Oldenburg Die Maßnahmen, die in den vergangenen Tagen und Wochen im und am Bootshaus am Achterdiek beim ORVO und im Leistungssportbereich beim hier beheimateten Team Nordwest/Regattaverband Ems/Jade/Weser getroffen wurden, machen einmal mehr die Entwicklungen und die Dimensionen der Coronavirus-Krise deutlich. Nach ersten Hygienevorschriften wurden am vergangenen Wochenende zunächst alle Indoor-Aktivitäten in den Vereinsräumlichkeiten eingestellt, ehe Anfang dieser Woche auch der Betrieb auf dem Wasser gestoppt wurde.

„Verlangt allen viel ab“

„Das Training auf dem Wasser wie auch im Bootshaus ist komplett gesperrt“, berichtet Ulrich Pohland als Vorsitzender des Regattaverbandes. „Die aktuelle Krise verlangt uns allen sehr viel ab, wir haben für den ORVO versucht, ein wenig Normalität so lange wie möglich beizubehalten“, erklärt Timm Wöltjen, der für den Bereich Sport im dreiköpfigen Vereinsvorstand zuständig ist: „Nun ist es aber geboten, aus Rücksichtnahme auf alle von der Erkrankung Bedrohten uns einzuschränken.“

Damit niemand das Nutzungsverbot am Achterdiek untergräbt, wurde sogar das Zugangssystem für die Eingangstür „außer Kraft gesetzt“, erzählt Pohland: „Nur der Vorstand und der Hausmeister können in das Bootshaus.“ 

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Ausnahme in Ratzeburg

Nachdem zunächst die zentrale Zusammenführung zur Mannschaftsbildung in Großbooten vom Landesverband wie vom Deutschen Ruderverband abgesagt worden war, fanden dezentrale Trainingseinheiten bis vor einer Woche noch statt. In Oldenburg waren kleinere Mannschaften noch auf dem Wasser. Die Sportgeräte wurden nach der Nutzung desinfiziert.

Doch diese Maßnahmen reichen seit dem vergangenen Wochenende nicht mehr aus. Aktuell ist nur individuelles Training auf dem Trockenen möglich. „Die vorhandenen Ergometer haben wir verteilt, die Sportler können somit zu Hause trainieren und haben alle Programme bekommen“, erklärt Pohland.

„Alleinig das Ruderzentrum in Ratzeburg habe wegen der noch laufenden Olympiavorbereitung eine Sondernutzungsgenehmigung vom Land Schleswig-Holstein erhalten“, sagt er und lässt mit der Betonung des Wortes „noch“ seine Meinung zum aktuellen Festhalten an den Olympia-Plänen in Tokio (24. Juli bis 9. August) durchblicken.

„Die Genehmigung gilt nur für die Olympia-Kader-Kandidaten. Wir sind nur im Bereich DM/EM/WM unterwegs, da gibt’s keine Ausnahme“, meint der Regattaverband-Vorsitzende: „Wir haben aber auch keine beantragt, wir sind solidarisch mit allen anderen Vereinen.“

Zwischendurch lüften

Trotz allem hat Pohland den Humor nicht verloren. „Ich hoffe, dass sie auch mal lüften. Der Trainingsraum leidet manchmal unter Sauerstoffmangel“, sagt er mit Blick auf die Ergometer-Einheiten der Ruder-Asse zu Hause. Diese würden sagen, „dass sie anaerobe Situationen simulieren“, also Zustände, in denen der Körper bei Extrembelastung ohne Sauerstoff Kohlenhydrate durch Milchsäuregärung in Energie umwandelt. „Leute, die von draußen in den Raum kommen, würden andere Worte wählen“, so Pohland.

Kostenfrage

Der Regattaverband hat sein Trainingslager in den Osterferien im schleswig-holsteinischen Mölln (Herzogtum Lauenburg) wie zum Beispiel auch Aufenthalte in München abgesagt. In der bayerischen Hauptstadt hätten die Deutschen Kleinboot-Meisterschaften (17.-19. April) und die Internationale DRV-Junioren-Regatta (9./10. Mai) stattgefunden. Beides fällt aus.

Erste Befürchtungen, dass man auf den Ausgaben für die Quartiere in Mölln und München sitzenbleiben würde, bestätigen sich laut Ulrich Pohland vielleicht nicht. „Wir werden wohl keine Kosten für die Unterbringung haben, weil die Option der Gegenleistung nunmehr unmöglich ist“, erklärt der Regattaverband-Vorsitzende. Eine Rechtsauskunft habe ergeben: Da die Jugendherbergen in Mölln und München „nicht liefern können, entfällt jedweder Anspruch“.

Eine gütliche Einigung ist aber möglich. „Wir werden als Sportkameraden und gute Geschäftspartner an einer Lösung arbeiten. Vielleicht kommen wir überein, dass wir einen Teil bezahlen und der Betrag als Guthaben für nächste Jahr verrechnet wird“, sagt Pohland: „Dann können die Herbergen Löhne zahlen, sofern der Staat nicht unterstützt.“

Jan-Karsten zur Brügge Redakteur / Sportredaktion
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