Oldenburg Er hat für sie viele Kämpfe gewonnen, sie haben zusammen viele Kämpfe gewonnen, jetzt haben sie ihn verloren: Am 27. Februar 2020 ist Stefan Janßen viel zu früh im Alter von 53 Jahren verstorben. Über 40 Jahre sorgte er mit seinem Spielwitz und seiner Routine für viel Wirbel weit über den Oldenburger Handballkreis hinaus – zunächst als Spieler wie später auch als Trainer. Einige Freunde und Mitspieler erinnern sich an die Zeit mit „Steffi“.

Als Junge aus Bürgerfelde zog es ihn Mitte der 1970er Jahre in die kleine BTB-Halle an der Alexanderstraße. Von Anfang an war er ein Vollblut-Handballer, ein richtiges Talent mit viel Spielübersicht und großen Abschlussqualitäten. Mehr als zehn Jahre spielte der große Junge, der so gut dribbeln, passen und werfen konnte, für den dort ansässigen Bürgerfelder TB und erreichte mit der C-Jugend-Mannschaft 1980 die Niedersachsen- und die Norddeutsche Vizemeisterschaft.

Hier wurden auch die ersten Freundschaften fürs Leben geschlossen. Holger Niekamp, sein damaliger Mitspieler und späterer Trainerkollege in Edewecht (Regionalliga und Aufstieg 2. Bundesliga), schätzte besonders die immer treue Art: „Mit Steffi geht ein Mensch und guter Freund, auf den wir uns immer 100-prozentig verlassen konnten.“

Wie ein großer Bruder

Nach dem Wechsel zum VfL Oldenburg im Jahr 1984 errang Stefan Janßen am Ende der Saison 1985 zum zweiten Mal die Niedersachsenmeisterschaft, diesmal mit einer A-Jugend, die zum größten Teil aus Spielern der Landesauswahl (einer davon natürlich „Steffi“) bestand.

Unter seinen Mitspielern war damals auch Ralf Hafemann, der inzwischen seit vielen Jahren für die sportlichen Erfolge beim Tvd Haarentor mitverantwortlich ist. „Mit Steffi habe ich so viel erlebt: im Handball, bei der Polizei als Deutscher Polizei- und Vize-Europameister – und auch so manche Feier nach dem Spiel. Er war für mich – obwohl wir der gleiche Jahrgang sind – immer wie ein großer Bruder.“

Als Trainergespann führten Hafemann und Janßen von 2013 bis 2015 die erste Männermannschaft des TvdH. 2014 gelang der Aufstieg in die Oberliga, in die die Haarentorer aktuell wieder mit aller Kraft zurückstreben.

Als A-Jugendlicher schaffte Stefan Janßen 1985 schon den Sprung zu den Regionalliga-Männern des VfL und erzielte in seiner ersten Saison unter der Regie der Trainerlegende Jürgen Carstens mehr als 60 Tore. „Mit Steffi habe ich zehn erfolgreiche und wunderbare Handballjahre erlebt, in dieser Zeit ist aus dem Talent ein richtiger Kämpfer geworden“, erzählt der heutige BTB-Vorsitzende: „Aber ich werde nie den Tag vergessen, als er uns erzählte, dass er an Krebs erkrankt sei, das war am 23. Februar 1993. Aber auch diesen Kampf hat er gewonnen. Da war er ganz stark.“

Eines seiner vielleicht besten Spiele machte Stefan Janßen am 10. Februar 1986 als A-Jugendlicher in der Sporthalle am Brandsweg. Nach einem 22:17 Sieg der Regionalligamannschaft des VfL Oldenburg gegen den TSV Ellerbek bekam er nach sechs Treffern von dem Zweitliga-Trainer Nico Beslac aus Altjührden in einer NWZ-Kolumne ein Sonderlob.

Absolut loyales Verhalten

Seine längste Handballzeit mit mehr als 13 Jahren verbrachte Stefan Janßen beim VfL Edewecht. Spiel- und Trainerkollege Utz Trepper imponierte nicht nur das absolut loyale Verhalten auf wie neben dem Feld, sondern auch die positive Energie, die der Kriminaloberkommissar vorlebte: „Ohne Stefan Janßen hätten wir so einen Erfolg in Edewecht nie erreichen können.“

Im Ammerland kämpfte er sich auf die „alten Tage“ noch einmal zurück, von der Verbands- bis zur Regionalliga als Spieler und bis zur 2. Liga als Co-Trainer von Niekamp, mit dem er schon in der D-Jugend auf Torejagd gegangen war.

Zusammen haben sie viele Kämpfe gewonnen, jetzt haben ihn durch einen Herzinfarkt alle verloren: Familie, Freunde, Arbeits- und Teamkollegen.


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