Oldenburg „Back to the roots“ („Zurück zu den Wurzeln“) wird oft gesagt, wenn Sportlerinnen und Sportler den Weg zum Erfolg finden oder vielmehr wiederfinden wollen. Bei Boston Schröder bekommt der Spruch eine ganz besondere Bedeutung. Der 15-Jährige hat sich im vergangenen Jahr aufgemacht, um rund 18 000 Kilometer entfernt vom Zuhause die alte Heimat seiner Eltern zu entdecken und Basketball in Oldenburg zu spielen.

Training in den USA

„Ich habe lange in Neuseeland gespielt und auch bereits einige Trainingsstunden in den USA gehabt“, erzählt Boston, der mit den U-16-Junioren der Baskets Juniors aktuell in der Relegationsgruppe 1 der Jugend-Basketball-Bundesliga (JBBL) um den Sprung in die Playoffs kämpft. Nach dem bitteren 66:70 gegen den Bramfelder SV ist die Qualifikation aber in weitere Ferne gerückt. Bei noch vier ausstehenden Spielen liegen die Oldenburger als Tabellenvierter mit 6:4 Siegen einen Erfolg hinter Bramfeld (7:3) und zwei hinter dem Spitzenduo aus Münster und Paderborn (beide 8:2), das aktuell die beiden Playoff-Tickets in der Hand hält.

Als die Schröders 2003 aus der Wesermarsch nach Auckland auswanderten, stand die Geburt von Boston noch bevor. Er erblickte erst am 16. Februar 2004 das Licht der Welt und entdeckte in der Hauptstadt des Inselstaates im Südwestpazifik später zusammen mit seiner Schwester die Liebe zum Basketball. Beide spielten bei North Harbour in der höchsten Nachwuchsklasse Neuseelands.

Papa fiebert immer mit

Vorangetrieben wurden die Geschwister von ihren Eltern, die früh das sportliche Potenzial ihrer Kinder ankurbelten: „Sie unterstützen und fördern mich zu jeder Zeit. Sie fordern auch einiges. Mir ist das sehr wichtig – und ich bin dafür sehr dankbar“, sagt Boston, der mit seinem Vater im vergangenen Jahr nach Deutschland kam. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, das Talent des 15-Jährigen auf Spitzenniveau weiter zu fördern, führte der Weg zurück in den Nordwesten.

Papa Schröder fiebert bei den Spielen mit Herz und Seele auf der Tribüne mit. „Man merkt, dass das eine besondere Beziehung innerhalb der Familie zu dem Sport ist. Ich denke, aus Boston kann jede Menge werden“, schwärmt Artur Gacaev, der in Oldenburg als Cheftrainer der JBBL- und der ProB-Mannschaft maßgeblich für das Fundament im Unterbau von Bundesligist EWE Baskets zuständig ist.

Traum vom Profisport

Mit im Schnitt fast 21 Punkten pro Spiel ist Schröder erfolgreichster Korbjäger der U 16 und darf mit seinen Teamkollegen noch von der Playoff-Qualifikation träumen. „Mein Ziel ist es, entweder hier in Deutschland oder in den USA Profispieler zu werden“, sagt der Guard, der im Mannschaftskader mit einer Körpergröße von 1,84 Metern gelistet ist.

„Allerdings bietet mir Deutschland derzeit bessere und wesentlich mehr Optionen dafür“, sagt der 15-Jährige, der für sein Alter erstaunlich reif und gefasst wirkt und auch gleich hinzufügt: „Das Wichtigste ist aber zunächst der Abschluss der Schule.“

Obwohl er nahezu 18 000 Kilometer von seiner Schule in Neuseeland entfernt lebt, kann er die dortige elfte Klasse absolvieren. Möglich macht das eine Art Fernstudium. Ausschließlich per Computer bewältigt Boston den Lehrstoff und wird dabei von Klaus Kertscher unterstützt, der seit längerer Zeit ehrenamtlich für die Laufbahnbetreuung und -beratung der Oldenburger Nachwuchskräfte zuständig ist.

„Die Unterstützung seitens der Baskets und vor allem Herrn Kertschers ist überwältigend groß“, sagt Boston, der zum Beispiel im November unter Aufsicht des Pensionärs wichtige Prüfungen absolvieren konnte. „Mir wurde der Übergang hierher vom ersten Moment an wirklich sehr erleichtert dadurch“, zeigt sich der Schüler sehr dankbar.

Das ist der Abiturplan

Tatsächlich stand bis vor wenigen Wochen die Überlegung im Raum, dass der junge Basketballer auch die zwölfte Klasse und damit die Schule auf diesem Weg beendet. „Mittlerweile ist der Plan, dass ich mein Abitur in Neuseeland abschließe und dann nach einem Jahr zurückkomme, um hier in der NBBL zu spielen“, erklärt der 15-Jährige. Zurück zu den Wurzeln kann man ja nicht nur einmal im Leben kommen.

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