Oldenburg Das Interview musste radelnd stattfinden. Das war für Anne Peters einfacher, als ein Telefonat in den vollgepackten Alltag zu quetschen. Die 43-jährige Physiotherapeutin, zweifache Mutter und neuerdings Lizenz-Radsportlerin muss zwischen Kinderbetreuung, Arbeit und Haushalt schließlich noch Training unterbringen. Für Entspannung ist nicht viel Zeit. „Das hier ist für mich Entspannung“, sagt Peters fröhlich bei der lockeren, morgendlichen 2,5-Stunden-Tour über 75 Kilometer durch den Landkreis Oldenburg.

Verbissen ist die Radsportlerin vom RSC Oldenburg dabei allerdings ganz und gar nicht. Sie hat einfach Spaß am Radfahren – und vor allem: am schnellen Radfahren. Und das kann sie erstaunlich gut – vor allem, wenn man bedenkt, dass sie erst vor vier Jahren so richtig damit angefangen hat.

Wenn der Plan endlich mal aufgeht

Zuletzt mischte sie bei der Tour d’Energie in Göttingen und bei den Landesverbandsmeisterschaften wieder ganz vorne mit und erreichte mit starken Leistungen zwei Podestplätze.

In Göttingen hatte sie einen Plan: „Nicht wieder verzocken.“ Vor zwei Jahren war sie viel zu schnell losgefahren und musste sich am Ende durchkämpfen – immerhin reichte das noch zu Platz vier bei den Frauen. In diesem Jahr zeigte Peters Geduld, und die zahlte sich aus: Sie hielt sich zu Beginn aus den Positionskämpfen vorne heraus, suchte sich etwas weiter hinten eine Männer-Gruppe und fuhr ihr Tempo, bis sie eine weitere Gruppe um Carmen Burmeister erreichte. „Dann muss ich ziemlich weit vorne sein“, dachte sich Peters, die die Konkurrentin aus Köln kannte und um ihre Stärke wusste. Aber auch um ihre Schwäche: „Ich wusste, dass sie am Berg nicht so stark ist.“ Also plante Peters einen Angriff am Hemelner Berg, einem Anstieg über gut fünf Kilometer. Mit Erfolg: Sie distanzierte Burmeister und kam vier Minuten vor ihr als zweite Frau ins Ziel. Auf Siegerin Naima Madlen Diesner aus Göttingen hatte sie im Ziel nur 45 Sekunden Rückstand. „Endlich hat mal etwas geklappt, was ich mir vorgenommen habe“, freute sich Peters, die für die 100 Kilometer 2:40:13 Stunden benötigte.

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Das „Verzocken“ kam dann allerdings sechs Tage später beim Einzelzeitfahren in Pattensen über 10,2 Kilometer. Topmotiviert trat sie die erste Minute über 400 Watt, von schrägem Rückenwind getragen fuhr sie die erste Hälfte in einem Tempo von 48 km/h. Dem musste sie auf der zweiten Hälfte bei Gegenwind Tribut zollen, erkämpfte sich aber noch den vierten Platz – fünf Sekunden vor Diesner.

„Das ist ein Rennen!“

Auf Rang drei fuhr sie im Straßenrennen am Folgetag in Remlingen. In einem überschaubaren Feld mit nur neun Elite-Frauen und acht U-17-Junioren, die gemeinsam die 46 Kilometer in Angriff nahmen, ging es gemütlich los – was Peters nicht wirklich gefiel. „Dann kann man ja gleich nur einen Sprint fahren“, meinte sie zur anfänglichen Tempogestaltung, die sich jedoch nicht allzu lange hielt. „Irgendwann fiel den U-17-Jungs auf, dass die Senioren kurz nach ihnen gestartet sind, und meinten, dass es doch peinlich wäre, wenn die sie einholen würden. Da wurde es schnell“, lachte Peters, die einige Kilometer später das nächste Ärgernis ereilte: „In einer Vierer-Gruppe redete eine Gegnerin permanent und meinte, wir sollen doch mal etwas langsamer fahren. Das ist hier ein Rennen!“, kommentierte Peters die Situation, die sich nach einer kleinen Tempoverschärfung am nächsten Anstieg aber auch erledigt hatte. „Da waren wir sie los“, meinte die Oldenburgerin zufrieden.

Nach diesen Rennen geht es für die 43-Jährige wieder ans Trainieren, bevor sie im Juni wieder richtig schnell fahren will: Dann nimmt sie erneut am Rennen auf „den Riesen der Provence“, den Mont Ventoux, teil. „Das möchte ich unbedingt mal gewinnen“, sagte sie nach zwei zweiten Plätzen in den vergangenen Jahren. Um dafür zu trainieren, nutzt sie – zwischen Kinder in die Schule bringen und Mittagessen kochen – jede freie Minute.

Mathias Freese Redakteur / Sportredaktion
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