Zustellung der NWZ verzögert sich – ePaper freigeschaltet
+++ Eilmeldung +++
Aktualisiert vor 19 Minuten.

Probleme Im Druckhaus
Zustellung der NWZ verzögert sich – ePaper freigeschaltet

Oldenburg Einer justiert filigran sein Sportgerät und seine Wahrnehmung, ehe er den Abzug zieht – seine beiden Rivalen setzen kraftvoll die richtigen Hebel an, wenn sie ihrer sportlichen Leidenschaft nachgehen. Sportschütze Tim Focken vom SV Etzhorn sowie Ruder-Ass Max von Bülow vom ORVO und Triathlet Jesse Hinrichs vom 1. TCO „Die Bären“ haben trotz ihrer auf den ersten Blick ganz unterschiedlichen Sportarten doch einiges gemeinsam – zuallererst ganz sicher, dass sie im vergangenen Jahr ihre Extraklasse nachgewiesen und die Nominierung für die Wahl zum „Oldenburger Sportler des Jahres 2018“ verdient haben.

Mit Herz und Leidenschaft

Mehr als unangenehme Herzrhythmusstörungen, Besuche beim Kardiologen, Herz-OP: Mit so etwas muss sich ein junger Leistungssportler normalerweise nicht beschäftigen. Das dachte bis vor einem Jahr auch noch Triathlet Jesse Hinrichs. Im Februar 2018 traten bei ihm aber immer häufiger Herzrhythmusstörungen auf, die erst dazu führten, dass er sein Sportpensum ordentlich runterfahren musste – und schließlich in eine vierstündige Herz-OP im Mai gipfelten.

„Im Training hatte ich häufig Herzfrequenzen bis zu 240 Schläge pro Minute, und der Puls blieb anschließend selbst beim Sitzen knapp 10 Minuten im Bereich von 180 bis 200“, blickt der 20-Jährige zurück: „Das war nicht sonderlich angenehm – vor allem wenn es während eines langen Trainingslaufs passierte und man knapp 10 Kilometer von zu Hause weg war.“

Nach der OP war Hinrichs rasch beschwerdefrei und gewann bereits vier Wochen später die Sprintdistanz beim Ostfriesland-Triathlon. Es folgten Siege über die Olympische Distanz beim Silbersee-Triathlon in Stuhr sowie beim Islandman auf Norderney. Zudem startete er in Münster und Tübingen für das Bundesliga-Triathlonteam des TuS Griesheim.

„Das war ein schwieriges Jahr für mich, in dem ich erst im Juli in die Wettkämpfe einsteigen konnte – dafür war das eine gute Saison“, sagt Hinrichs, der 2010 durch seine Eltern zum Triathlon gekommen war, ebenfalls leidenschaftlich als Schwimmer aktiv ist und zuvor auch Fußballer wie Leichtathlet war: „Mir gefällt das Abwechslungsreiche am Triathlon – bei drei Disziplinen kann man im Training variieren, je nachdem wozu man gerade mehr Lust hat.“

„Überwältigendes Jahr“

Was Tim Focken zuvor mit dem Luftgewehr nicht gelang, schaffte er 2018 bei seiner ersten DM-Teilnahme mit dem Kleinkalibergewehr: den Gewinn des deutschen Meistertitels. Dass er jetzt mit beiden Sportgeräten an Wettkämpfen teilnimmt, liegt daran, dass das Kleinkaliber neu ins Paralympics-Programm genommen wurde. Eine Entscheidung, die dem 34-Jährigen offensichtlich entgegenkommt.

Bei der DM in München sprang neben dem Titel (KK-Gewehr 50 Meter) auch noch ein zweiter Platz (KK-Gewehr 100 Meter) heraus. Durch den DM-Triumph löste Focken direkt das Ticket für das Weltcupfinale im französischen Chateauroux, wo er am Ende Achter wurde. Zuvor war er bereits im Frühjahr bei der WM im koreanischen Cheongju als 17. nur knapp am Finale vorbeigeschrammt.

„Es ist für mich selbst noch nicht richtig zu glauben, dass ich innerhalb so kurzer Zeit schon so weit gekommen bin“, sagt Focken, der erst seit 2014 als Sportschütze aktiv ist. Vier Jahre zuvor wurde der Fallschirmjäger beim Auslandseinsatz in Afghanistan in einem Feuergefecht schwer verwundet und kann seitdem die linke Schulter und den Oberarm nicht mehr bewegen. 2013 war er für die Bundeswehr zunächst erfolgreich als Leichtathlet angetreten und hatte als erster Europäer den Paramilitärischen Mehrkampf-WM-Titel geholt. Als Europameister über 100 und 200 Meter sowie EM-Zweiter über 1500 Meter beendete er die Leichtathletik-Laufbahn aber nach nur einem Jahr.

„Ich hatte die Auswahl zwischen Triathlon, Leichtathletik und dem Sportschießen. Aufgrund meines Alters und meiner Familie habe ich mich dann für das Schießen entschieden, wo das Alter nicht ganz so eine große Rolle spielt. Außerdem habe ich hier eine Trainingsmöglichkeit fast vor der Haustür“, sagt der Oldenburger, der beim SV Etzhorn beste Bedingungen vorfand.

„Mittlerweile bin ich einer von 760 Spitzensportlern, die von der Bundeswehr gefördert werden“, erzählt Focken und ergänzt: „Das war ein überwältigendes Jahr, das meine Erwartungen absolut übertroffen hat.“

Auf in die USA

In seiner letzten U-19-Saison ließ es Ruderer Max von Bülow so richtig krachen – und überraschte niemanden mehr als sich selbst. „Das war ein unerwartet erfolgreiches Jahr. Vor einem Jahr war noch nicht klar, dass die Reise dort hingehen würde“, sagt der 18-Jährige, der 2012 durch seine Mutter zum Rudern kam: „Mit 15 habe ich dann mit dem Leistungssport begonnen.“

Nach und nach nahm die Karriere Fahrt auf. Kaum hatte das Jahr 2018 begonnen, durfte er sich schon zum ersten Mal Deutscher Meister nennen. Bei der Ergometer-DM in Essen-Kettwig setzte sich von Bülow knapp gegen die Konkurrenz durch, schaffte damit die Qualifikation für die WM in Alexandria im US-Staat Virginia und verpasste dort als Viertplatzierter nur um 0,2 Sekunden Bronze.

Auf dem Wasser machte der Oldenburger da weiter, wo er auf dem Trockenen aufgehört hatte. Bei den Deutschen Meisterschaften in Köln holte er im Vierer ohne Steuermann, seinem Lieblingsboot, gemeinsam mit Teamkollege Ben Reipöler sowie Ryan Smith und Leon Knaack vom DRC Hannover sensationell den Titel und hatte das nächste WM-Ticket in der Tasche. Bei der U-19- Weltmeisterschaft im tschechischen Racice ruderte das Quartett im August auf einen starken achten Platz.

Das starke Jahr endete für von Bülow kurz vor Weihnachten wieder auf dem Trockenen mit einer fulminanten Rekordjagd. Auf dem Ergometer verbesserte er im Stützpunkt beim ORVO am Achterdiek fünf Weltbestmarken im Bereich der 17- und 18-jährigen Leichtgewichtsruderer.

In diesem Jahr will von Bülow seinen Fokus wieder voll und ganz auf die Sommersaison richten und das Ruder-Ergometer hauptsächlich für das Training nutzen. Es ist seine erste Saison in der U-23-Klasse – und da will er noch einmal richtig angreifen. „Mein Ziel ist es, noch einmal international zu fahren.“

Krönung dieses Jahres wäre es aber, wenn er einen Platz an seiner Wunsch-Uni Princeton ergattern würde. Die Eliteeinrichtung in New Jersey gilt als stärkste Leichtgewichtsruderer-Universität der USA.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.