Oldenburg Sechser-Teams mit Sieg beim neunten Punkt, Vierer-Formationen mit sechs, sieben oder acht benötigten Zählern, Dreier-Teams, in denen bis zum dritten Punkt gespielt wird: Im deutschen Tischtennis-Ligabetrieb gibt es ein buntes Sammelsurium von Spielsystemen und Mannschaftsgrößen. Der Ruf nach einer Vereinheitlichung wird in Tischtennis-Kreisen lauter, auch in Oldenburg gibt es immer wieder Diskussionen zwischen Befürwortern der verschiedenen Systeme.

Was spricht für eine Vereinheitlichung?

„Eine Vereinheitlichung wäre schon vorteilhaft. Einerseits ist es für Nicht-Tischtennisspieler doch sehr unübersichtlich, was wo gespielt wird, andererseits ist eine Grenze zwischen verschiedenen Mannschaftsgrößen bei Auf- und Abstiegen immer problematisch“, fasst Bodo Hellwig von Kreisligist TTC Oldenburg III eine allgemeine Sicht zusammen.

Wie ist die Situation in Regional- und Oberliga?

Bei den Männern bestehen die meisten Klassen bisher aus Sechser-Mannschaften, Ligen mit Vierer-Teams sind aber in den vergangenen Jahren häufiger geworden. Ab dem Sommer 2021 werden die Regional- und die Oberliga auf Vierer-Formationen umgestellt. Der Tischtennis-Verband Niedersachsen hat gerade allen Verbands- und Landesligisten einen Fragebogen geschickt, in dem er abfragt, ob und wann die Vereine für eine Umstellung für diese Ligen und für die darunterliegende Bezirksebene sind.

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Was passiert im Stadtverband Oldenburg?

Dass in der Oldenburger Kreisliga schon ab jetzt wie schon seit 2004 in allen Kreisklassen nicht mehr mit Sechser-, sondern mit Vierer-Teams gespielt wird, hat der Stadtverband unlängst beschlossen. „Auf Kreisebene haben wir damit in Zukunft überall die gleiche Mannschaftsgröße, eine Umstellung gibt es dann erst beim Aufstieg auf Bezirksebene. Diese Grenze verschiebt sich jetzt eben um eine Liga“, erklärt Michael Onken, Vorsitzender des Stadtverbandes.

Wie ist die Stimmungslage in Oldenburgs Vereinen?

Bereits beim bislang letzten ordentlichen Kreistag gab es einen Austausch von Argumenten – eine endgültige Entscheidung sollte eigentlich im Frühjahr auf einem außerordentlichen Kreistag fallen. Durch die Corona-Situation mussten die Oldenburger Vereine nun ihre Entscheidung per Mail mitteilen: Elf waren für die Umstellung, vier dagegen, drei enthielten sich.

Was spricht für Vierer-Mannschaften?

„Gerade bei Spielen unter der Woche ist die kürzere Spielzeit angenehm, alles geht zügiger“, sagt Onken selber, der für Eintracht lange auf Bezirksebene in einem Sechser- und in der vergangenen Saison in der 1. Kreisklasse in einem Vierer-Team gespielt hat: „Mir gefällt das. Das Verhältnis von spielen und auf der Bank sitzen ist besser. Wobei ich aber auch mit Sechser-Mannschaften leben kann, ich bin da nicht zu dogmatisch.“

Wie sieht das ein Spitzenspieler wie Heye Koepke?

„Die Vierer-Mannschaft finde ich deutlich besser“, sagt der Jugend-Nationalspieler aus Oldenburg, der in der abgelaufenen Saison bei Hannover 96 in der 3. Liga in einer Vier-Mannschaft gespielt hat. In der kommenden Spielzeit wird es mit Regionalliga-Aufsteiger Oldenburger TB wieder ein Sechser-Team sein, ab 2021 dann wohl wieder eine Vierer-Formation. „Ich sehe das aber auch vor allem unter dem Leistungs-Aspekt“, sagt der 17-Jährige: „Das Niveau ist ausgeglichener und konstanter, auch im unteren Paarkreuz. Durch die kürzere Spielzeit ist es auch einfacher, den Fokus bis zum zweiten Spiel zu halten. Meiner Meinung nach wird die Leistung dadurch konzentrierter und besser.“

Was ist positiv bei denSechser-Mannschaften?

„Ich finde das Mannschaftsgefühl da besser“, sagt zum Beispiel Peter Ruhnke vom SV Ofenerdiek II aus der 2. Bezirksklasse, dem es weniger um die Leistung, als um das Gesellige geht. „Man sitzt mit mehr Leuten auf der Bank, mit denen man sich auch mal zwischen den Spielen und nach der Partie unterhalten kann“, findet der 45-Jährige. Ähnlich sieht es Hellwig. „Bei Vier gegen Vier wird es darauf hinauslaufen, dass zumindest im Doppel schon kein Zähler mit am Tisch ist. Auch beim Einzel wird das sicherlich häufiger passieren, auch wenn es in den Regeln eigentlich vorgeschrieben ist. Das könnte zu mehr Diskussionen führen“, sagt der TTC-Akteur. „Außerdem glaube ich, dass für den Teamgeist Sechser-Mannschaften besser sind. Ich sehe die Gefahr, dass das Anfeuern und Coachen der Mitspieler auf der Strecke bleibt, wenn dann vielleicht doch ein Spieler pro Mannschaft zählt und zwei spielen, dazu macht sich dann der letzte vielleicht warm oder geht mal kurz raus“, fürchtet er.

Gibt es noch weitere Argumente für die Varianten?

Pro Sechser-Teams wird in Diskussionen oft noch angemerkt, dass der Einbau von Nachwuchsspielern, die noch nicht ganz so stark sind, oder auch charakterlich schwierigerer Mitspieler einfacher ist. Bei Vierer-Teams wird häufig auch angeführt, dass die kürzere Spieldauer für Zuschauer absehbarer ist. Zudem spielt der ökologische Aspekt durch mögliche Auswärtsfahrten in nur einem Auto eine Rolle.

Überblick

Welche Systeme wurden bisher wo gespielt? Männer 1. Bundesliga: Hier gibt es Dreier-Mannschaften, für den Sieg sind drei Zähler nötig (TTBL-System).

2./3. Bundesliga: Hier benötigen je vier Spieler sechs Punkte, gespielt werden nach den Eingangsdoppeln gegebenenfalls zwei Einzelrunden (Bundessystem).

Regionalliga bis Bezirksklasse: Hier wird im Sechser-Paarkreuz-System gespielt. Dabei folgen drei Eingangsdoppeln eine Einzelrunde und gegebenenfalls eine weitere sowie ein Schlussdoppel. Beim neunten Punkt für ein Team ist das Duell beendet.

Frauen 1.-3. Bundesliga: Hier wird im Bundessystem gespielt.

Regionalliga bis unten: Hier bleibt es bei vier Spielerinnen pro Team, die aber im Werner-Scheffler-System spielen. Dabei kann eine dritte Einzelrunde nötig sein, um auf die erforderlichen acht Punkte für den Sieg zu kommen.

Nachwuchs: Bei den Mädchen und Jungen 18 in der Niedersachsenliga wie in der Jungen 18 Bezirksliga wird ebenfalls im Werner-Scheffler-System gespielt. In der Mädchen 18 Bezirksliga und Jungen 15 Bezirksliga kommt das Braunschweiger System zum Einsatz. Hier sind Vierer-Mannschaften Standard, man kann aber auch zu dritt antreten, ohne dass es zu kampflosen Spielen kommt. Es werden immer zehn Partien durchgespielt, sechs Siege reichen also für den Mannschaftserfolg.

Kreisebene: Hier kann jeder Verband selbstständig entscheiden. Im Bezirk Weser-Ems gibt es unterschiedliche Lösungen. In einigen Kreisen spielt nur die unterste Klasse mit Vierer-, alle anderen mit Sechserteams (z.B. Ammerland, Delmenhorst/Oldenburg-Land, Aurich/Wittmund). In anderen Kreisen wird nur die Kreisliga zu sechst, sonst zu viert gespielt (Cloppenburg, Wesermarsch). Einen Sonderweg geht der Kreis Ems-Vechte. Da spielt die Kreisliga zu sechst, die 2. und 3. Kreisklasse zu viert, und in den 1. Kreisklassen können die Vereine zwischen Parallelstaffeln mit Sechser- und Viererteams wählen. Bisher war Osnabrück-Stadt der einzige Verband, der ganz auf Vierermannschaften setzt. Das macht nun auch Oldenburg-Stadt: in der Kreisliga und der 1. bis 3. Kreisklasse im Dietze-Paarkreuz-System bis zum siebten Siegpunkt, gegebenenfalls mit zweiter Doppel-Runde am Ende – in der 4. Kreisklasse, in der manche Teams nicht auf Ersatzspieler zurückgreifen können, im flexibleren Braunschweiger System.

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