Oldenburg Ihren Jubiläumslauf hatten sie sich sicher anders vorgestellt, aber die Organisatoren des Everstener Brunnenlaufs machten aus der aktuellen Situation das Beste. Mit dem Brunnenlauf Solo lieferten sie eine Blaupause dafür ab, wie auch andere Veranstaltungen ablaufen könnten, wenn die Corona-Pandemie auch mittel- oder sogar langfristig nichts anderes zulässt. Rund 1200 Aktive machten den virtuellen Wettkampf zu einem echten Renner.

Klimaschutz

„Der Solo Brunnenlauf hat in jeder Beziehung eine gute Resonanz gehabt. 18 Zeiten unter 40 Minuten bei den 10 Kilometern zeigen, dass Läufer auch den virtuellen Wettkampf suchen“, meint Dirk Spekker aus dem Organisationsteam und ergänzt mit Blick darauf, dass kein Startgeld erhoben, aber um Spenden für einen guten Zweck gebeten wurde: „1200 Teilnehmer und mehr als 6000 Euro für die Klimaschutz Aktion mit Bäumen im Eversten Holz – es passte alles.“

Bei der Solo-Version läuft jeder für sich, erfasst die Zeit und lädt sie mit einem Beweis (zum Beispiel ein Bild von der Laufuhr) hoch. Wie beim normalen Brunnenlauf konnten auch Teams gegeneinander antreten. Die Einzelwertung des Firmenlaufs gewann dabei ein VfL-Athlet, der in Nicht-Corona-Zeiten wohl nicht dabei gewesen wäre: Florian Bahlmann. Er wohnt seit etwas mehr als zwei Jahren in Ville-d’Avray, einer Kleinstadt zwischen Paris und Versailles, wo er auf dem Gelände eines Gestüts eine flache, asphaltierte und autofreie Zwei-Kilometer-Runde für seinen Solo-Lauf gefunden hatte.

„Eine super Idee“

„Im Vergleich zu der Gegend, wo ich wohne, war es schon sehr flach. Ansonsten ist es hier doch recht hüglig“, erzählt der 33-Jährige, der durch seinen Vater auf die Veranstaltung aufmerksam geworden war und sich am Freitag spontan zu einem Start entschlossen hatte.

„Generell finde ich das eine super Idee. Die meisten Läufer suchen ja nach einer Art von Wettkampf“, sagt Bahlmann, fügt aber hinzu: „Natürlich ersetzt das bei weitem nicht das, was sonst Läufe für uns Läufer bedeuten: das Gemeinschaftsgefühl, angefeuert zu werden, auf jeden Fall fehlt der Adrenalinkick.“

Es war aber auf jeden Fall genug Adrenalin vorhanden, um in 22:06 Minuten eine Zeit abzuliefern, an der sich die Konkurrenz die Zähne ausbeißen sollte. Bei den Frauen siegte VfL-Kollegin Paula Böttcher klar in 24:20 Minuten.

Unter 31 Minuten

Virtuell stehen ließ auch Jan Knutzen die Konkurrenz über die 10 Kilometer. Der für den Osnabrücker TB startende M-30-Athlet lag in 30:52 Minuten fast drei Minuten vor Jesse Hinrichs (1. TCO „Die Bären“, 33:50). „Das Rennen hat gut geklappt. Trotzdem war es ein hartes Ding, aber im Team kann man einiges schaffen“, erklärte Knutzen, der sich für sein Ziel, auf einem vermessenen Rundkurs in Herringshausen (Kreis Osnabrück) unter 31 Minuten zu bleiben, tatkräftige Hilfe durch die Kollegen Nicolai Riechers und Dustin Karsch geholt hatte.

Nachdem es vor dem Start noch kräftig geregnet hatte, klarte es nach und nach auf – und das Trio erfüllte die Mission. „Ein richtiger Brunnenlauf wäre mir natürlich lieber gewesen, aber es geht im Moment nun mal nicht anders“, sagte Knutzen: „Es war eine tolle Aktion vom Brunnenlaufteam, es so auf die Beine zu stellen. Und mit einer kleinen Spende hatte es doch nicht nur für uns was Gutes am Ende.“

Ebenso deutlich viel der Sieg bei den Frauen aus. Hier verwies Bonnie Andres vom DSC in 36:25 Minuten Firmenlauf-Gewinnerin Paula Böttcher (39:54) auf Rang zwei. „Ich habe mich an dem Tag gut gefühlt. Mir haben aber Wettkampfatmosphäre und Aufregung gefehlt. Ich hatte Probleme, konzentriert zu bleiben und mich anzuspornen, schnell zu laufen“, erzählt Andres, die seit 2019 an der McNeese State University im US-Bundesstaat Louisiana studiert, aber aktuell in der Heimat weilt.

„Trotzdem wollte ich das als Testlauf für mich selbst nehmen“, sagt die 19-Jährige, die die gesamte Strecke im Alleingang auf der Tartanbahn in Wechloy lief. „Ich wollte eine genaue Strecke laufen, da man derzeit überhaupt keine Ahnung hat, wie man drauf ist oder ob man eventuell falsch trainiert“, erklärt Andres ihr spezielles Tagesziel und verrät: „Ich vermisse die Wettkämpfe und habe auch ein bisschen Angst vor dem ersten Wettkampf.“

Debüt mit 67

Auf der Originalstrecke im Eversten Holz absolvierte derweil Spekker an zwei Tagen erst die 10- und dann die 6,3-Kilometer-Distanz. „Es war einsam, wie meistens beim Laufen in den vergangenen drei Monaten Jetzt ändert es sich ja zum Glück, die Lauftreffs dürfen wieder in Gruppen mit Abstand laufen“, berichtet der 67-Jährige, für den es übrigens das Brunnenlauf-Debüt war, weil er ja sonst organisatorisch eingebunden ist. Virtuelle Läufe haben halt auch ihre Vorteile.

Speziell die Startphase (hier beim Oldenburg Marathon 2019) ist der neuralgische Punkt bei Läufen. BILD: Piet Meyer

Wo läuft’s wie oder 2020 gar nichts mehr?

20./21. Juni, Burginsellauf Delmenhorst: 17. Auflage findet als Burginsellauf Virtual-Run 2020 vom 20. bis 28. Juni virtuell statt.

21. Juni, Osternburger Mittsommernachtsberglauf: 11. Auflage wurde abgesagt.

27. Juni, Hasetal-Marathon Löningen: 18. Auflage findet als #wirlaufenweiter-Hasetal-Marathon seit 10. bis 27. Juni virtuell statt.

12. Juli, Wardenburger Sommerlauf: 12. Auflage wurde abgesagt.

15. August, Schortenser Jever-Fun-Lauf: 34. Auflage wurde abgesagt.

21. August, Barßeler Hafenfestlauf: 14. Auflage wurde abgesagt.

22./23. August, Lauf durch die Nacht Oldenburg: Anmeldung zur 3. Auflage ist offen.

5. September, Airborne-Fit-Run Oldenburg: Anmeldung zur 10. Auflage ist offen.

12. September, Sparda-Lauf Oldenburg: Anmeldung zur 19. Auflage ist bis zum 20. Juni aktuell gesperrt.

19. September, Freimarktslauf Garrel: Anmeldung zur 15. Auflage ist offen.

26. September, Cloppenburger Citylauf: Austragung der 25. Auflage ist offen.

3. Oktober, Herbstlauf Ofen: Anmeldung zur 29. Auflage ist noch nicht offen.

4. Oktober, Bremen Marathon: Anmeldung zur 16. Auflage ist offen.

25. Oktober, Oldenburg Marathon: Anmeldung zur 10. Auflage ist offen.

8. November, Lop dwasch dörn Wildenloh: Anmeldung zur 39. Auflage ist offen.

29. November, Nord-West-Cross Schortens: Anmeldung zur 43. Auflage ist noch nicht offen.


Alle Ergebnisse gibt’s unter   www.ise-sololauf-oldenburg.de 
Jan-Karsten zur Brügge Redakteur / Sportredaktion
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