Oldenburg Jan-Florian Käter schaut gebannt auf die Startampel. Die Spannung steigt – die Ampel springt auf Grün, und der 18-Jährige drückt auf den Auslöser. Dadurch wird die Kohlendioxid-Kartusche im Heck des Fahrzeuges „gezündet“, der Druck der Gaspatrone feuert das Auto raketengleich über die 20 Meter lange Rennstrecke. Schon nach zwei Metern erreicht der handflächengroße Mini-Bolide eine Geschwindigkeit von 120 km/h. Das geht so schnell, dass man es kaum sieht. Exakt 1,147 Sekunden braucht der Rennwagen bis ins Ziel.

Rennen im Filmpark

Dahinter steht eine beeindruckende Konstrukteursleistung – allerdings nicht von professionellen Ingenieuren, sondern von Schülern. In monatelanger Arbeit hat Jan-Florian Käter, der an der Liebfrauenschule gerade mitten im Abiturstress steckt, zusammen mit seinen Teamkollegen Jendrik Orthmann (18), Tjark Wittje (14) und Tabea Völke (17) den Rennwagen im Rahmen des internationalen Technologie-Wettbewerbs „Formel 1 in der Schule“ entwickelt. Zum Team mit dem Namen „Infinite Velocity“ gehört auch Paula Neumann-Hillebrand, die indes wegen der Abiprüfungen kürzer treten musste.

Das verbliebene Quartett nahm am vergangenen Wochenende an der Deutschen Meisterschaft teil, die im Filmpark Babelsberg in Potsdam ausgetragen wurde. 25 Mini-Rennwagen, die sich bei den jeweiligen Landesmeisterschaften qualifiziert hatten, gingen dabei an den Start. Die Oldenburger Farben vertrat zudem das Team „HTM Racing“ vom Gymnasium Eversten. Das GEO-Team um Niclas Hafemann, Nicholas Klatte, Nils Katerbaum und Sören Tomhave (alle 16 Jahre alt), das bereits seit 2012 beim Wettbewerb „Formel 1 in der Schule“ dabei ist, hatte im Februar bei der Landesmeisterschaft in Wilhelmshaven „Infinite Velocity“ noch auf Rang zwei verwiesen.

57 Gramm leicht

Doch in Potsdam hatten die Liebfrauenschüler die Nase vorn und fuhren auf Platz 10. Im Vergleich zur Landesmeisterschaft konnten sie das Gewicht ihres modifizierten Wagens noch einmal von fast 70 auf 57 Gramm reduzieren. Das GEO-Team war mit 1,113 Sekunden zwar schneller, musste aber mit Rang 13 vorlieb nehmen, weil in die Gesamtwertung auch die Projektpräsentation vor 21 Jurymitgliedern aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie das Marketingkonzept einfließen.

Beide Teams konnten stolz auf ihre Leistungen sein. „Die Platzierungen sind umso beeindruckender, da die Oldenburger Teams im Vergleich zur Konkurrenz relativ begrenzte finanzielle Mittel zur Verfügung hatten und trotzdem sehr schnelle Autos auf die Bahn brachten“, erklärt Lehrerin Tanja de Boer, die das GEO-Team zusammen mit Susanne Paul betreut. „Infinite Velocity“ wurde von Lehrer Markus Schnötke unterstützt. Für die Liebfrauenschüler gab es zudem den Sonderpreis als bestes Newcomer-Team, da sie zum ersten Mal an dem Wettbewerb teilgenommen haben.

Teamgeist im Abistress

Basismaterial aller Rennautos ist laut Reglement ein Stück Balsaholz. Doch welche Räder, Spoiler und Achsen man verwendet, ist den Teams selbst überlassen. Beide Teams haben ihre Wagen am Computer konzipiert, Simulationen im Windkanal vorgenommen, die Konstruktion programmiert und schließlich an der CNC-Fräse produziert. Reifen und Spoiler entstanden mit dem 3D-Drucker, verschiedene Lackierungen wurden getestet.

Auch wenn es nicht für das Ticket nach Texas – dort findet die Weltmeisterschaft statt – reichte, gelohnt hat sich die Mühe trotzdem: „Die Schüler haben sehr viel bei dieser teamorientierten Projektarbeit gelernt und werden davon in ihrem späteren Berufsleben profitieren“, ist Tanja de Boer überzeugt. Oder wie Jan-Florian Käter es formuliert: „Obwohl wir alle unsere Klausuren schreiben, haben wir erfahren, dass Teamgeist über allem steht.“

Stephan Onnen Redakteur / Redaktion Oldenburg
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