Oldenburg /Bremen Neues Terrain betreten zwei Oldenburger Sportler an diesem Freitag in Bremen. Nein, sie befahren es. Denn Anne Peters und Florian Pelzer treten beim Bremer Sechstagerennen an. Das Duo von der Hunte wurde aus vielen Einsendungen ausgewählt, am Freitag beim Jedermann-Wettbewerb „Dein Rennen“ auf der 166 Meter langen Radbahn in der Bremer Stadthalle mitfahren zu dürfen.

„Ich bin gespannt, was auf mich zukommt“, sagt Pelzer, und Peters äußert „ganz schön Respekt“. Denn ein Bahnrad ist kein gewöhnliches Rennrad, und die Bahn ist keine normale Bahn, wie man sie etwa aus Leichtathletik-Stadien kennt. Die Räder haben keine Bremsen und nur einen Gang – und der ist starr, das heißt: wenn die Pedale stehenbleiben, bleiben augenblicklich auch die Räder stehen. Und die kurze Bahn hat sehr enge und extrem steile Kurven, damit die Fahrer mit bis zu 70 km/h überhaupt durchfahren können.

Mont Ventoux

Peters ist zwar mittlerweile kein Neuling mehr im Radsport, doch für die 42-Jährige ist Bahnradfahren auch eine „neue Erfahrung“. Ihr Freund und Teamkollege Markus Mellies habe – ohne ihr Wissen – einfach eine Bewerbung abgeschickt. „Als die Zusage kam, wollte ich im ersten Moment nicht“, erzählt Peters, die ihre Meinung dann aber änderte: „Wenn die mich schon nehmen, dann nehme ich die Chance auch wahr.“

Die Physiotherapeutin hat erst vor knapp zwei Jahren überhaupt mit dem Rennradfahren angefangen. Jedoch zeigte sich auf Anhieb, dass sie ein großes Talent zu sein scheint. Schon bald fuhr sie bei Rennen starke Ergebnisse ein, 2017 zum Beispiel den zweiten Platz bei einem 87 Kilometer langen Zeitfahren auf den Mont Ventoux in Frankreich oder den dritten Platz beim Münsterland-Giro – nach einem Sturz.

11 000 Kilometer sei sie über das Jahr gefahren, sagt Peters. „Seit ich die Bestätigung habe, habe ich viel Sprinttraining gemacht“, erzählt sie. Schließlich muss sie in Bremen nur 166 Meter auf Zeit fahren. Außerdem hat sie sich ein Bahnrad geliehen. „Die Tochter des ehemaligen Vorsitzenden des RSC Oldenburg ist mal Bundesliga gefahren – und ein altes Rad stand noch verstaubt im Keller“, erklärt Peters. Mit dem trainiert sie jetzt täglich auf der freien Rolle. Da man beim Heimtraining aber ohnehin nicht bremsen oder schalten muss, steht ihr der Härtetest am Freitag noch bevor: „Mal sehen, wie ich da klarkomme.“

Vater war im Halbfinale

Auch Pelzer hat eine gewisse Vorerfahrung, ist aber froh, dass es in Bremen am Freitag erst eine Eingewöhnungsphase gibt. Der 18-Jährige ist eigentlich Leichtathlet beim Bürgerfelder TB, seine bevorzugten Disziplinen sind Diskuswerfen und Kugelstoßen. „Aber ich fahre schon lange hobbymäßig Rennrad“, erklärt er. Außerdem besitzt er ein „Fixie“, also ein alltagstaugliches Rennrad mit nur einem festen Gang und lediglich einer kleinen Vorderbremse.

Auf die Idee, bei den Sixdays mitzufahren, kam der 18-Jährige durch seinen Vater, der im Vorjahr bei dem Hobby-Rennen in der Stadthalle teilgenommen hat – als Geburtstagsgeschenk. „Ich bin als Zuschauer dabei gewesen – und es hat mich direkt gepackt“, erzählt Pelzer. Sein Vater erreichte das Halbfinale. „Da dachte ich: Das kann ich auch.“

Sein Vater hat ihm natürlich auch berichtet, wie das Fahrgefühl war: „Er meint, die Steilheit der Kurve hat am meisten Überwindung gekostet. Man fährt eigentlich nur von Kurve zu Kurve. Und es fühlt sich an, wie in einer Achterbahn.“ Aber er sei auch erstaunt gewesen, wie schnell man sich daran gewöhne, und wie rasch man sich traue, ein hohes Tempo zu fahren.

Ab ins Finale

Wenn Pelzer ins Halbfinale möchte, wird er in der Qualifikationsrunde am Freitag genau das tun müssen. Die schnellsten 12 erreichen die Runde, die am Freitag (19 Uhr) und Samstag (19.30 Uhr) ausgetragen wird. Peters hingegen ist aufgrund von Ausfällen ihrer Konkurrentinnen schon so gut wie gesetzt.

Das Finale der jeweils sechs Schnellsten ist dann am Montagabend um 21.20 Uhr. „Da würde ich schon gerne fahren, aber es sind schon schnelle Fahrerinnen dabei“, meint Peters, die schon einen genauen Blick in die Starterliste geworfen hat. Doch in erster Linie freut sie sich auf die neue Erfahrung.

Mathias Freese Redakteur / Sportredaktion
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