Oldenburg Als sich die Entscheidung vom Handball-Verband Niedersachsen (HVN) über den Saisonabbruch wegen der Coronavirus-Krise anbahnte, kehrte beim Tvd Haarentor eine gewisse entspannte Anspannung ein. „Uns war klar, dass wir in jedem Fall mit dabei sind, wenn die Saison mit Aufsteigern gewertet wird“, erklärt Teammanager Matthias Voß, der aber erst am Mittwochabend endgültig Gewissheit hatte. Als die Entscheidung offiziell war, hatten die Oldenburger das ersehnte Oberliga-Ticket in der Tasche.

Wer steigt zusammen mit den Oldenburgern auf?

Hinter dem TvdH rangierte in der bisherigen Verbandsliga-Tabelle die HSG Heidmark auf Rang zwei, der punktgleiche TuS Haren (beide 28:12) hat aber den direkten Vergleich (auswärts 28:29, daheim 29:27) gewonnen und darf mit in die Oberliga. Der TvdH lag bereits nach der Hinrunde vorn und steigt nun mit 31:9 Punkten souverän als Erster auf. „Was für ein Erfolg der jungen Mannschaft“, meint Sportleiter Ralf Hafemann. Diese habe nun das erreicht, was der Verein 2013 in seiner „Vision 2020“ anvisiert hatte.

Was war der Kernpunkt der Vision 2020?

Als damals überlegt wurde, wie die Zukunft des TvdH und auch des Männerhandballs in Oldenburg aussehen soll, waren alle sich „schnell einig, dass es nur über gute Jugendarbeit gehen kann“, erklärt Hafemann und darf nun auf eine „stetige Verbesserung“ im Nachwuchssektor zurückblicken. Das Erreichen der Oberliga-Endrunde durch die A-Jugend 2017/18 war ein Grundstein für die aktuelle Erfolgsgeschichte. „Aus dieser Mannschaft haben sieben Spieler den Sprung geschafft“, sagt Hafemann mit Blick auf die Talente, die das Gerüst des Männerteams bilden.

Welche Rolle spielt Cheftrainer Ivo Warnecke?

Nachdem der TvdH mit Hafemann und dem kürzlich verstorbenen Stefan Janßen als Trainerduo schon 2014 in die Oberliga aufgestiegen, aber sofort wieder abgestiegen war, klappten alle weiteren Anläufe unter Vaidas Dilkas nicht. Um die Stärke aus dem Nachwuchs- in den Männersektor zu transportieren, „musste ein Trainer her, der die Jungs weiterentwickeln kann“, erläutert Hafemann, warum 2019 Warnecke geholt wurde. Voß: „Das bekommt Ivo großartig hin.“

War der Sprung in die Oberliga schon Pflicht?

Nach dem großen Umbruch sollte sich das Team eigentlich erst finden und dann 2020/21 angreifen. „Keiner der Verantwortlichen hatte nach dem totalen Turnaround damit gerechnet, dass sich die Mannschaft so toll entwickelt“, meint Hafemann. Nach Startproblemen sei Warneckes Spielidee „mehr und mehr verinnerlicht“ worden. Im Schatten der erfahrenen Zugänge Tobias Weihrauch, Tobias Meyer und Tim Stapenhorst konnten sich die Talente „in Ruhe entwickeln“. Auch der kurzfristig verpflichtete Torhüter Jannik Rohde und der aus der Reserve aufgerückte Lars-Ole Woldt hätten dem Team Stabilität verliehen.

Ist der Aufstieg ohne richtiges Saisonende verdient?

„Die Mannschaft hat es sich verdient“, meint Voß und verweist unter anderem auf die hohen Siege im Februar gegen Haren (32:18) und Heidmark (29:19). Es wäre aber „natürlich viel schöner“ gewesen, sagt der Teammanager, wenn der Aufstieg gemeinsam auf dem Feld und mit den Zuschauern in der Halle perfekt gemacht worden wäre. Es werde darüber nachgedacht, „eine kleine Aufstiegsfeier mit der Mannschaft und den Fans an der vereinseigenen Halle zu veranstalten“, erklärt Hafemann. Dazu müsse man aber die weitere Entwicklung der Coronavirus-Krise abwarten.

Welche personellen Veränderungen sind geplant ?

Der Verpflichtung von Jakub Anuzewski vom künftigen Oberliga-Rivalen HSG Barnstorf/Diepholz sollen noch zwei weitere Zugänge folgen. Mit einem Kreisläufer sei der TvdH sich schon einig, verrät Hafemann, ohne den Namen nennen zu wollen. Dazu soll noch ein weiterer Rückraumspieler geholt werden. Ansonsten vertraue der Verein der aktuellen Mannschaft, „weil gerade die jungen Spieler noch viel Luft nach oben haben und sich weiter entwickeln werden“.

Wie lautet die Zielsetzung für die Oberliga?

Der TvdH kommt diesmal, „um zu bleiben“, sagt Hafemann: „Natürlich wird es den einen oder anderen Rückschlag geben, aber daraus wird die Mannschaft lernen.“ Durch das Verbleiben des TvdH II in der Landesliga und der männlichen A-Jugend in der Oberliga seien weitere Voraussetzungen geschaffen, die sich der Club in der Vision 2020 zum Ziel gesetzt hatte. „Es besteht eine sehr gute Grundlage für die nächsten Jahre im Oldenburger Männerhandball, die aber noch weiter ausgebaut werden soll“, sagt der Sportleiter.

Was könnte dem Handball weiteren Auftrieb geben ?

Um dem Männerhandball in der Stadt „eine neue Bühne zu geben“, so Hafemann, könnte vielleicht eins der vielen Derbys in der kleinen EWE-Arena stattfinden. Gespräche mit der Hallengesellschaft gab es schon. „Das ist natürlich eine tolle Aussicht“, sagt Voß mit Blick auf die interessanten Duelle mit Cloppenburg, VTB/Altjührden, Delmenhorst, Hatten-Sandkrug und Elsfleth.

Wie läuft die Vorbereitung trotz Coronavirus-Krise ?

Aktuell betreiben die Haarentorer individuell Kraft- und Lauftraining. Wenn es die Coronavirus-Krise zulässt, soll im Juni die kollektive Vorbereitung starten, ehe es nach der Sommerpause im August richtig losgeht. Unter anderem ist erneut ein Trainingslager in Lüneburg geplant. „Gerade im körperlichen Bereich muss die Mannschaft noch zu legen“, sagt Hafemann, „um den Gegner in der neuen Liga Paroli bieten zu können.“

So hart trifft die Regelung des Handball-Verbandes einen Nachbarn der Haarentorer

In einer Telefonkonferenz haben sich die Mitglieder des Präsidiums vom Handball-Verband Niedersachsen (HVN) am Mittwoch auf einen Abbruch der Saison 2019/2020 verständigt. „Es wird keine Absteiger geben. Die Aufsteiger werden über die Quotientenregelung ermittelt“, erklärte Präsident Stefan Hüdepohl.

Zur Ermittlung der Tabellenstände wird ein Quotient aus den erspielten Pluspunkten und der Anzahl der bis zum Saisonabbruch absolvierten Pflichtspiele gebildet. „Bei gleichem Quotienten ziehen wir für die Wertung den direkten Vergleich heran“, erläuterte Hüdepohl.

Einen Härtefall auf Grundlage dieser Regelung gibt es in der Oberliga. Während in der Verbandsliga die punktgleichen Rivalen Haren und Heidmark (beide 28:12) schon beide direkten Duelle bestritten haben, hat der in der Oberliga gleichauf mit Spitzenreiter ATSV Habenhausen zweitplatzierte TV Cloppenburg (beide 33:7) nur einmal gegen diesen gespielt. Die 27:33-Pleite bei den Bremern entscheidet nun die Aufstiegsfrage.

Jan-Karsten zur Brügge Redakteur / Sportredaktion
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