Oldenburg Der TSV Oldenburg könnte sich mit einem großen Knall aus der Fußballszene verabschieden. Erdal Sarigül, der den Landesliga-Absteiger durch die Irrungen und Wirrungen der vergangenen Jahre geführt hatte, spricht schon seit einiger Zeit nicht mehr mit der NWZ, kündigte am Wochenende aber in der „Sonntagszeitung“ an, den Verein auflösen zu wollen. Das habe er dem Niedersächsischen Fußballverband (NFV) und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) schriftlich mitgeteilt.

„Ungerecht

Von 1984 bis heute

Der Türkische SV wurde laut der Vereinsseite im Internet 1984 von 15 türkischen Gastarbeitern ins Leben gerufen. Zu den größten Erfolgen zählen der Landesliga-Aufstieg unter Trainer Timo Ehle zur Saison 2013/2014. Dies hatte der Club sportlich auch schon ein Jahr zuvor geschafft. Das Aufstiegsrecht wurde aber wegen Verstoßes gegen die Verbandsstatuten aberkannt. Im Jahr 2006 gewann der TSV die Oldenburger Stadtmeisterschaften im Hallenfußball.

Im September 2015 entschloss sich die Vereinsführung um Erdal Sarigül dazu, dass der Club nur noch als TSV Oldenburg mit neuem Logo auftreten solle. „Wir fühlen uns als Deutsche – unabhängig von unserer Herkunft“, erklärte Sarigül damals: „Wir sind kein Verein für nur eine Nationalität. Unser Verein steht in Oldenburg für alle Fußballer offen – unabhängig von ihrem Herkunftsland.“ Zuvor hätten die TSVer „leider feststellen müssen, dass die Bezeichnung als Türkischer SV die Außendarstellung des Vereins und der Spieler negativ beeinflusst.“

Für die anlaufende Saison hatte der TSV neben einem B-Junioren-Team zwei Männermannschaften gemeldet. Viele Spieler haben den Verein nach dem Abstieg und den Eklats der vergangenen Zeit allerdings verlassen.

Als einen Grund für die Auflösung des Clubs, der zwei Männerteams und eine B-Juniorenauswahl für den Spielbetrieb der neuen Saison gemeldet hatte, nannte Sarigül, dass der Verein „grundlos verfolgt“ und „ungerecht behandelt“ werde und „rassistischen Anfeindungen“ ausgesetzt sei.

Lesen Sie auch: Abstieg – Fußballer verhakeln sich im TSV-Dilemma

Dass der TSV in der vergangenen Spielzeit bei zahlreichen Partien der ersten Mannschaft in der Landesliga und der Reserve in der Fusionsklasse A nicht spielberechtigte Spieler auf dem Platz hatte, verschwieg Sarigül. Für die Vergehen war der TSV in mehreren Sportgerichtsverfahren bestraft worden. Die Umwertung des 3:0-Sieges gegen BV Essen in der Landesliga in eine 0:5-Niederlage führte letztlich dazu, dass der TSV die Saison auf einem Abstiegsplatz beendete und in die Bezirksliga eingruppiert wurde.

Alles rund um den Fußball im Nordwesten: Unser Lokalsport-Portal

Ebenso verschwieg Sarigül beispielsweise, dass sich der Verein die Spielberechtigung für Peter Godfrey mit einer gefälschten Meldebescheinigung beim NFV erschlichen hatte. Der Nigerianer spielte in der Hinrunde der vergangenen Saison für den TSV, schoss in 13 Spielen 13 Tore, wäre aber gar nicht spielberechtigt gewesen. Der Stürmer galt zwischenzeitlich laut Verein als verschollen und ist inzwischen abgeschoben worden.

Absagen per E-Mail

Die erste Mannschaft des TSV ist zu den beiden bisherigen Pflichtspielen nicht angetreten. Die Verantwortlichen von GVO hatten vor dem Bezirksliga-Auftakt am vergangenen Wochenende wie die des FC Rastede Ende Juli vor dem Bezirkspokal-Duell vergeblich versucht, mit dem TSV in Kontakt zu treten.

Das Pokalspiel in Rastede sagte der TSV einen Tag vor dem Spiel per E-Mail ab. Jetzt bat der Club zwei Tage vor dem Derby bei GVO um eine Verlegung, was die Gastgeber aus organisatorischen Gründen ablehnten.

Daraufhin teilte der TSV am Freitagabend den Osternburgern per E-Mail mit, dass das Team am Sonntag aus „vereinsinternen Gründen“ nicht spielen könne.

16 statt 17

Sollte der TSV an diesem Mittwoch in Obenstrohe und am Sonntag gegen BW Bümmerstede ebenfalls nicht antreten, wird die Mannschaft aus der Bezirksliga ausgeschlossen. Dann findet die Saison mit 16 statt 17 Mannschaften statt.

Bei diesen 16 Bezirksligisten hat der TSV ohnehin wohl jeglichen Kredit verspielt. Sie sollen sich auf dem zweiten Staffeltag Ende Juli, zu dem der TSV nicht erschienen war, darauf geeinigt haben, Bitten des Landesliga-Absteigers aus Oldenburg um eine Spielverlegung grundsätzlich abzulehnen.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.