Spieler bringen sollte. Die Trainerlaufbahn startete Greulich als 21-Jähriger. Es sollte nicht lange dauern, ehe er als Kreiscoach Wesermarsch/Ammerland erstmals für Auswahltalente zuständig war.

Vorteil in Aufstiegsduell?

Nach der EWE-Ausbildung zum Industriekaufmann begann mit 24 die Karriere als hauptberuflicher Trainer. Zunächst im Ammerland bei TSG Westerstede und SVE Wiefelstede, ehe er ein Jahr später zum VfB Oldenburg ging und eine schlagkräftige Truppe formierte, der ab 1997 der Durchmarsch von der Verbandsliga in die 2. Bundesliga gelang.

In dieser Zeit wurde der 1996 zum DTB-A-Trainer ausgebildete Greulich auch zum Stützpunkttrainer Oldenburg und Leer (bis 2005) berufen. Der Zweitliga-Aufstieg sollte aber der letzte große Erfolg für ihn beim VfB sein. 2001 wechselte er mit einigen Leistungsträgern zum OTeV, für den er bis heute erfolgreich tätig ist.

Im vergangenen Winter holte die erste Männermannschaft zum vierten Mal den Titel des Nordostdeutschen Meisters in der höchsten deutschen Hallen-Spielklasse. Im Sommer spielten die Oldenburger von 2014 bis 2017 in der 2. Bundesliga, landeten dreimal in der oberen Tabellenhälfte und stiegen dann als Letzter ab. In den vier Jahren kamen größtenteils Eigengewächse sowie Spieler aus der Region zum Einsatz. „Für die 1. Liga reicht das nicht“, sagt Greulich zu dieser Philosophie: „Aber wir setzten weiter wie in den vergangenen 20 Jahren auf unsere gute Nachwuchsarbeit und haben das Ziel, wieder zurück in die 2. Bundesliga zu kommen.“

Bei der Umsetzung könnte die Corona-Krise dem OTeV in die Karten spielen. „Sollte es in diesem Jahr noch eine Saison geben, könnte uns das sogar zum Vorteil gereichen“, sagt Greulich und fügt erklärend hinzu: „Da wir anders als andere Regionalliga-Teams, die Spieler aus dem Ausland im Kader haben, mit unserem kompletten Kader antreten können.“

Mit gebotenem Abstand

Bei der Arbeit mit dem Pro-Team kümmert sich Greulich „mittlerweile mehr um das Organisatorische, da viele der Jungs schon seit der Jugend bei mir trainieren, teilweise selbst als Trainer aktiv beziehungsweise beruflich auswärtig sind“, erklärt der 54-Jährige. Bei den anderen drei Männerteams gibt’s hingegen normalerweise drei- bis vier Trainingseinheiten pro Woche, die jetzt mit gebotenem Abstand wieder regelmäßig angegangen werden können.

Der Übergang von der Jugend, „für die ich im Leistungsbereich ja auch zuständig bin“, zu den Erwachsenen erfolge sehr fließend, erklärt der Trainer: „So ist unsere vierte Mannschaft zum Beispiel identisch mit den B-Junioren.“ Neben der Tätigkeit bei TNB und OTeV ist Greulich seit 2012 als Regionstrainer Jade-Weser-Hunte aktiv, nachdem er zuvor sieben Jahre lang Bezirkstrainer Weser-Ems war.

„Ein super Trainer“

Zu den erfolgreichsten Schützlingen gehören Michel Dornbusch, Mattis Wetzel und Lasse Muscheites, die dem OTeV die Treue halten, obwohl sie zum Teil sehr viel im In- und Ausland unterwegs waren oder sind, sowie auch Vivian Heisen. „Daniel ist ein super Trainer, von dem ich alle Grundlagen – vor allem im technischen Bereich – gelernt habe“, sagt die Profi-Spielerin, die mit kurzen Unterbrechungen seit dem neunten Lebensjahr bei Greulich trainiert.

Als einen der wichtigsten Faktoren für den Erfolg sieht Greulich den großen Rückhalt im Verein. „Die tolle Unterstützung der Trainerkollegen beim OTeV ist Grundlage der Existenz eines Leistungsbereichs in Oldenburg – ebenso die kollegiale Zusammenarbeit auf Regionsebene. Sonst würde das Ganze nicht seit Jahrzehnten klappen!“

Dass er aufgrund der Corona-Krise 2020 erstmals seit drei Jahrzehnten mit den Athleten nicht zur Saisonvorbereitung nach Mallorca fliegen konnte, kann er verschmerzen – immerhin geht’s jetzt endlich auf den Tennisplätzen wieder richtig los, auf denen er seit 31 Jahren seinen Lebensunterhalt verdient und die seit bald einem halben Jahrhundert sein Lebenselixier sind.

So geht’s beim Tennis wieder los

In Niedersachsen sind die Tennisplätze seit diesem Mittwoch wieder für die Freiluftsaison freigegeben. Der Betrieb und die Nutzung öffentlicher und privater Anlagen im Freien zur Ausübung von kontaktlosem Sport ist bei Einhaltung folgender Voraussetzungen zulässig:


 Jede Person hat ständig einen Abstand von mindestens zwei Metern zu anderen Personen einzuhalten. Das gilt unter anderem auch für Geräteräume und andere Räume zur Aufbewahrung von Sportmaterial.


 Die Nutzung von Umkleideräumen und Duschen ist nicht zulässig.

Der Tennisverband Niedersachsen-Bremen (TNB) hat ein aktualisiertes Hygienekonzept als Empfehlung für alle Vereine fertiggestellt. Es geht um grundsätzliche Vorgaben ebenso wie um solche, den Spielbetrieb betreffend. Demnach soll auch ein Gruppentraining möglich sein, wenn die Abstandsregel zu jedem Zeitpunkt beachtet wird. Da im Doppel die Einhaltung des Mindestabstandes kaum möglich ist, geht der TNB zu Beginn bei der Aufnahme des Tennisspiels vom Einzel aus. Eine Ausnahme bildet ein Doppel, das aus Familienmitgliedern besteht. Es können also auch Familiendoppel gegeneinander gespielt werden.

Der Deutsche Tennis Bund (DTB) hatte frühzeitig die gesamte Turnierlandschaft bis 7. Juni abgesagt. Der Entscheidung hatten sich die Regionalligen, wo die OTeV-Männer in der Nordost-Staffel spielen, und unter anderem der TNB angeschlossen.

Der Sommer-Plan in den TNB-Ligen wurde wie in den Regionalligen um meist fünf Wochen verschoben. Saisonstart soll am 13./14. Juni sein. Bei den Erwachsenen soll bis 27. September gespielt werden.

Die Landesmeisterschaften der Frauen, Männer und Altersklassen finden nicht im Juni, sondern vom 4. bis 6. September statt. Regionsmeisterschaften wurden verschoben oder abgesagt.

National sind die Spiele der Frauen in der 1. Bundesliga, wo Vivian Heisen für den Essener Stadtteil-Club TC Bredeney antreten wollte, sowie der beiden Zweitliga-Staffeln, die Anfang Mai beginnen sollten, komplett gestrichen worden. Bei den Männern wird hier ohnehin erst ab Juli gespielt.

Jan-Karsten zur Brügge Redakteur / Sportredaktion
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