Oldenburg „Tempo, Tempo Tempo!“ Laut hallen die Kommandos der Trainer durch das große Dojo von SW Oldenburg in der Auguststraße. Etwa 30 Kinder und Jugendliche rennen über die Matte. Die Mädchen und Jungen im Alter von 8 bis 18 Jahren mit Judogürteln (Kyus genannt) in den Farben von Gelb bis Braun geben alles. Die Rückenschilder der Anzüge, auf denen Namen und Vereine zu lesen sind, weisen sie als Turnierkämpfer aus. Alle schwitzen. Es ist Montagabend 18.15 Uhr: Stützpunkt-Training.

Kniffe und Tricks

Die klaren Ansagen machen gleich deutlich, wer hier der Boss ist. Und der Trainer heißt auch noch so: Matthias Boss. „Der Nachname Boss ist für einen Trainer beziehungsweise Lehrer nicht der schlechteste“, sagt der 32-Jährige lachend. Der Lehramtsreferendar für Chemie und Mathematik in Bremen leitet schon seit vielen Jahren die Stützpunkt-Einheiten. Zudem ist er Trainer bei SWO.

Anfängerkurse

An drei Tagen pro Woche gibt es bei SW Oldenburg Anfängerkurse. Sie beginnen immer montags um 16.45 Uhr, mittwochs um 15.30 Uhr (Judo spielend lernen, für Kinder ab 5 Jahren) und freitags um 15.30 Uhr im Dojo in der Auguststraße.

Mehr Infos gibt es im Internet auf der Vereinsseite von SWO unter der Rubrik Judo www.swo-online.de

Boss betreibt seit fast 20 Jahren Judo, inzwischen hat er den 4. DAN. Früher hat er selbst auf Turnieren gekämpft, hat Platzierungen bei Deutschen Meisterschaften und Bundessichtungsturnieren erreicht, war Mitglied im niedersächsischen Landeskader. Jetzt ist er Trainer mit Leidenschaft. Die Kinder nennen ihn liebevoll „Bossi“.

Er hat das Stützpunkttraining mit aufgebaut, er kennt alle Kinder, ihre Stärken und auch ihre Schwächen. Die Erfolge können sich sehen lassen. Einige der Nachwuchskräfte sind Norddeutsche Meisterinnen und Meister, mehrere gehören zum Landeskader, viele erreichen jedes Jahr vordere Platzierungen bei regionalen und überregionalen Wettkämpfen.

Gezielte Förderung

Die speziellen Stützpunkt- Einheiten haben das Ziel, „den Spaß am Wettkampfjudo zu fördern und die Kinder für die Turniere zu schulen“, erklärt Boss. Er gibt hier weiter, was er selbst gelernt hat – die Kniffe und Tricks, die nötig sind, um beim Kampf auf der Matte zu bestehen.

„In den Vereinen haben sie oft nicht die Möglichkeit, ihre Judoka für Wettkämpfe zu schulen“, erläutert Boss. Deswegen habe der Niedersächsische Judoverband (NJV) die Stützpunkte eingerichtet. 1993 war das. Die gibt es in vielen Sportarten.

Wie überall geht es auch am Stützpunkt für die Bezirke Oldenburg darum, die Talente zu fördern und den Nachwuchs zu gewinnen für den Landeskader, für den Bundeskader – und vielleicht auch einmal für Olympia. Davon träumen die Jungen und Mädchen, die unter anderem aus den Oldenburger Vereinen PSV, OTB und SWO, aber auch aus Wildeshausen, Wiefelstede, Norden, Leer, Holtriem, Pewsum oder Emden kommen. Mehrmals im Jahr kommen sogar Judoka aus den Niederlanden, aus Groningen.

Olympia-Silber in Seoul

„Das ist jedes Mal eine ganz schön lange Anfahrt aus Norden“, sagt eine von den Müttern auf der Bank. „Aber es lohnt sich. Die Kinder haben hier so einen Spaß, und das Training ist wirklich ausgezeichnet. Wir wechseln uns mit anderen Eltern beim Fahren ab, dann geht es schon.“

Wenn es den regionalen Standort in Oldenburg nicht gäbe, müssten die Kinder zu den Landesstützpunkten nach Osnabrück oder Hannover fahren. Mit der Schule und anderen Hobbys ließe sich das kaum vereinbaren. So ist es umgekehrt. Einmal im Monat kommt einer der Landestrainer des NJV nach Oldenburg und dirigiert mit Boss die Nachwuchskräfte.

Diesmal ist Sven Loll da. Der 55-Jährige ist leitender Landescoach des NJV aus Hannover – und Olympia-Medaillengewinner. 1988 hat er in Seoul (Südkorea) Silber gewonnen. Nur wenigen deutschen Judokas ist das gelungen. Einen Termin mit so einem Mann will niemand verpassen.

„Das Training von Sven und Bossi ist super. Sie erklären mir, was ich beim letzten Wettkampf falsch gemacht habe und wie ich mich noch verbessern kann“, sagt Tabatha Knippler (Germania Leer), die 2019 Norddeutsche U-15-Meisterin geworden ist. „Wir sind hier eine große Gemeinschaft. Alle kennen sich schon lange und unterstützen sich gegenseitig beim Training und auf den Wettkämpfen“, meinte SWO-Kämpfer Adrian Bredohl.

„Natürlich können wir nicht überall sein“, sagt Loll, bei den wichtigsten Wettkämpfen sei aber immer auch ein NJV-Coach dabei. „Für ein effektives Training müssen wir wissen, wie sich die Kinder im Wettkampf schlagen“, sagt der Mann aus Hannover: „Dann können wir gezielt an Schwächen arbeiten.“

Durch halb Deutschland

Auch Boss coacht seine Schützlinge auf Turnieren und Meisterschaften – und ist dafür viel unterwegs. „Da muss man manchmal für ein paar Kämpfe durch halb Deutschland reisen. Wenn mehrere Teilnehmer vom Stützpunkt bei einem Turnier dabei sind, kommt man richtig ins Schwitzen, dann rennt man von einer Matte zur nächsten“, sagt der Stützpunkt-Trainer. An diesem Montag fließt der Schweiß aber vor allem bei den Talenten – hier an dem Ort, wo der Nachname Programm ist.

Anfängerkurse

An drei Tagen pro Woche gibt es bei SW Oldenburg Anfängerkurse. Sie beginnen immer montags um 16.45 Uhr, mittwochs um 15.30 Uhr (Judo spielend lernen, für Kinder ab 5 Jahren) und freitags um 15.30 Uhr im Dojo in der Auguststraße.

Mehr Infos gibt es im Internet auf der Vereinsseite von SWO unter der Rubrik Judo www.swo-online.de

Jan-Karsten zur Brügge Redakteur / Sportredaktion
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